1949 schloß das Altriper Kinderheim in der Villa Baumann

Der Kreisdelegierte der amerikanischen Militärregierung, Commandant Cardon, hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Villa des Altriper Backsteinfabrikanten Carl Baumann beschlagnahmt. Zunächst war die Einquartierung eines Brückenbaubataillons angedacht, aber auch die Einrichtung eines Altenheimes.

Auf Initiative des Ludwigshafener Beigeordneten Max Frenzel wurde dann dank amerikanischer Unterstützung im August 1946 in der 37-Zimmer-Villa ein Heim für Ludwigshafener Kinder eingeweiht. Ausgewählt wurden hierfür die am schlechtesten ernährten Volksschulkinder. Doch auch Altriper Halbwaisen und Unterernährte fanden für jeweils fünf Wochen im ''Kinderheim Altrip'' Aufnahme. Das Patronat über das Heim übernahm die Süddeutsche Sanitäts- und Ärztehilfe (CSS), die auch für hochwertige Nahrungsmittel sorgte.

1949 schloß das Altriper Kinderheim in der Villa Baumann

Frenzel gelang es, einen Großteil der Heimkosten über Spenden aufzubringen. Anfang November 1948 wurde das eintausendste Kind begrüßt. Die Kinder nahmen während ihres Altriper Aufenthalts zwischen zwei und fünf Kilogramm zu. Die Devise der Heimleiterin, Tante Hilde, von Schwester Anna und Frau Steiger war: ''Kein Kind darf hungrig den Tisch verlassen!''

Die Kinder ihrerseits bastelten Spielsachen, die in Ludwigshafen ausgestellt und für arme Kinder an Weihnachten bestimmt waren. Im Heim selbst gab es an Weihnachten nicht nur den begehrten Kakao und den ''weißen'' Kuchen, sondern auch Schweizer Schokolade. Sogar die Konzertsängerin Hedi Schanzenbach trug mit alten Weihnachtsweisen dazu bei, daß die Kinderherzen höher schlugen.

Nach der Stadtratswahl 1948 verlor Max Frenzel sein Amt und die Totenglocke läutete das Ende des Heims ein. Die Spenden flossen nicht mehr wie früher, und für die Villa, die anfangs kostenfrei zur Verfügung stand, mußte eine Pacht entrichtet werden. Ludwigshafens Oberbürgermeister Valentin Bauer befand auch, daß der Weg nach Altrip zu weit und dadurch mit zu hohen Spritkosten belastet sei. Auch die Energiekosten wurden als zu hoch empfunden und sogar die Altriper Schnakenplage wurde als Grund für die Aufgabe des Heims angeführt. Die Kosten je Kind und Monat betrugen damals 3,90 Mark. Vor nunmehr 50 Jahren, drei Jahre nach ihrer Einrichtung, schloß die bisher wohl größte humanitäre Einrichtung auf Altriper Boden, ihre Pforten.

(Wolfgang Schneider | Juni 1999)