Vorgängerverein der ''Wasserhinkle'' 1937 gegründet

Seit wann in Altrip die Narrenschar Gott Jokus frönt, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Offenbar gab es aber Mitte des 19. Jahrhunderts schon Faschingsbälle im Ort, denn im Jahre 1851 beschloss der Gemeinderat, die Polizeistunde an den drei Fasnachtstagen bis Mitternacht zu verlängern. Normalerweise trat die Sperrstunde schon um 22 Uhr ein.

Vor dem Ersten Weltkrieg muss wohl das Narrentreiben in Altrip so stark zugenommen haben, dass die Altriper Ratsherren die Notbremse zogen. Die Gemeindeväter verboten jegliches Tragen von Gesichtsmasken an den Fasnachtstagen für Personen über 14 Jahren auf allen Straßen und Plätzen. Der Polizeidiener wurde ermächtigt, ''Zuwiderhandelnden'' die Larve abzunehmen und Strafanzeige zu erstatten. Untersagt wurde auch, das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zu bemalen oder zu vermummen.

Das Werfen von Konfetti oder Knallerbsen war auf den Straßen strengstens verboten. Maskierte Personen, welche in schmutziger oder leicht abfärbender Kleidung sich bewegen, dürfen, ''soweit ihr Aufenthalt auf den Straßen nicht ohnehin unzulässig ist, nur die Fahrbahn benützen.'' Und weiter: ''Maskierte Personen, welche durch ihre Kleidung oder ihr Auftreten den Anstand oder die guten Sitten verletzen, ist der Aufenthalt auf den öffentlichen Straßen untersagt.'' So niedergeschrieben am 2. Juni 1911.

Offensichtlich ließen sich die Altriper durch solche Beschlüsse nicht in ihrer närrischen Ausgelassenheit einschränken - ganz im Gegenteil: In den 20er Jahren gab es nicht nur auf den Straßen ein heiteres Faschingstreiben, sondern fast jeder Verein und die Gastwirte veranstalteten Kappenabende und die großen Gesang- und Sportvereine auch Maskenbälle und Prunksitzungen. Der Männergesangverein hatte gar einen eigenen Elferrat und lud während der Kampagne ins ''Erdreich'' ein, wogegen er in der übrigen Jahreszeit im ''Himmelreich'' sein Domizil hatte. 1930 wurde gar in drei Sälen gleichzeitig gefeiert und getanzt und die Narren pendelten ständig zwischen dem Pfälzer Hof, dem Schwanen und der Turnhalle hin und her.

Erst 1937 kam es aber zur Gründung eines eigenständigen Karnevalsvereins. In der ''Weinstube Schneider'' wählte eine kleine Narrenschar Franz Schlösser, der Zeit seines Lebens seinen Kölner Akzent nie ablegen konnte, zu ihrem ersten Präsidenten. Vorsitzender des Karnevalsvereins ''Castell'' wurde der Kaufmann Heinrich Beysel, während der Vereinswirt die Kassengeschäfte übernahm. Gleich zwei ehemalige Bürgermeister, Adam Jacob und Adam Schneider, arbeiteten im Beirat mit. Mit Elan steuerten die Castellaner das Narrenschiff durch die politisch bewegte See.

1938 und 1939 wurde im ''Himmelreich'' und ''Schwanen'' die fünfte Jahreszeit gefeiert; während das Heringsessen mit Geldbeutelwäsche an Aschermittwoch im Vereinslokal stattfand. Im Jahre 1939 zog am Faschingsonntag ein närrischer Lindwurm durch alle Ortsstraßen. Das Programm wurde als ''Altriper Pegelstand'' angezeigt, die Prinzessin erhielt den Beinamen ''von Hohenufen'' und Altbürgermeister und Ehrenvorstand Adam Jacob schrieb das Vereinslied ''Wo des Rheines Wellen schlagen an den Strand''. Nach dem Krieg nahm wiederum Franz Schlösser den Narrenstab in die Hand und der Vereinsname schrieb sich nun ''Kastell'', legte also das ''C'' ab.

1952 kam es gar zu einer völligen Namensänderung. Durch die Gründung des Landes Rheinland-Pfalz gab es zwei Vereine gleichen Namens, nämlich in Altrip und in Mainz-Castell. Die Altriper nannten sich nun ''Die Wasserhinkle''. Oftmals übernahmen die Karnevalgesellschaften die Uznamen für die Dorfbewohner in ihren Vereinsnamen. ''Wasserhinkle'' war allerdings nie ein Uzname für die Altriper, sondern, wie der Heimatforscher Rudolf Wihr einmal schrieb, der von Neuhofen.

''Die Wasserhinkle'', die heuer von dem am längsten amtierenden Präsidenten Lorenz Schäfer repräsentiert werden, verstehen sich schon lange auch als Brauchtumspfleger allgemein. So durften die Altriper schon viele Waldparkfeste der Wasserhinkle mit erleben und der Verein beteiligte sich früher mit eigenen Zugnummern bei den Sommertagsumzügen und bis zum heutigen Tag beim Einbringen des Kerwebaumes und der Übergabe der riesigen Kerwekrone an die Gemeinde.

Trotz Namensänderung im Laufe der Vereinsgeschichte blieb das Ziel stets dasselbe: ''Der immer währende Kampf gegen Miesmacher und Spießertum'' gemäß dem alten Vereinsmotto: Immer froh und heiter!

(Wolfgang Schneider | Februar 2000)