29. März 1945: Krieg auch für Altriper endgültig zu Ende

Die Besatzungstruppen durchsuchten sämtliche Häuser nach versteckten Wehrmachtsangehörigen, hatten jedoch wenig Glück, denn diese waren zumeist im Dickicht der Auwälder untergetaucht und setzten sich von dort aus im Schutze der Dunkelheit mit Fischerkähnen ins Badische ab.

Am 29. März 1945 kam wieder militärische Bewegung in den Ort. Nachdem die Amerikaner vier Tage zuvor bei Sandhofen gelandet waren, um Mannheim einzunehmen, überschritten sie nun mit unzähligen Amphibienfahrzeugen bei Altrip den Rhein und nahmen die Mannheimer Stadtteile Neckarau, Rheinau, Friedrichsfeld sowie den Flugplatz Neuostheim ein.

Nun drohte Altrip auch keine Gefahr mehr von der deutschen Flak in Rheinau. Für die Altriper war somit der Krieg endgültig aus.

Die Bevölkerung verfiel in einen regelrechten Taumel. Überall im Ort wurde getanzt und der von skrupellosen Geschäftemachern organisierte Wein in Unmengen konsumiert.

Doch nach wenigen Tagen waren der Wein und die Lebensmittel aufgebraucht. Nachschub gab es nicht mehr und da Altrip auch kein Bauerndorf war, konnte es auch von der Ernte nicht viel erwarten.

Auf Bitten der Gemeindeverwaltung holten die „Amis" mit Lastkraftwagen Kartoffeln und Brennmaterial aus weit entfernten Gebieten. Doch die Amerikaner hielten sich nicht allzu lange im Ort auf. Lediglich in der 37-Zimmer-Villa der Firma Baumann richteten sie eine Brückenbauabteilung ein, die die Arbeiten für die Ludwigshafener Notbrücke leiten sollte.

Nun fielen fast täglich motorisierte Banden ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter plündernd im Dorf ein. Die zuständige Militärpolizei war in Limburgerhof. Zuweist gab es weder eine telefonische noch eine Pkw-Verbindung dorthin. Hilfe gegen die Übergriffe war also kaum zu erwarten.

(Wolfgang Schneider | 2005)