Das Eis kommt von unten

Warum der Rhein nicht (mehr) zufriert

Kalt war es in den vergangenen Tagen. Sehr kalt. So kalt, dass der Rhein zufrieren könnte? Diese Frage lässt sich eindeutig mit "Nein" beantworten. Denn es kommt nicht nur auf die Temperaturen an. Weil sich im Rhein das Eis von der Flusssohle her bildet, spielt auch der Wasserstand eine wichtige Rolle. Und zu Beginn der strengen Frostperiode war der Wasserstand ziemlich hoch.

Richtig zugefroren war der Rhein in unserer Gegend zuletzt 1929. Dass es noch einmal so weit kommt, ist heute praktisch ausgeschlossen. Dafür sorgen der Wellenschlag der Schiffe, das viele warme Abwasser und das Salz, das in den Fluss geschwemmt wird. Denn Salz senkt den Gefrierpunkt - ähnlich wie Streusalz Eis zum Auftauen bringt. Allerdings: Wenn es wider Erwarten durch eine längere Frostperiode Niedrigwasser gäbe und die Kälte sich von den Alpen über den Oberrhein bis zum Mittelrhein erstrecken würde, dann könnte es aber sehr wohl zur Vorstufe eines Eisstaus kommen, nämlich zu Treibeis.

Letztmals war dieses Ereignis 1963 auf dem Rhein zu beobachten. Damals war die Kältewelle so stark, das selbst der Bodensee zufror und sogar Kraftfahrzeuge übers Eis fahren konnten. Ein Ereignis, das seit 1880 nicht mehr eingetreten war. Während auf stehenden Gewässern wie Baggerseen und in langsam fließenden Bächen und Flüssen sich das Eis von der Oberfläche aus bildet, geht die Eisbildung des Rheins von der Flusssohle aus. Das so genannte Grundeis steigt empor, weil es leichter als Wasser ist, und bildet Eisschollen: Treibeis.

Meist waren bei Treibeisbildung die stehenden Gewässer schon so fest zugefroren, dass sich Schlittschuhläufer darauf tummeln konnten. Ehe es Kühlschränke gab, wurde das Eis aufgehackt, in Stroh gewickelt und in Kellerräume verfrachtet, wo es für viele Wochen zu Kühlzwecken diente.

Das war auch die Zeit der Eisfischer. Sie wussten genau, wo sich die Fische bei großer Kälte sammelten. Dort schlugen sie Löcher in die Eisdecke. Damit sie anschließend nicht wieder zufroren, wurden sie mit Stroh ausgestopft. Durch den Lärm wurden die Fische zwar vertrieben, doch anderntags "standen" sie wieder an derselben Stelle und konnten in einem Sack geborgen werden. Deshalb wurden sie auch "Standfische" genannt.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 29.01.2010 / Wolfgang Schneider)