Schon früh den 1. Mai gefeiert

Das zum Anfang des 19. Jahrhunderts von Hermann Adam von Kamp getextete Lied „Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei” kannten früher nahezu alle Leute. Der Mai war aber auch der Aufbruchmonat der Arbeiterbewegung. So ist aus dem ehemaligen Arbeiterdorf Altrip überliefert, dass bereits ein Jahr nachdem die „Internationale Arbeiterbewegung” den 1. Mai als weltweiten Kampftag proklamiert hatte, eine Kundgebung stattfand.

Gefeiert wurde allerdings erst am Sonntag, 3. Mai, im Jahr 1891 im Lokal „Zum Rheinthal”, denn Deutschland steckte gerade in einer Wirtschaftskrise und man wollte den Unternehmern keinen Anlass für eine Aussperrung geben. Schon damals bestand die Forderung nach einem Achtstundentag. 1907 wollte der Sozialdemokratische Verein, der Arbeitergesangverein, der Ring- und Stemmclub und die Gewerkschaftsvereinigung am 5. Mai einen Umzug durch die Altriper Straßen organisieren.

Das „Königliche Bezirksamt Ludwigshafen” sprach jedoch ein Verbot aus „ordnungs- und verkehrspolizeilichen Gründen” aus. Das Dorf zählte damals gerade mal 2000 Seelen und der Fuhrwerksverkehr war sehr spärlich. Der 1921 gegründete Touristenverein „Die Naturfreunde” unternahm ein paar Jahre lang eine Wanderung in den Mai, ehe die Nationalsozialisten den 1. Mai 1933 zum „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes” bei vollem Lohnausgleich ausriefen. Ab 1934 wurde mit dem Symbol eines Maibaums an den Frühlingsbeginn gedacht. Schon Wochen vor dem Fest wurden von der Schuljugend und den politischen Gliederungen Lieder einstudiert und Festwagen vorbereitet. Beim Umzug durch die Ortsstraßen marschierten vorneweg die einzelnen Gruppierungen in Uniform.

1939 mussten die Beschäftigten der Gemeinde, die so genannten Gefolgschaftsmitglieder, bereits am Vortag zur Einholung des Maibaums am Horst-Wessel-Platz, der später in Karl-Marx-Platz umbenannt wurde, antreten und nach einem gemeinsamen Marsch auf dem Messplatz an einer Feier teilnehmen.

Am Morgen des 1. Mai mussten die Gemeindebeschäftigten wiederum an einem Umzug teilnehmen und sich auf dem Messplatz über einen Lautsprecher den „Staatsakt” aus Berlin anhören. Nachmittags um 15 Uhr hatten die Gefolgschaftsmitglieder auch zu einem Appell im Gemeinderatssaal anzutreten und anschließend an einer Maifeier in der Wirtschaft „Zum Karpfen” teilzunehmen. 1946 wurde in der Rheingemeinde erstmals wieder eine freie Maifeier abgehalten, allerdings lautete die Auflage der Alliierten „Keine Fahnen, keine Spruchbänder, keine Parolen.”

Das Ortskartell Altrip des DGB organisierte in den 1950er Jahren wiederholt am 1. Mai ein Waldparkfest mit einem Festredner. Bis 1956 waren die Themen zumeist auf den Alltag bezogen und ab 1957 standen politische Themen wie die Wiedervereinigung und später die Notstandsgesetzgebung auf der gewerkschaftlichen Agenda.

(W. Schneider | 2009)