Das Dorf modernisiert

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Turn- und Sportvereins Altrip im Jahr 1956 hielt dessen Ehrenvorsitzender Carl Baumann die Festrede. Seine Ausführungen gipfelten in der Aussage, dass „der Name Emil Lebherz dereinst in goldenen Lettern verzeichnet” sein wird. Heutzutage erinnert wenig an den ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde, der am 7. August 1908 geboren wurde.

Beim damaligen TuS-Jubiläum war von einem Mann die Rede, der als Vorsitzender des Vereins im Jahr zuvor eine Sport- und Festhalle eingeweiht hatte, die überwiegend in Eigenarbeit errichtet worden war. Zuvor hatte Lebherz ein großes Projekt angepackt, als er 1950 den „Ortsverein der Fliegergeschädigten und Ausgebombten” mit 75 Mitgliedern gründete. Altrip war nämlich im Zweiten Weltkrieg von Fliegerangriffen besonders hart getroffen worden. Den Verein leitete er über zwei Jahrzehnte lang.

1956 errangen die Wählergruppen Baumann und Unverrich die Mehrheit der Gemeinderatssitze und „machten” Emil Lebherz zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde - allerdings mit Auflagen. Beim Personal musste gespart werden und Lebherz sollte seinen früheren Dienstposten bei der Gemeinde weiter wahrnehmen, was sogar eine Ersparnis für die Gemeindekasse brachte, weil die Aufwandsentschädigung für einen ehrenamtlichen Bürgermeister entfiel.

Emil Lebherz packte in seinen zehn Amtsjahren viele segensreiche Projekte an. So wurde eine Kanalisation gebaut und erstmals die gemeindeeigenen Straßen asphaltiert. Altrip konnte 1962 auch die erste Kläranlage im Landkreis einweihen. Lebherz besorgte den „baulustigen” Altripern günstige Erbbauplätze und führte die Müllabfuhr ein. Im Jahr 1958 übernahm er das Fischerfest in Gemeinderegie und setzte sich mit seinem väterlichen Freund Carl Baumann dafür ein, die bisher als „verlorene Baggerseen” bezeichneten Wasserflächen in der Gemarkung zu einem Naherholungsgebiet umzuwandeln - die später so benannte „Blaue Adria”. Lebherz gründete 1958 auch den heimatkundlichen Arbeitskreis „Alta Ripa” und ließ das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges vom Wasserturm auf den Friedhof umsetzen und um ein Denkmal für die Opfer des letzten Krieges erweitern.

Nachdem sich die Zusammensetzung des Gemeinderats geändert hatte, gab es für eine weitere Amtszeit des Bürgermeisters keine Mehrheit mehr. Bei Lebherz” Verabschiedung meinte Landrat Hermann Scherer (SPD): „Noch sein Abtreten lässt Format erkennen.” Zwei Jahre nach seinem Ausscheiden kehrte Lebherz als Gemeinderat in die Politik zurück. Seine Wählergruppe errang stolze neun Sitze. Doch bisher erinnert in Altrip nichts an das Wirken des stets bescheidenen Mannes. Auch die Ehrenbürgerwürde wurde ihm nicht angetragen.

Die letzten Lebensjahre verbrachte Lebherz in der Gemeinde seiner Vorväter, in Bitz auf der Zollernalb, wo er am 2. März 1987 verstarb und anschließend in heimatlicher Erde in Altrip in einem schlichten Grab seine letzte Ruhe fand. 

(Wolfgang Schneider - 2008)