Begehrtes Motiv: Berufsfischer

Friedrich Brechter, der von 1826 bis 1865 als gelernter Lebküchler und Konditor in seiner Mannheimer Konditorei hochwertige Tragant- und Marzipanfiguren herstellte, gilt als der Erfinder des heute noch so beliebten „Mannemer Dreck”. Brechter, der auch nicht geringe Talente als Maler und Zeichner hatte, wusste, was bei seiner Kundschaft „ankam”.

Um 1900 „geknipst“: Fischer Jakob Knauber mit Familie.Um 1900 „geknipst“: Fischer Jakob Knauber mit Familie.

Als in den 1850er Jahren ein reckenhafter Altriper Fischer seine plastischen Kunstwerke im Schaufenster längere Zeit betrachtete, griff er flugs zu Bleistift und Papier, um ihn zu skizzieren. Einige Zeit später stand die wohlgelungene Figur zur Freude vieler Altriper Fischer und der Mannheimer als süßes Kunstwerk im Fenster. Der Name des Fischers ist uns leider nicht überliefert. Bekannt ist hingegen, dass die Altriper Fischer reichfaltige schwere Mäntel und einen Dreispitz oder einen zerdrückten breitkrempigen Hut trugen. Daneben gab es noch eine typische Sonntagskluft.

Mittlerweile ist der letzte Berufsfischer schon fünfzig Jahre tot und die Erinnerung an die alte Fischertradition nahezu verschwunden. Ein Bild eines „prominenten” Fischers ist jedoch erhalten geblieben. Der Berufsfischer Jakob Knauber (1866 bis 1940) ließ sich um 1900 von einem eigens nach Altrip gekommenen Stadtfotografen „knipsen” und wurde 1938 auch von Dr. Otto Eichenlaub, der damals Wirtschaftsredakteur des Ludwigshafener „Generalanzeigers” war, gezeichnet.

Dass dieser Zeichner schon bald darauf eine wichtige Person der Zeitgeschichte werden sollte, ahnte damals niemand. Eichenlaub wurde während des Zweiten Weltkriegs als Zensuroffizier bei Generalfeldmarschall von Witzleben und später bei Generalfeldmarschall Rundstedt tätig. Die Französische Militärregierung ernannte ihn ab 1. Oktober 1945 zum Oberregierungspräsidenten für Pfalz-Hessen, später stand er bis Juli 1947 an der Spitze des Regierungsbezirks Pfalz, und die Universität Mainz verlieh ihm die Würde eines Ehrendoktors.

Doch auch ein anderer „Hobbykünstler” interessierte sich für die typische Altriper Fischergestalt. Es war Karl Heinrich Hauk, Initiator und erster Vorsitzender des 1946 in Altrip gegründeten CDU-Ortsverbands. Hauk war stets auf der Suche nach Altriper Motiven für seine Aquarelle und Zeichnungen und natürlich auch nach „Altriper Originalen”. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Hauk den alten Fischer Jakob Knauber porträtierte.

(Wolfgang Schneider | August 2002)

(Wolfgang Schneider | August 2002)