1947 fast ausgetrocknet: Hungersteine am Altrhein

Die Hitze der letzten Tage weckte bei vielen Älteren Erinnerungen an den Juli 1947. Infolge der großen Dürre litten zahlreiche Menschen Hunger wie nie zuvor während des Kriegs. Der Altriper Altrhein war damals nahezu ausgetrocknet, so dass sogar die „Hungersteine”, Überbleibsel von der Rheinkorrektur, zu sehen waren. Die Altriper Kunstmalerin Elisabeth Körner pinselte damals auf die Steine: „Wenn Du mich siehst, wirst Du weinen.”

Wenn sich die Steine zeigten, gab es stets Not und Elend. Brunnen waren versiegt, die Frucht verdorrt und die Haushaltskassen wegen der Lebens- und Futtermittelverteuerung leer. So war etwa das Jahr 1857 sehr trocken, die Brunnen gaben kein Wasser mehr. Der Rhein war so niedrig, dass die Neckarauer trockenen Fußes auf die Prinz-Carl-Wörth-Insel bei Altrip gehen konnten. Im Rheinbett zeigte sich gar römisches Mauerwerk. Der Rhein selbst war nur noch ein Rinnsal. Schifffahrt, Flößerei und Fischfang kamen zum Erliegen. In alten Chroniken ist gar nachzulesen, dass 1303 in der Gegend der sonst so mächtige Rheinstrom ausgetrocknet war. Im letzten Jahrhundert gab es wiederholt in den Sommermonaten Situationen, in denen die Altriper bis weit in das „halbe Rheinbett” hinein eine Holzbrücke bauen mussten, damit die alte Gierfähre überhaupt verkehren konnte.

Für den heutigen Motorfährbetrieb musste stromab gelegen eine weitere Niedrigwasserstraße angelegt werden. Immer öfter gibt es Hitzerekorde und die Stromanlieger müssen sich häufig mit dem Wechsel von Niedrigwasserzeiten und extremen Hochwasser abfinden.

(Wolfgang Schneider | 2002)

Fast ausgetrocknet: Hungersteine am Altrhein beim "Karpfen".