Die Anfänge des Fußballs in Altrip

Seit 1901 wird in Altrip vereinsmäßig Fußball gespielt, da hatte die Rheingemeinde gerade mal 1700 Einwohner. Wie bei allem Neuen, so war auch die neue Sportart „Fußball” umstritten. Die beiden örtlichen Kriegervereine betrachteten gar das von England übernommene Spiel als einen „Verrat an Kaiser und Vaterland”.

Der Fußballclub „Bavaria” kickte überall, wo Platz war. Sehr populär waren damals die Sechserspiele. Da der Verein jedoch kein Übungsgelände finden konnte, löste er sich 1906 wieder auf und brachte sein „Vermögen” in den neu gegründeten Turnverein ein. Der alte „Turnverein Jahn” hatte sich Jahre zuvor aufgelöst. Sowohl der alte als auch der neue TV hatten jedoch nichts für Fußball übrig. Doch 1911 war es dann soweit: Die Generalversammlung beschloss die Anschaffung eines Fußballs und die Aufstellung einer Mannschaft. Fußball war in Altrip mittlerweile so beliebt, dass Vereine wie Pilze aus dem Boden schossen.

Dies war umso verwunderlicher, als Fußball mehr ein Sport für die Stadtjugend der Mittelschicht und weniger der ländlichen Arbeitergemeinden war. Der FC „Teutonia” überlebte spielend den Ersten Weltkrieg und kickte in der Gewanne „Lochwiese”. Schon vor dem Krieg wurde dem populären Rasenspiel auch im „Sportverein Olivia” gefrönt, dessen Chef, Ferdinand Jacob, noch nicht einmal 18 Jahre alt war. Nach dem großen Völkerringen widmeten sich fünf Vereine der „schönsten Nebensache der Welt”. Außer im TV und bei „Teutonia” wurde auch bei „Viktoria”, im Sportverein sowie beim Arbeiter-Turnverein „Frei Heil” dem Ball nachgejagt.
Neben dem Turnverein, der sich 1920 in „Turn- und Sportverein 1906” umbenannte, wurde bis in die 30-er Jahre aber nur noch im Sportverein dem „englischen Spiel” gefrönt. Interessanterweise hatten beide Vereine ihr Domizil im Gasthaus Pfälzer Hof.

Der TuS Altrip wurde 1933 Aufstiegsmeister der Gruppe Rhein und sah sich schon in der Verbandsrunde mit den Großen, wie Waldhof, VfR Mannheim, VfL Neckarau und Phönix Ludwigshafen. Doch die Neueinteilung – es kam die Gauliga – verhinderte ein Platz an der Sonne. Nun kam es gar zu ersten Spielerabwanderungen. Helmut Schneider wurde von Bayern München angelockt und machte später eine glänzende Trainerkarriere. Nach dem letzten Krieg wurde nur noch in der am 10. August 1946 gegründeten „Sportvereinigung Altrip” Fußball gespielt. 1950 nahm der Verein wieder seinen früheren Namen „Turn- und Sportverein” an und schuf für seine 300 Mitglieder in fast 12.000 freiwilligen Arbeitsstunden eine große Heimstatt.

Den Aufstieg in die 1. Amateurliga schaffte der TuS 1960/61; ein Erfolg, den der Verein 1964/65 wiederholen konnte, nachdem er zwischenzeitlich für ein Jahr in die 2. Amateurliga abgestiegen war. Ein absolutes Glanzlicht war 1968 das „Europa-Festival der Fußballjugend” im Altriper Rasenstadion, bei dem im Einlagespiel beim „FC Schmiere” Fritz Walter und die komplette Läuferreihe der 1954-er Weltmeisterelf gegen die Presseelf Kurpfalz antrat. Seit 1960 gibt es in Altrip auch eine AH-Mannschaft und seit 1976 gar eine AH II. Und auch die „Bambinis” treten schon kräftig auf den Ball. Kein Wunder also, dass der TuS nun fast 1200 Mitglieder zählt. 

(Wolfgang Schneider | Juni 2001)