Armut, Hochwasser und Soldaten getrotzt

Der protestantische Pfarrer Friedrich A. Dessloch kämpfte im 18. Jahrhundert an verschiedenen Fronten

Vor über 300 Jahren hatten die Altriper Protestanten Glück, denn anlässlich der „Abteilung des Kirchengutes" nach der Religionsdeklaration von 1705 durften sie ihre Kirche, den Pfarrhausplatz und das Kirchengut behalten. Allerdings war die Kirche bis auf den romanischen Kirchturm aus dem 13. Jahrhundert verfallen, und auf dem Platz, wo früher das Pfarrhaus stand, war 1702 nur noch eine Wildnis mit großem Stiefelholz (armdicken Stämmen).

Trotzdem mag die Nachricht von der „kirchlichen Flurbereinigung" den seit 1693 in Altrip wirkenden Pfarrer Friedrich Amadeus Dessloch einigermaßen beruhigt haben, denn es gab sehr wohl viele Orte mit einer protestantischen Mehrheit, in denen Kirche und Vermögen der katholischen Minderheit zugeschlagen wurde. Als Dessloch mit 25 Jahren nach Altrip kam, musste er der kurpfälzischen Regierung berichten, dass vor dem Orléansschen Erbfolgekrieg in Altrip 37, in Neuhofen sieben und auf der Rehhütte drei Familien zu betreuen waren.

Da kein Pfarrhaus mehr vorhanden war, zahlte das Domkapital in Speyer dem Pfarrer jährlich 20 Gulden Hauszins für seine Miete. Der Pfarrgarten bestand nur noch aus einem Grasgarten von einem Morgen, der aber oft durch Hochwasser verdorben wurde. Auch die fünf oder sechs Morgen Ackerland sowie drei Morgen Wiesen waren wiederholt „durch das große Gewässer" ertraglos. In Neuhofen, das nach Altrip eingepfarrt war, gab es hingegen überhaupt keine Pfarrgüter und „was die Gemeinde jährlich, wenn sie ihr gewonnenes Gras aufteilte, dem Pfarrer gab, trug nicht mehr als einen Wagen Heu".

Dessloch, dessen Schicksal seine Frau Amalie Maria mit ihm teilte, brachte es in Altrip auf 50 Amtsjahre. Neben ständiger Bedrohung durch das Anschwellen des ungebändigten Rheines machten seiner Tätigkeit mehrere langjährige Kriege zu schaffen. Kaum war der Orlèanssche Erbfolgekrieg vorbei, kam der Spanische Erbfolgekrieg, dann der Polnische, in dessen Verlauf französische Truppen im Mai 1734 bei Neckarau und Altrip den Rhein querten, sowie der Österreichische Erbfolgekrieg, in dem im Februar 1742 über 3800 französische Reiter bei Altrip über den Rhein setzten, und auf dem Rückweg von Böhmen passierten gar 13 Divisionen der „Franzmänner" die Altriper Fähre.

Diese drei Kriege dauerten zusammengerechnet 23 Jahre lang. Dorf und Gemarkung wurden dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Ort erlebte eine Kontribution (Kriegssteuer) nach der anderen und etliche Einquartierungen von Mannschaften und Pferden. Daneben „tobte" auch noch eine besondere Art von Glaubenskrieg. Die Amtszeit von Pfarrer Dessloch war nämlich geprägt durch die Gegenreformation, und in der Pfalz war es damals Mode geworden, zu konvertieren. Die Regierung geizte dabei nicht mit Belohnungen, damit „immer mehr Unkatholische zu dem wahren, allein selig machenden Glaubenslicht gebracht werden konnten". Doch die rund 250 Schäfchen von Pfarrer Dessloch in Altrip und seine Gemeindeglieder im Pfarrsprengel ließen sich nicht „päpstlich einschwärzen".

(Wolfgang Schneider | 2005)