Aus Erzählungen von Altbürgermeister Emil Lebherz

Vor dem 1. Weltkrieg fuhren die bessergestellten Einwohner mit de Schees (Chaise = Kutsche) uff de Schossée (Chaussee) nach Ludwigshafen zum Bahnhof. Sie lösten ein Billett (Fahrkarte) und standen zum Teil stundenlang auf dem Peronn (Bahnsteig) herum. Dabei konnten sie Soldaten aller Scharschen (Chargen = Dienstgrade) beobachten.

In voller Montur (Uniform) standen da die Vaterlandsverteidiger. Bajonett (Seitengewehr) und Üwwaschwung (Überschwung = Koppel) waren damals üblich. Viele standen da mit einem Tschick (Zigarettenstummel) und hofften, dass sie wieder gesund und nicht malad (krank) vom Feld (Kriegseinsatz) zurückkehrten.

Im Dorf ging das Leben seinen gewohnten Gang. Trotz der damaligen Feindschaft mit Frankreich ("Jeder Stoß ein Franzos' - jeder Schuß ein Russ' "), war in der Alltagssprache ein starker französischer Einfluss zu hören. So spannte man beim Regen den Parablü (Schirm) auf und setzte Pâsee (Pensee = Stiefmütterchen), obwohl dafür auch der Ausdruck Gsischtle zu hören war. Georg hieß Schorsch, Johann Scho und Jakob Schack. Sauerkraut wurde noch selbst in Stänner (Steingut- oder Holzkübel) eingelegt. Der Speiseplan war damals noch sehr umfangreich: Von de Grumbeere (Kartoffeln) über Gummere (Gurken), Ringlo (gelbe Pflaumen), Kanztraube (Johannisbeeren), Grusselbeere (Stachelbeeren) bis hin zu na digge Blunz (Blutwurst) gab es reichlich zu essen.

Doch dann kam der Krieg mit all seinen Entbehrungen, und da wurden selbst die Butze (Apfelkernhaus) kleiner, die Supp' war oft lais (fad) und selbst Grumbeerscheelzisch (Kartoffelschalen) wurden noch für eine Suppe aufgekocht. Die Verluste an der Front häuften sich, und manche Frau/Mutter hatte einen roten Zinken (Nase) vor lauter Weinen. Das Sacktuch (Taschentuch) war oft pitschnaß.

Der Krieg war aus, und die Soldaten kehrten in mauziger (schlechter) Stimmung heim. Manchen tat der ganze Ranzen (Bauch) weh. Viele bebberten vor sich hin. Teilweise waren ihre Glieder noch ganz belzisch (taub gefühlos), viele waren ganz zwazzlisch (kribbelig), manche hatten gar den Datterisch (Zitterer) und alle Forz lang (alle Augenblicke) wollt' jemand wissen, wie es genau war. So saßen sie oft stundenlang auf der Staffel (Außentreppe aus Stein) und starrten in die Gegend; sahen auf die Bettschisser (Löwenzahn) und auf die Belle (Pappeln) in der Ferne.

Zum Essen gab es Kappes (Kohl). Harte Sachen waren ohnehin kaum zu kauen, da die Raffel (das Gebiss) im Krieg gelitten hatte. Gut war noch dran, wer zu seine Leit (Eltern) konnte. Viele litten unter Mangelkrankheiten und kamen oft vom Abdritt (WC) nicht runter. Die Schnall (Gürtelschließe) musste an manchen Hosen enger gestellt werden, und mancher redete die erste Zeit nur Kauderwelsch (unsinniges Zeug). Jeder im Ort wusste, dass Deutschland nun lettere misse (in einem fort zahlen müssen).

Die Suppe wurde Anfang der zwanziger Jahre wieder etwas dicker. So gab es z.B. 'Gerschtelsupp' (Graupensuppe) und die bessere Leit konnten sich gar Schlagrahm (Sahne) leisten. Auch in Mannheim sah man ab und an wieder einen Altriper, der sich beim 'Zuckerbäcker (Konditor) etwas leistete. Wer auf den Straßen die Roßbolle (Pferdeäpfel) mit dem Weschl (Handwägelchen) einsammelte, wurde deshalb nicht schepp (schräg) angeschaut. Im Wald wurden Storze (Baumstümpfe) ausgegraben und Welle (Reisigbüschel) gemacht.

Die Bewohner hatten damals keinen Grattl (falsche Einbildung). Alte Leut' wurden noch estimiert (anerkannt, geehrt) und es pressierte noch nicht allen Menschen so. Die kinderreichen Familien herrschten vor. Auf den Straßen machten die Kinder zum Teil einen Lebbdag (Spektakel), überall sah man einige rumstiere (herumstöbern). Zum Friseur gingen die Knorze (kleine Buben) höchst selten. Die Mütter kämmten mit einem Strel (Haarkamm) ihre Zöglinge und damit hatte es sich. Die ganz kleinen Kinder wurden zum rapple auf den Bottschamber (Nachttopf) gesetzt. Die Schulkinder spielten Fangerles (Bannemann) und freuten sich, wenn sie einen Brocken Kannelzugga (Kandiswürfel) schlutzen konnten. Wenn eine Kinndergatt (Kindergruppe) es auf der Straße zu bunt trieb, wurde sie oft geschasst" (verjagt).

Während die Altvorderen rumfurwergten (eifrig schafften), machten die flüge gewordenen Mädchen oft Visimatente (Dummheiten; von franz.: visite ma tante). Malefizblonde waren Rothaarige und Pisswablonde waren Blondierte. Und manche hatten einen Fimmel (verrückte Ansichten) und meinten in der Stadt, bei de bessere Leit (vornehmer, reicher) müssten auch sie ihr Glück versuchen. Und so ist manches Mädchen, bloß mit einer Schachtel (Pappkarton) unterm Arm, in die große Stadt gezogen. Im Ort hieß es dann oft: die Schlutt (Schlampe) will bloß der Arbeit aus dem Weg gehen.

Und in der Tat: Für viele Mädchen in der Stadt sah es zappeduschter (trübe, dunkel, aussichtslos) aus. Selbst wenn sie eine Barik (Perücke) aufsetzten, so sah man ihnen doch die ländliche Herkunft an, und wer mit einem Galan gleich ins Nescht (Bett) ging, galt im Dorf als eine Schnall (leichtes Mädchen).

Deshalb galt der Rat: Liwwa dehäm im Bettkittel schurchle als bei em Knicker uff'em Schoß hogge!. Dieser Rat ist auch heute noch aktuell. Also: Nix va ugut!

(Heimatblatt 3-1994 / Wolfgang Schneider)