20 Jahre Heimat- und Geschichtsverein Altrip - Eine Erfolgsstory!

Wer hätte damals gedacht, welchen Anteil der Heimat und Geschichtsverein einmal am Gemeindeleben in Altrip haben würde, als im November 1995 die Gründungsversammlung aufgrund eines Formfehlers wiederholt werden musste… Das fängt ja gut an, mag die/der ein oder andere damals gedacht haben…

„Zweck des Vereins ist es, das heimatliche Brauchtum zu pflegen, das Interesse für die gemeindliche Geschichte auf breitester Grundlage zu wecken, ihre wissenschaftliche Erforschung zu pflegen und zu fördern, sowie die Errichtung eines Heimatmuseums zu betreiben“ ließen die Gründungsmitglieder damals in die Satzung schreiben. Und damit machte sich die erste Vorstandschaft unter dem Vorsitzenden Dr. Karl-Gerhard Schreiner dann an die Arbeit.

Ein Schwerpunkt lag in den ersten Jahren in der Organisation und Präsentation von Ausstellungen, die thematisch mit der Ortsgeschichte Altrips zu tun haben. Als ein Highlight im Veranstaltungskalender der Gemeinde Altrip lockten die Ausstellungen neben einer großen Anzahl von Altriper Bürgern auch viele auswärtige Besucher an. Dabei beschränkten sich die Organisatoren nicht auf das Ausstellen von Exponaten zu den jeweiligen Ausstellungsthemen, sondern setzten auch auf das Erleben der Geschichte und Mitmachen, speziell mit Kindern.

Folgende Themen wurden aufgegriffen:

  • „100 Jahre Post in Altrip“ im November 1997 (in Zusammenarbeit mit dem Briefmarken- und Münzclub 1905 Ludwigshafen e.V.)
  • „100 Jahre Schildkröt“ im Dezember 1999
  • „Altrip im vergangenen Jahrhundert (1900-2000)“ im Dezember 2000
  • „Altes Handwerk in Altrip“ im Januar 2002
  • „Pfälzer Trachten (Schwerpunkt: Altriper Tracht)“ im Januar 2003
  • „Kinder, wie die Zeit vergeht – Schulen und Schulzeit in Altrip“ im Januar 2004
  • „Die Römer in Altrip“ im Januar 2005
  • „Regino von Altrip - seine Werke und die Buchherstellung im Mittelalter“ im Januar 2006
  • „Leben am Strom“ im Januar 2007
  • „Leukoplastbomber und Nierentisch - die 50er Jahre“ im Januar 2008
  • „Krieg und Frieden in Altrip / 1939 – 1949“ im Januar 2010
  • „Altriper Vereinsleben gestern und heute“ im Januar 2012
  • "Gefälschte Altertümer" im Januar 2013 (in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum der Pfalz, Speyer)

Neben dem positiven Echo in den lokalen sowie überregionalen Medien (Presse, TV, Rundfunk) erfüllt insbesondere ein Gästebucheintrag von Dr. Ludger Tekampe vom Historischen Museum der Pfalz in Speyer die Organisatoren mit Stolz: „Großes Kompliment an den Heimat- und Geschichtsverein Altrip für die liebevoll und kenntnisreich gemachte Ausstellung (…) Dahinter steht engagierte Arbeit und viel Sachverstand. Altrip darf sich glücklich schätzen, einen engagierten Verein zu haben, der Geschichte und Alltagskultur auf so lebendige Weise allen Bevölkerungsschichten vermittelt.“

Parallel zu den Ausstellungen wurden und werden vom Heimat- und Geschichtsverein Ausflüge mit historischem Hintergrund und Vorträge organisiert. Es werden Fotos, Bilder, Geschichten und Anekdoten über Altrip gesammelt, aber auch Gebrauchsgegenstände, wie sie in früheren Zeiten üblich waren. Denn was heute weggeworfen wird, können sich die folgenden Generationen vielleicht nie wieder anschauen. 

Des Weiteren entstanden durch thematische Arbeit innerhalb des Vereins mehrere Bücher und Broschüren:

  • „Altrip, eine kulturhistorische Studie" von Hermann Provo (1997, als Nachdruck des Originals aus den Jahren 1907-1910)
  • „Altriper Sippenbuch - Familien in Altrip 1651-1900“ von Erich Schneider (1999)
  • „Altriper Wörterbuch - Mer redd jo nix, mer seschd jo blous“ von Elke Knöppler (1999)
  • „Von Nebelseglern und Schliljenhauben - Die Rekonstruktion der Altriper Tracht" von Heike Just und Elke Knöppler (2003)
  • „Altriper Auswanderer nach Nordamerika - 1850 - 1930" von Erich Schneider (2005)
  • „Topfgucker - Altriper Rezepte aus Omas Zeiten“ von Heide Hook (2006)

In Arbeit befindet sich eine neue Chronik über Altrip, ein umfassendes und fundiertes Werk, das zum 1650-jährigen Gemeindejubiläum Altrips im Jahr 2019 veröffentlicht werden soll.

Der Verein lässt aber auch die Geschichte Altrips im Ortsbild lebendig werden. So wurden u.a. Straßenschilder angebracht, die über die Namensgebung von z.B. Reginostraße oder Valentinianstraße aufklären. Darüber hinaus engagiert sich der Verein bei der Rekonstruktion und Aufstellung für Altrip historisch bedeutsamer „Denkmäler“.

In der Amtszeit von Wolfgang Dilly, der 2006 zum Vorsitzenden gewählt wurde, konnten der von Edgar Alt wiedergefundene Myriameterstein am Prinz-Karl-Wörth, das Ziegeleidenkmal am Ortseingang sowie der historische Dorfbrunnen, der vor dem Rathaus ein neues Zuhause gefunden hat, der Öffentlichkeit übergeben werden.

2014 schließlich wurde dann die „Erinnerungsstätte Kastell alta ripa“ eingeweiht. Vier Artefakte der etwa 1650 Jahre alten römischen Befestigungsanlage im Herzen von Altrip, darunter das Fragment einer Jupitergigantensäule, können nun bewundert werden. Für Alois Eitl, seit 2012 Vorsitzender des HGV, ist es etwas ganz Besonderes, dass diese Fundstücke nun präsentiert werden können, ist doch der größte Teil der Ausgrabungen nach Speyer gewandert.

Alois Eitl war es auch, der das Projekt „Brotbackhaus für Altrip“ mit seinem Engagement geprägt hat. Seit Oktober 2012 zieht nun einmal im Monat der Brotduft durchs Dorf. Finanziert durch Spenden aus der Bevölkerung und einen kräftigen Zuschuss aus der Kasse des HGV ist ein Schmuckstück entstanden, auf das die Bevölkerung stolz sein kann.

Stolz sein darf Altrip auch auf die Altriper Trachtengruppe. Nach der Vorstellung der von Heike Just und Elke Knöppler rekonstruierten Altriper Tracht im Jahr 2003 startete im Jahr 2005 ein erster Nähkurs. Unter der Anleitung von Schneidermeisterin Heike Just nähten sich die Mitglieder der künftigen Trachtengruppe ihre Tracht komplett selbst. Nach einem zweiten Kurs im Jahr 2010 umfasst die Altriper Trachtengruppe heute ca. 20 Mitglieder.

Im Jahr 2013 hat sich die Mittelaltergruppe „Caterva Altae Ripae“ aus Altrip dem Heimat- und Geschichtsverein angeschlossen. Ziel ist es, die Aktivitäten und Interessen rund um das Mittelalter zu bündeln und in einen epochenübergreifenden Kontext einzubringen.

Auch wenn sich der HGV Altrip überwiegend mit der Vergangenheit beschäftigt, steht er Gegenwart und Zukunft aufgeschlossen gegenüber. So präsentiert sich der Verein schon seit dem Jahr 2000 auf einer eigenen Homepage im Internet. Dass der Verein auch in den sozialen Netzwerken vertreten ist, versteht sich von selbst.

Der Heimat- und Geschichtsvereins Altrip hat einen festen Platz im Vereinsleben der Gemeinde. Dass die Arbeit des Vereins honoriert wird und es auch in einem Heimat und Geschichtsverein nicht immer langweilig zugeht, zeigen auch die ständig steigenden Mitgliederzahlen. Mit derzeit 153 Mitgliedern sieht der Vorstand den Verein für die zukünftigen Aufgaben bestens positioniert.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Uraufführung einer Mundartkomödie aus der Feder der renommierten Autorin Ingrid Lupatsch (Otterstadt), die für November im Reginozentrum Altrip geplant ist. Die Darsteller stammen allesamt aus Altrip und der Nachbargemeinde Waldsee, so gibt z.B. Altrips Bürgermeister Jürgen Jacob den Imperator. Der Titel des Stücks lautet „Römer, Fischer un Wasserhinkle - Die Altriper Ur‘gschicht“.

Terminhinweis:
Im Anschluss der am Mittwoch, 15. April 2015, um 19:00 Uhr beginnenden Mitgliederversammlung findet eine Feierstunde anlässlich des 20-jährigen Vereinsjubiläums statt. Im Rahmen dieser Feierstunde im Reginozentrum werden auch die Ehrungen der im Gründungsjahr 1995 in den Verein eingetretenen Mitglieder durchgeführt.