Der erste Altriper, der mit dem Fußballspielen sein Geld verdiente

Helmut Schneider, der erste Altriper, der mit dem Fußballspielen sein Geld verdiente.Helmut Schneider Die Zahl „11" bestimmte maßgebend das Leben von Helmut Schneider, der am 16. Juli 1913 in Altrip zur Welt kam. Schon als Elfjähriger spielte er beim Turn- und Sportverein Altrip (TuS) in einer Fußballelf. Er war der erste Altriper, der mit Fußball sein Geld verdiente, nachdem er als arbeitsloser Schlosser 1933 zum FC Bayern München kam, der gerade im Jahr zuvor die Deutsche Meisterschaft errungen hatte.

Schneider schoss in seiner aktiven Fußballlaufbahn 76 Tore. 1940 wurde er von Seppl Herberger gar als Verteidiger in die Nationalmannschaft gegen Finnland aufgestellt. Das Spiel endete mit einem Kantersieg von 13:0 für Deutschland.

In Altrip gehörte Schneider zur legendären TuS-Mannschaft, die im Gau Mannheim des Südwestdeutschen Fußballverbandes 1929/30 die Meisterschaft errang. 1932/33 wurden die Altriper in der Kreisliga von Unterbaden Meister und zwar ungeschlagen. Der Kampf um die höchste Spielklasse, in die damalige Bezirksliga, sah Helmut Schneider auch als seinen „Platz an der Sonne" an. Und die Altriper Elf wurde tatsächlich Aufstiegsmeister der „Gruppe Rhein". Von dieser Mannschaft sprachen die Altriper noch jahrzehntelang.

Durch die politischen Veränderungen des Jahres 1933 wurden die Altriper jedoch um die Früchte ihres Erfolgs gebracht, denn durch die Neueinteilung wurde eine Gauliga nur mit den bisherigen Traditionsvereinen gebildet. Da war es nun für Schneider wie ein Wink des Himmels, dass der FC Bayern München auf ihn aufmerksam wurde. Nach zwei erfolgreichen Jahren, in denen er in 31 Spielen 23 Tore schoss, zog es ihn wieder in die Kurpfalz zurück und er wurde ein erfolgreicher Spieler bei SV 07 Waldhof. Innerhalb von fünf Jahren schoss er bei 102 Spielen 45 mal den Ball ins Netz.

Helmut Schneider, der erste Altriper, der mit dem Fußballspielen sein Geld verdiente.Helmut Schneider Als Gauspieler trug er damals die Nummer 11 auf dem Trikot. Zu seinem schwarzen Haaren stand ihm die Clubfarbe Blau-Schwarz so gut, dass er ein Schwarm vieler Mädchen wurde. Die Zigarettenmarken „Nilprincess" und „Ramona", Letztere gab es für 3 ½ Pfennig, machten in den 1930er Jahren mit seinem Foto in der Sammel-Sportbild-Serie „König Fußball", eifrig Reklame.

Schneider war zu jener Zeit als Linksaußen, Halblinks und auch als Mittelstürmer im ganzen Gau Baden für die Waldhöfer erfolgreich. „Gebeutelt" hat Schneider der frühe Tod des Waldhöfers Otto Siffling, einer absoluten Fußballlegende, der 1939 mit nur 27 Jahren verstarb. Bereits am 9. September 1945 spielte Schneider bei SV 07 Waldhof gegen VfR Mannheim, ein Spiel, das die „Amis" aber erst genehmigen mussten.

Außer beim „Waldhof" spielte der Altriper aktiv bei FC Bayern München, SpVgg Fürth und 1. FSV Mainz 05.. Ab 1951 begann er seine Laufbahn als Trainer und schloss bis 1969 immerhin elf Verträge ab. Stationen seiner Karriere waren: VfR Mannheim, 1.FC Köln, FK Pirmasens (hier gar dreimal), wiederholt Borussia Dortmund, FC Bayern München, 1. FC Saarbrücken, Karlsruher SC und Wormatia Worms.

Seinen mit Abstand größten Erfolg errang der Altriper 1956 und 1957, als er Borussia Dortmund zweimal hintereinander zur Deutschen Meisterschaft mit jeweils der gleichen Mannschaftsaufstellung führte. Und mit seinem Lieblingsspieler, Helmut Kapitulski („Kapi") den er von Dortmund mit in die Horbebstadt nahm, gelang dem FK Pirmasens ein Hattrick.: 1958, 1959 und 1960 errang der Verein in der Oberliga Südwest die Meisterschaft.

Helmut Schneider (5. von rechts) vor dem Endspiel um den Tschammerpokal 1939 am 28.04.1940 im Olympia-Stadion Berlin (SV Waldhof - 1.FC Nürnberg 0:2) Helmut Schneider (5. von rechts) vor dem Endspiel um den Tschammerpokal 1939 am 28.04.1940 im Olympia-Stadion Berlin (SV Waldhof - 1.FC Nürnberg 0:2) Mit Einführung der Bundesliga kamen für den erfolgsverwöhnten Schneider aber die Probleme: Saarbrücken war Schlusslicht und der Karlsruher SC „feuerte" ihn nach nur neun Monaten. Er war damit das 10. Traineropfer in der neuen Bundesliga.

Hatte er früher noch vertraglich diktieren können, dass er alle Entscheidungen in Mannschaftsfragen allein treffen darf, so war nun das „Geschäft" härter. Dabei hatte auch er für die Bundesliga plädiert und sich bessere „Pfeifenmänner" (Schiedsrichter), rekrutiert aus abtretenden Oberligaspielern, gewünscht. Gegen Ende seiner Trainerlaufbahn hatte er selbst in der Horebstadt und mit den Borussen kein Glück mehr.

Schneider zog sich 1969 aufs Altenteil zurück und starb am 13. Februar 1984 in Mannheim, wo er einst seine ersten großen Erfolge erzielte.

(W. Schneider | 2013)