Durch den Kanal zu den Römern

Vor 50 Jahren konnten Forscher in Altrip systematisch nach Überresten des Kastells graben

Die Altriper leben auf historischem Grund: Ihr Dorf hieß einst „Alta ripa" und war ein Römer-Kastell. Mehr darüber herauszufinden, war für die Forscher nicht einfach. Schließlich sind die Überreste im Boden verborgen. Und darüber stehen die Häuser von heute. Doch vor genau 50 Jahren hatten sie trotzdem eine einmalige Chance, nach Überresten zu graben.

KASTELLGRABUNGEN: GRAFIK: DOSTAL, QUELLE: WOLFGANG SCHNEIDER

Vor 50 Jahren wurde mit der Grabung nach dem römischen Kastell „Alta Ripa" eine der größten wissenschaftlichen Arbeiten der damaligen Zeit begonnen. Vom 6. Oktober bis zum 8. Dezember 1961 gab es zwei Grabungsschnitte in der Ludwigstraße auf einer Länge von 78 Metern. Möglich wurde dies, weil zu jenem Zeitpunkt die Straße für die Einführung der Ortskanalisation ohnehin aufgegraben wurde.

Dabei war bereits in den Jahren 1884 bis 1887 durch systematische Grabungen nach dem antiken Altrip gesucht worden. Schon Jahrzehnte zuvor gab es in der Rheingemeinde bei Hausbauten immer wieder interessante Bodenfunde. Doch erst 1917 wurden die Fundamente und Pfeilerstellungen als Kasernements eines Kastells, des römischen „Alta ripa", gedeutet. Nachdem der Waffenplatz Altrip einst eine herausragende Bedeutung innerhalb der spätrömischen Befestigungsanlagen einnahm, war das Interesse der Wissenschaft an weiteren Grabungen naturgemäß groß.

Bedeutende Fortschritte brachten Ausgrabungen in den Jahren 1926/27 und 1932. Sowohl die Ausmaße der Anlage, als auch die besondere Form eines halben Sechsecks verwunderten die Fachwelt. Doch die Ausgräber hatten insoweit Pech, als die Kastellanlage unter dem bebauten Ortsgebiet lag und daher nur in einigen Höfen und Hausgärten, also nicht an einem zusammenhängendem Stück, „gebuddelt" werden konnte.

Ein Ur-Altriper: Wie römische Legionäre aussahen, wurde schon vor Jahren bei einer Ausstellung gezeigt. ARCHIVFOTO: LENZEin Ur-Altriper: Wie römische Legionäre aussahen, wurde schon vor Jahren bei einer Ausstellung gezeigt. ARCHIVFOTO: LENZDem Projekt des Staatlichen Amtes für Vor- und Frühgeschichte in Speyer kam auch deshalb besondere Bedeutung zu, weil die Ergebnisse der Ausgrabungen von 1926/27 und 1932 durch Kriegseinwirkung in Berlin verloren gingen. Die Kastellgräber von 1961 konnten nicht nur frühere Annahmen bestätigen, sondern fanden gar Spuren einer römischen Bebauung vor Erbauung des Kastells im Jahre 369.

Also ist der Wohnplatz Altrip noch älter als bis dahin vermutet. Es fanden sich auch Teile von Wandmalereien, die auf eine hochentwickelte Kultur hinwiesen. Mit dem Quäntchen Glück, das Ausgräber nun einmal benötigen, fanden sie auch den Kastellbrunnen. Neu war zudem die Erkenntnis, dass die Kastellmauern auf Pfahlgründungen ruhten. Pech für die Forscher war allerdings die betrübliche Tatsache, dass die Kastellmauern nach der Völkerwanderung nahezu restlos ausgebeutet wurden.

In der hiesigen, steinlosen Gegend, wurde das ausgebrannte Kastell wohl als eine Art Steinbruch angesehen. Durch die Kanalisierungsarbeiten konnten die Wissenschaftler teilweise bis über fünf Meter in die Tiefe und 2,50 Meter in der Breite vordringen. Zwischen einem 9,50 Meter breiten Graben und den drei Meter dicken Kastellmauern wurde eine 16 Meter breite Berme nachgewiesen.

Auch eine frühmittelalterliche Bebauung auf den Trümmern des Kastells wurde erstmals festgestellt. Allerdings: Sensationelle Funde wurden nicht zutage gefördert. Während der gesamten Ausgrabungszeit wurden die gewonnenen Kleinfunde in der Ludwigsschule ausgestellt und die Forschungsarbeiten vom Arbeitskreis „Alta Ripa" und besonders durch den Volksschulrektor Erich Dudy einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Altriper zeigten noch zwei Jahre später Interesse an den Grabungsergebnissen und rückten bei einer Präsentation in Speyer in Busstärke an. Seit 1959 ist der bebaute Ortskern im Kastellbereich offizielles Grabungsschutzgebiet, in dem Erd- und Ausschachtungsarbeiten nur mit besonderer Umsicht vorgenommen werden dürfen.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 07.11.2011 / Wolfgang Schneider)