Jäger aus Kurpfalz

Fred Reibold, der bei vielen Festen und Umzügen als „Jäger aus Kurpfalz” ins Jagdhorn bläst, ist vielen Kurpfälzern ein Begriff. Die Älteren erinnern sich vielleicht auch noch an den „Jäger aus Kurpfalz”, der als Kalenderjahrbuch jahrzehntelang treuer Begleiter vieler heimatverbundener Menschen war.

Die geschichtliche Gestalt mit dem Beinamen „Jäger aus Kurpfalz”, nämlich Johann Casimir, der im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts ein recht kunterbuntes Bild abgab, ist hingegen weit weniger bekannt. Johann Casimir war von 1576 bis 1583 Pfalzgraf von Pfalz-Lautern und sein Bruder Ludwig war zur gleichen Zeit Kurfürst der Pfalz.

Allerdings stand Casimir aus dem väterlichen Erbe auch ein Teil der kurpfälzischen Besitzungen zu, wozu er sich mit seinem Bruder einigen musste. So kam es, dass aus unserer engeren Heimat die Untertanen aus Dannstadt, Mutterstadt, Oppau und Friesenheim sowie aus Neuhofen und Altrip in den Huldigungsprozess einbezogen und am 23. Mai 1577 in Oggersheim in die Pflicht genommen wurden. Dem Vorgang wohnte Johann Casimir mit seiner Gattin „höchstpersönlich” bei. Die beiden Bürger einigten sich darauf, dass die Leibeigenen jedem in seinem Gebiet hören sollten und Leibeigene aus fremden Herrschaften in ihrem Einflussbereich ihren Status beibehielten.

Auch in der stiefmütterlichen Behandlung der Juden waren sich die Brüder einig. Hinsichtlich der Jagden gab es ebenfalls eine einvernehmliche Regelung. So erhielt Johann Casimir neben anderen Arealen die Altriper Aue, die Altriper Wiesen und den Mutterstadter Forst. In den Rheinauen bekam Casimir den Neuhofer Wörth, den Altriper Grund als Salmengrund sowie den Neuhofer Wörth als Vogelgrund.

Johann Casimir war „der” Verfechter des europäischen Protestantentums. Er war der einzige deutsche Kalvinisten-Fürst, der neben Genf in Neustadt die zweite kalvinistische Hochschule gründete und sich allen Einigungsbestrebungen der Lutheraner entgegensetzte. Er führte 1578 einen Kriegszug in die Niederlande an, um sie von den Spaniern zu befreien, allerdings ohne jegliches Kriegsglück.

Seine Kriegskasse war bald leer und er musste daher sein Silbergeschirr verkaufen, um die meuternden Soldaten besolden zu können. Er unterstützte seine Glaubensbrüder in Frankreich, gab ihnen Asyl und förderte sie auch wirtschaftlich. Auch 1583 leitete er wiederum einen Kriegszug. Diesmal um den Erzbischof von Köln unterstützen, der vom Katholizismus abgefallen war.

Bei seinem Kriegszug gegen die spanischen Niederlande war seine lutherische Gattin schon sehr verärgert, weil er sie nicht mit der Wahrnehmung der Staatsgeschäfte in seiner Abwesenheit eingesetzt hatte. Als er den religiösen Status seines Vaters, der als Friedrich III. den Beinamen „der Fromme” hatte, zu erreichen trachtete, drängte sie ihn zu einem Kompromiss mit seinem Bruder, der dessen Abbau betrieb.

1583 starb sodann der ungeliebte Bruder und Johann Casimir trat als Verweser für dessen unmündigen Sohn das Erbe über die Kurpfalz an und übte diese Würde bis zu seinem Tod im Jahre 1592 aus. Der „Jäger aus Kurpfalz” war eine der schillerndsten und bestgehassten Gestalten seiner Zeit in deutschen Landen. Aus seinem penibel genau geführten „Schies-Register was Ich Herzog Johan Casimir Pfaltzgraf mit aigen Hand geschossen” wissen wir, dass er anno 1587 wiederholt in der Altriper Gemarkung gejagt hatte. So schoss er in der Altriper Au am 17. August zwei Hirsche und am 31. Dezember zwei Sauen. Bei der Jagd hatte er jedenfalls mehr Glück als bei politischen Unternehmungen.

(W. Schneider | 2004)