Osterbräuche in Altrip

Immer mehr Oster(eier-)märkte sprießen aus dem Boden, wenngleich sie noch lange nicht so zahlreich wie die Weihnachtsmärkte sind. Zum Teil werden zu Ostern kleine Kunstwerke, „gekratzte” oder sogar mit kleinen Hufeisen beschlagene Eier, angeboten. Die alten Osterbräuche hingegen geraten immer mehr in Vergessenheit.

Entstanden ist das Osterfest aus einem heidnischen Frühlingsfest, das der Göttin Ostera geweiht war. Das Christentum übernahm ab 325 das Fest und seither wird es am Sonntag, der dem ersten Vollmond im Frühling folgt, gefeiert. Zumeist fällt, wie heuer, das Fest der Auferstehung Christi, in den April.

In der protestantischen Hochburg Altrip backten die Katholiken vor im Jahr 1929 die ersten Osterlämmlein, das „Agnus Dei”, aus Biskuit. Es war voller Symbole, denn zum Teig brauchte man Eier, ein rotes Halsband deutete auf das Sterben Christi, der weiße Puderzucker auf die Auferstehung und das Vatikanfähnchen auf die Kirche Christi hin. Damals wurden die Ostereier mit Zwiebelschalen, teilweise auch mit Sumpfdotterblumen, goldgelb gefärbt und in den Kolonialwarengeschäften gab es zur Osterzeit rote Gerstenzuckereier zu kaufen.

An liebe Menschen verschickte man einen bunten Osterkartengruß, auf dem zumeist ein gemaltes Küken, teilweise noch in der Schale, oder ein Osterhase zu sehen war. Nach der Währungsreform 1948 konnten die Altriper am „Ottmar-Heisl” am Messplatz ihre Bestellungen für rote Zucker-Osterhasen oder für die teueren Schokoladenhasen aufgeben. Und bei den Sommertagsumzügen 1952/53 zeigte der Kaninchenzuchtverein „des Hasen Osterarbeit”.

Damals wie heute ist der höchste Feiertag im Kirchenjahr der Protestanten der Karfreitag, der der Katholiken der Ostersonntag. An diesem Tag wird die Osterkerze geweiht, die dann während jeder heiligen Messe brennt.

Ein Blick in die Geschichte zeigt uns, dass „im Jahre des Herrn 1584” gar zwei Mal Ostern gefeiert wurde. Die Katholiken richteten sich nach 1582 nach dem von Papst Gregor XIII. eingeführten „Gregorianischen Kalender” und die evangelischen Staaten Deutschlands bis 1700 nach dem Julianischen Kalender von Cäsar. Und so kam es, dass die Katholiken zuerst Ostern feierten und die Protestanten zehn Tage später.

Auch heute spielt uns der mittelalterliche Kalenderstreit manchmal noch einen Streich. Da Russland erst 1923 den Kalender umstellte, gibt es immer wieder Aussiedler von dort oder dem Baltikum, deren Geburtsdatum nach dem Julianischen Kalender eingetragen ist und hier aber den „wahren Geburtstag” feiern.

(W. Schneider | 2004)