Kindergarten nimmt Betrieb auf

Das Königliche Bezirksamt Ludwigshafen stellte 1906 fest, dass sich in Altrip in den 20 Jahren zuvor die Bevölkerung nahezu verdoppelt hatte und regte daher die Einrichtung einer Kleinkinderschule an. Die Gemeinde reagierte zunächst nicht, da sie erst 1904 ein zweites Schulgebäude errichtet hatte. Dem protestantischen Pfarrer Jakob Häberlein wurde es schließlich zu bunt - er rief daher für Sonntag, 16. Februar 1908, eine Gemeindeversammlung ein.

Die gut besuchte Versammlung war von der Initiative des Pfarrers sehr angetan: Er versprach, sich auch selbst um eine „Kinderschwester” zu bemühen. Die Gemeinde übernahm, wenn auch widerstrebend, die Trägerschaft. Für die Geschäftsführung wurde eigens ein Ausschuss gebildet. Allerdings stellte die Gemeinde lediglich einen Raum in der alten Schule zur Verfügung und gewährte 15 Mark zur Anschaffung einer Grundausstattung. Die Diakonissin Kunigunde Fleischmann nahm am 1. Juni 1908 ihre Arbeit in der Altriper Kleinkinderbewahranstalt auf, und binnen kürzester Zeit betreute sie rund 140 Köpfe.

Als Hilfe stand nur eine Halbtagskraft als „Kehrerin” (Reinigungskraft) zur Verfügung. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, denn die Kleinkinder mussten von der Kehrerin zu den normalen Schul-Plumps-Aborten gebracht und jeweils „abgehoben” werden - 1909 verlangte die Gesundheitsinspektion des Königlichen Bezirksamts eine Reduzierung der Kinderzahl auf 80.

Fototermin im Altriper Kindergartens im Jahr 1958.1910 wurde der „Evangelische Verein für Kranken- und Kinderpflege” gegründet, der vehement den Bau eines Kindergartens vorantrieb. 1913 war es soweit: Die Gemeinde hatte Gelände und Mobiliar für einen Spieplatz auf dem ehemaligen Kirchhof zur Verfügung gestellt. Auch einen jährlichen Zuschuss sollte es geben. Viele Betriebe, in denen Altriper arbeiteten, hatten zum Bau ihr Scherflein beigetragen. Entstanden war ein vorbildlicher Kindergarten mit Spielplatz, Personalwohnung und einer Krankenpflegestation.

Vor 40 Jahren richtete die katholische Kirchengemeinde einen zweiten Kindergarten ein. Mittlerweile sind auch zwei kommunale Einrichtungen hinzugekommen. Seit 1975 befindet sich der protestantische Kindergarten an seinem heutigen Standort unmittelbar an der Kirche.

Zwischen 1998 und 2008 gab es, so berichtet Jasmin Mathes, die seit 1983 Leiterin des Kindergartens ist, große Veränderungen. Nachdem 37 Pappeln gefällt wurden, gestalteten Eltern, Mitarbeiter und Kinder das 2700 Quadratmeter große Freigelände völlig neu. Trampelpfade durch Gebüsch, ein Baumhaus, eine Kletterwand, Hängebrücke, Rutsche und Wasserspiele bieten den Kindern alle Möglichkeiten, ihre motorischen Fähigkeiten zu erproben.

Besonders stolz ist Jasmin Mathes, dass in einem Arboretum alle Bäume des Auwaldes für die Kinder erlebbar sind und von einer eigens eingestellten Küchenkraft täglich Mahlzeiten für über 20 Kinder zubereitet werden. Die Einrichtung hat drei Gruppen mit 75 Plätzen und ist für Tageskinder von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Eltern können täglich zwischen mehreren Öffnungszeitmodellen wählen. Acht Fachkräfte teilen sich die Betreuung und Bildungsförderung der Kinder. In einer „alterserweiterten Kindergruppe” befinden sich gar sechs Zweijährige - quasi schon im Vorgriff auf den ab 2010 gegebenen Rechtsanspruch.

(Wolfgang Schneider - 2008)