Über das Altriper Kriegerdenkmal 1870/71

Seit 1901 steht das Altriper Kriegerdenkmal an seinem Platz. In der Rheingemeinde wurde in einer Art „Bürgerbeschluss” sowohl von den „Nazzen”, so wurden umgangssprachlich die im Ort dominierenden Nationalliberalen genannt, als auch von den Sozialdemokraten im Jahre 1895 im Gasthaus „Zum Himmelreich” unter maßgeblicher Beteiligung des neuen Ortsgeistlichen, Horst Buchholz, die Errichtung eines „Kriegerdenkmals 1870/71” angeregt. Am 1. Juni 1901 wurde das Denkmal eingeweiht und drei Tage lang mit Bällen, Festbankett, Umzügen, Kapellen und vielen Reden gefeiert.

Viele auswärtige Abordnungen von Kriegervereinen bevölkerten das festlich geschmückte Dorf. Von einer eigens angefertigten Tribüne aus hielt der Dorfpfarrer eine feierliche Ansprache und die ganze Gemeinde dankte dem Herrgott, dass ihre „tapferen Krieger”, 30 an der Zahl, alle wieder heil heimgekommen waren. Das Denkmal ist Ausdruck des damaligen Zeitgeistes und ist kein Gefallenenehrenmal. Deswegen stellt der derzeit desolate Zustand der Denkmalanlage am Ludwigsplatz auch keine Pietätlosigkeit dar. Obwohl das Denkmal einst quasi der „Heldenverehrung” diente, ließ es selbst die sehr strenge französische Ortskommandantur (Dezember 1918 bis 1925) unbehelligt; ebenso wie die amerikanischen und französischen Besatzer nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im so genannten „Dritten Reich” hatte sich Pfarrer Karl Kreiselmaier auch erfolgreich gegen den Versuch gewehrt, die Inschrift „Ein Reich, ein Volk, ein Gott” im letzten Wort durch „Führer” zu ersetzen. Er argumentierte damit, dass dies ein Denkmal von 1901 sei und es damals noch keinen Führer gab. Im Jahre 1966 setzte gar der Altriper Schriftsteller und Ehrenbürger Wilhelm Michael Schneider mit einer belustigenden Erzählung dem Kriegerdenkmal im „Pälzer Feierowend”, einer damals gern gelesenen RHEINPFALZ-Beilage, ein literarisches Denkmal.

Lange Zeit wurde es dann still um das Kriegerdenkmal. Doch dann nahm der Adler, ein Vogel mit immerhin 1,68 Meter Flügelspannweite und 73 Zentimeter Höhe, nach einem Sturm eine unfreiwillige Landung und zerbrach in so viele Einzelteile, dass eine Reparatur unmöglich war. Der Zahn der Zeit hatte auch am Eisengittergeländer genagt und auch das Gittertor, das man durchschreiten muss, um die Teilnehmer des deutsch-französischen Krieges auf der Denkmalrückseite zu lesen, war nicht mehr gängig.

Im Jahr 2006 schließlich wurde das Denkmal „insbesondere aus ortsgeschichtlichen Gründen” nach dem Denkmalschutz- und -pflegegesetz von der Kreisverwaltung unter Schutz gestellt. 

(Wolfgang Schneider - 2008)