Ortsclub des ADAC aus der Taufe hoben

Es waren vor allem Motorradfans, die am 18. November 1953 im Altriper Gasthaus „Zum Himmelreich” einen Ortsclub im ADAC, Gau Pfalz, aus der Taufe hoben. Zu jener Zeit gab es gut 300 Motorradfahrer, aber nur rund 40 Automobilisten im Dorf. Die 45 Anwesenden wollten sich vor allem über den ADAC eine sichere Grundlage für ihre schon seit 1950 unter dem Dach des „Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes „Solidarität” bestehenden Motorsportaktivitäten schaffen. Vorsitzender wurde der Dentist Otto Kronberg, Friedrich Schneider wurde Stellvertreter und Rudolf Schnabel Sportleiter.

Der erste Vorsitzende des Ortsclubs: Otto Kronberg. Der erste Vorsitzende des Ortsclubs:
Otto Kronberg.
Kronberg gelang es, für einen jährlichen Pachtschilling von nur 100 Mark die „40 Morgen” (100.000 Quadratmeter) von der Gemeinde zu sichern. Viele Interessenten für dieses Gelände waren zuvor abgeblitzt. Nachfolger an der Vereinsspitze waren Friedel Schneider und Reinhold Hochlehnert. Kronberg wurde 1956 zusammen mit seiner zweiten Frau von seinem Sohn aus erster Ehe mit einem Hammer erschlagen, was Altrip lange Zeit den Beinamen „Hammerdorf” einbrachte.

Unter dem Organisationsleiter und späteren Ehrenpräsident Ludwig Hochlehnert wurden auf dem völlig umgestalteten Gelände bis 1957 Moto-Cross-Rennen durchgeführt, wobei sich die vielen Bombenkrater recht gut eigneten. Und so drehten denn die Fahrer mit ihren Maschinen jeweils ihre zwölf Runden. Auch Altriper starteten damals. Nach den Vereinsvorsitzenden Reinhold Hochlehnert und Werner Schütze nahm Heinz Hochlehnert, Sohn des „Machers” Ludwig Hochlehnert, die Vereinsgeschicke in die Hand. Dem Architekten Hochlehnert war es 1958 gelungen, mit Hilfe einer US-Einheit eine Sandbahnanlage herzustellen, die in ihrer Form einmalig ist. Das Oval hat zwei verschiedene Kurven und misst 702,5 Meter. Nachdem bereits beim ersten Sandbahnrennen 4000 Zuschauer kamen, ließen sich die Veranstalter auch nicht von dem finanziellen Debakel 1959 von ihren Zielen abbringen, als durch die Rheinbrückensperrung viele rechtsrheinische Fans ausblieben.

Unter Heinz Hochlehnert wurde das zehnte Rennen 1967 erstmals mit Spitzenfahrern aus fünf Nationen durchgeführt. Seither gibt es nur noch Internationale Sandbahnrennen. Er war es auch, der 1969 bei der jährlichen Abschlussfeier eine Ehrung der erfolgreichsten Fahrer einführte.

1975 gab es mit dem 31-jährigen Karl-Martin Gensinger wiederum eine Änderung an der Vereinsspitze. Gensinger, der auch heute noch Vereinschef ist, führte den Motorsportclub (MSC) im ADAC zu weiteren großen Erfolgen. So wurde 1977 durch eine Bundeswehreinheit die Anlage in ihren heutigen Zustand gebracht. Die „Kurvenkratzer” fahren auf der Bahn Geschwindigkeiten bis zu 110 Stundenkilometern. Obwohl die Anlage nicht weltmeisterschaftstauglich ist, geben sich doch alljährlich die internationalen Stars der Langbahn-Szene in Altrip ein Stelldichein und jagen dem „Goldenen Römer von Altrip” nach.

Gensinger ist besonders stolz auf die rund 10.000 Besucher, die er am Fronleichnamsrennen 1981 verzeichnete. Die Beliebtheit der Bahn ist nicht zuletzt auch auf die idyllische Lage zurückzuführen, die bei Veranstaltungen mit einem Volksfestcharakter aufwartet. Und weil dem so ist, hätte vor 30 Jahren „beinahe” das dritte British-Rock-Meeting und angepeilten 50.000 Besuchern hier stattgefunden. Doch zwei Wochen vor dem geplanten Termin wurde die Veranstaltung abgesagt. Dafür kamen 1995 knapp 10.000 Motorradfans zum German Bike Week des MC Bones mit ihren Kult-Motorrädern „Harley-Davidson”.

Selbst für einen Fernsehkrimi gaben die „40 Morgen” des MSC schon die Kulisse ab. Und zu einem unverwechselbaren Markenzeichen gehören auch die dortigen Fernandez-Bergziegen und Schafe, die sich als vierfüßige Rasenmäher nützlich machen. Gensinger ist stolz, dass ausgerechnet in diesem Jahr, in dem der ADAC als Gesamtorganisation auf eine 100-jährige Geschichte zurückblickt, auch der Altriper Ortsclub jubilieren kann. Es waren sowohl 1903 als auch 1953 jeweils Motorradfahrer, die zur Vereinsgründung schritten und in beiden Fällen kamen sie aus der Radfahrerkultur.

(W.  Schneider | 2003)