Mit Atze Friedrich und Uwe Seeler die Klingen gekreuzt

Wenn der Name Ludwig Schneider fällt, dann denkt der Fußballfreund nicht nur an den Strategen, den technisch beschlagenen Defensivspieler, der wie kaum ein Zweiter ein Spiel lesen konnte, sondern auch an den schon sprichwörtlichen Sportsgeist, die ausgeprägte Fairness des Altripers, den neben fußballerischen auch große menschliche Qualitäten auszeichnen, was ihn Vorbildcharakter genießen lässt.

Ludwig Schneider, ein Eigengewächs von TuS Altrip, bei dem er seit der D-Jugend kickte, erlebte die große Blütezeit des Klubs vom Rheindamm mit. „Unter dem damaligen Manager Gerhard Heid und dem Vorsitzenden und Mäzen Wolfgang Keller wurden Anfänge professionellen Aufbaus bei TuS registriert”, erinnert sich Ludwig Schneider und erzählt vom Europafestival der A-Junioren 1968, als die Wolverhampton Wanderers, Eintracht Frankfurt sowie die Nationalelf der CSSR Turnierteilnehmer waren und Schauspieler Gerd Fröbe als Stargast begrüßt wurde. Da an diesem verregneten Tag das Wetter einen Strich durch die Veranstaltung zu machen drohte, die Spiele akut gefährdet waren, wurde ein Hubschrauber geordert, der den Platz trocken blies.

Ludwig Schneider (links) und HSV-Idol Uwe Seeler (Mitte). | FOTO: PRIVATFlutlichteinweihung gegen FCK

Als Schneider in die Aktivität aufrückte, wurde ihm eine große Ehre zuteil. Trotz seiner Jugend machte ihn Trainer Hermann Jöckel, der 1949 im Tor des VfR Mannheim Deutscher Meister wurde, zum Kapitän, was Schneiders Führungsqualitäten unterstreicht. In dieser Zeit jagte ein Höhepunkt den anderen: Etwa die Einweihung der neuen Flutlicht-Anlage, damals eine der hellsten Deutschlands, bei der der FCK zu Gast war und Ludwig Schneider mit dem heutigen FCK-Boss Atze Friedrich die Wimpel tauschte oder das Ablösespiel für Manfred Kaltz, als sich der HSV und Uwe Seeler vor 5000 Zuschauern die Ehre gaben (siehe Foto).

Die „Keller-Kinder” wurden in der Saison 1969/70 unbesiegt Meister der A-Klasse Mitte, erzielten dank großartiger Vollstrecker wie Reinhard Pfeiffer, der später beim Bundesligisten FC Schalke 04 unter Vertrag stand und Ludwig Hartmann 99 Toren. „Dazu hatten wir mit Jan Dinga, einem tschechischen Nationalspieler und Olympia-Teilnehmer, einen glänzenden Spielmacher”, schnalzt der „Luy” heute noch mit der Zunge.

Ludwig Schneider. | FOTO: KUNZ

Der Siegeszug hielt auch in der II. Amateurliga an, die Altrip als Neuling im Handstreich nahm, mit neun Punkten Vorsprung in die I. Amateurliga stürmte. „Zur Belohnung bekam die Meisterelf einen zweiwöchigen Mallorca-Urlaub spendiert”, kramt der heute 50jährige in der Erinnerung. Schon wurden Vergleiche mit dem „Wunder von Alsenborn” gezogen, rund 800 Zuschauer pilgerten zu den Heimspielen, zwei sechste Plätze in der damals dritthöchsten Spielklasse folgten. Doch jeder Höhenflug endete einmal und so fanden sich die Altriper nach zwei Abstiegen auf dem Boden der Tatsachen wieder.

Schneider wechselte für acht Jahre zum FSV Oggersheim, seiner zweiten Heimat. Das legendäre DFB-Pokalspiel gegen den FCK unter Trainer Günter Schwanczar und der knapp verpasste Verbandsliga-Aufstieg zählt der seit 34 Jahren bei der BASF als Elektrotechniker beschäftigte Libero und Mittelfeldspieler zu den Höhepunkten im rot-schwarzen Trikot.

Danach wollte sich der beidfüssige Fußballer, der nie die rote Karte sah, einmal wegen eines Verrenkungsbruchs im Sprunggelenk neun Monate pausieren musste, in die Altriper AH zurückziehen. Personalsorgen ließen ihn ein glanzvolles Comeback feiern, mit dem 36jährigen Ludwig Schneider stieg TuS in die Verbandsliga auf.

Heute lebt er trotz eines vor drei Jahren eingesetzten neuen Hüftgelenks, das nur noch Fahrradfahren und Wandern ermöglicht, zufrieden und ausgeglichen in Altrip, geht hin und wieder zum Fußball und hat mit Ehefrau Rosemarie ein Abonnement für den Pfalzbau, wenn Operetten oder Komödien auf dem Programm stehen. Tochter Nicole und Schwiegersohn Peter (kein Fußballer) machten die Schneiders zu Großeltern. Die Enkel Theresa (9) und Luisa (4) sind ihr ganzer Stolz.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 9. Juli 2001 | Thomas Leimert)