1950 wurde der MSC gegründet - Wilde Rennen in ehemaligen Bombenkratern

Mit Bombentrichtern fing alles an: Der ''Arbeiter Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität Altrip'' gründete eine Motorsportabteilung und führte hinter dem Lokal ''Himmelreich'' in einer Kraterlandschaft von Bombentrichtern Geschicklichkeitsläufe durch. Der Ehrenvorsitzende Friedrich Schneider übernahm im Frühjahr 1950 die Leitung.

Das heutige Vereinsgelände ''peilte'' der Verein bereits 1952 zum Bau einer Sandbahn an, doch die Gemeinde wollte dort lieber Industrie ansiedeln. Daraus wurde jedoch nichts. 1954 gelang es dem Dentisten Karl Otto Kronberg dann, für den Verein die ''40 Morgen'' für eine Jahrespacht von 100 Mark von der Gemeinde zu ergattern. Friedrich Schneider hatte zuvor wegen einer fehlenden Rennversicherung und auch ''gewisser'' Kassenprobleme die weitere Verantwortung abgelehnt. Und so beschlossen die Motorradsportler, am 18. November 1953 sich dem ADAC als Ortsclub anzuschließen.

Damals gab es in Altrip 41 Autos und 299 Krafträder. Und mit Krafträdern ging die Vereinsgeschichte in eine neue Runde. Auf dem völlig umgestalteten Vereinsgelände wurden von 1955 bis 1957 Moto-Cross-Rennen durchgeführt. Altrip hatte damals auch ''eigenes Gewächs'' am Start. Die Vereinschronik verzeichnet Namen wie Werner Schütze, Friedel Schneider, Rudolf Schnabel, Waldemar Volz, Albert Baldauf und Helmut Obornik.

Der damalige Organisator, Ludwig Hochlehnert, ließ 1958 durch eine US-Einheit eine Sandbahnanlage herrichten, die in ihrer Form einmalig ist. Das Oval, zumeist ''Ei'' genannt, hat zwei verschiedene Kurven und misst 702,5 Meter. Damit erfüllt der heute 130 Mitglieder zählende Verein nicht die Weltmeisternormen von 1000 Metern. Trotzdem fanden und finden sich in Altrip immer wieder die amtierenden Weltmeister, wie etwa Egon Müller, Ole Olsen und Simon Wigg ein.

Wenn Karl-Martin Gensinger, der 56-jährige Vereinsvorsitzende, von ''seinem MSC'' (Motorsport-Club) spricht, kommt er leicht ins Schwärmen. Gern erwähnt er dann die 10000 Besucher, die 1981 zum Fronleichnamsrennen kamen und stolz weist er auf fünf ADAC-Gold-Helme hin, die sein Verein schon für hervorragend organisierte Veranstaltungen ''einheimsen'' konnte. Besonders stolz ist er natürlich, dass es ihm immer wieder gelingt, die Weltelite der Sandbahnfahrer nach Altrip zu holen. Schmunzelnd weiß er zu berichten, dass im Herbst 1973 die Agentur ''Mama Concerts'' ein ''British Rock-Meeting'' mit Pink Floyd und angepeilten 50000 Besuchern auf der Rennbahn durchführen wollte. Doch zwei Wochen vor dem Termin wurde aus ungeklärten Gründen abgesagt.

Und auch an Tiefpunkte der Vereinsgeschichte erinnert sich Karl-Martin Gensinger. So an die tödlichen Stürze von zwei Rennfahrern und an ein wegen Regen abgesagtes Rennen mit seinen weit reichenden finanziellen Folgen. ''Es war ausgerechnet das 13. Internationale Sandbahnrennen'', sagte der ansonsten nicht gerade abergläubische Gensinger. Eines wird es sehr zu seinem Leidwesen bald nicht mehr geben: Die Fernandez-Bergziegen und die Schafe auf dem Vereinsgelände. ''Es sind halt' Geschöpfe, die Zuwendung brauchen, und eben nicht nur vierfüßige Rasenmäher!''

(Wolfgang Schneider | März 2000)