Erinnerungen an ein Weltunternehmen

Heimatverein stellt seltene Schildkröt-Puppen aus - Früher wichtiger Arbeitgeber

Der Heimat- und Geschichtsverein Altrip stellte am Wochenende nicht eigene Exponate aus, sondern organisierte eine Ausstellung über das frühere Unternehmen ''Schildkröt'', das insbesondere mit seinen Puppen weltweit bekannt wurde. Spontan meldeten sich rund 30 Schildkrötfans, darunter auch Auswärtige, die dem Verein kostenlos Leihgaben zur Verfügung stellten.

Im Bürgerhaus Alta Ripa zu sehen: Wertvolle Puppen aus vergangenen Tagen. | FOTO: LENZPräsentiert wurden nicht nur makellos schöne Fabrikerzeugnisse, sondern auch Puppen mit ''Schleif- und Knuddelspuren''. Wem aber die Schrammen dennoch ein Dorn im Auge waren, konnte sich am Sonntag um eine ''Verarztung'' bei einer Puppendoktorin aus Schwegenheim bemühen. Viele frühere Puppenmütter fühlten sich in eine längst vergangene Zeit zurück versetzt. Da saß der trotzige Bursche Hans mit seiner kleinen Schwester Bärbel mit den hübschen Schneckenzöpfchen und der lieblichen Christel mit der Kurzhaarfrisur zusammen mit Trachtenfiguren und Plüschtieren. Die stolzen Besitzer vieler Puppen zeigten ihre Lieblinge teils in Originalkleidchen und teils in selbst gehäkelten oder selbst geschneiderter Aufmachung. Auch die millionenfach produzierten ''unzerbrechlichen'' Kämme, die nach 1945 viele Altriper in ihrem Hamstergepäck hatten, wurden gezeigt. Neben Exponaten in Vitrinen wurden geflochtene und hölzerne Puppenkinderwagen ausgestellt. Der Vereinsvorsitzende, Karl Gerhard Schreiner, erinnerte bei der Ausstellungseröffnung daran, dass sich viele der gezeigten Puppen früher in armen Arbeiterfamilien befanden, sei es weil sie günstig im Werksverkauf erworben oder als Deputat aus der ''Schildkröt'' mitgebracht wurden. Heutzutage seien diese Puppen begehrte Sammlerobjekte, wobei nur noch das Anschauen, so Schreiner, erlaubt sei. Bürgermeister Willi Kotter wies auf die ehemalige Bedeutung des Neckarauer Unternehmens für Altrip hin, das in den 50er Jahren mit bis zu 400 beschäftigten Altripern der wichtigste Arbeitgeber des Dorfes war. Für den Heimatverein umriss Wolfgang Schneider die wechselvolle Werksgeschichte. Gelegenheit zu einem Plausch bot eine Einkehr im ''Cafe Herzl'', das der Verein über die beiden Ausstellungstage bewirtschaftete. Zusätzliche Attraktivität gewann die Schildkröt-Ausstellung durch die zeitgleiche Präsentation von groß- und kleinflächigen Luftbildern über ''Altrip vor 45 Jahren''. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 6. Dezember 1999)