Puppen aus der ''Päng''-Fabrik

Ausstellung zum 100-jährigen Schildkröt-Jubiläum

Altriper Kinderherzen schlugen einst höher, wenn ihnen ihre Mutter von der Arbeit in der ''Rheinischen Gummi- und Celluloidfabrik'' eine ''Schildkröt''-Puppe mit nach Hause brachte. Jahrzehntelang war die auch als ''Gummi'' bekannte Fabrik der größte Arbeitgeber für Altriper Frauen und Mädchen.

Zeitweise arbeiteten ganze Schulentlassjahrgänge von Mädchen in dem von Altrip aus, zu Fuß oder Fahrrad, günstig in Neckarau gelegenen Werk, das auch durch die Herstellung von Press-Haarkämmen bekannt wurde. Vorbildlich war das Unternehmen auf sozialem Gebiet. So gab es neben Kantinen und Werkswohnungen auch eine Milchküche, Wöchnerinnenunterstützung, eine ''Kleinkinderbewahranstalt'', so die damalige Bezeichnung für einen Kindergarten, und auch Heimpflege.

Im Ersten Weltkrieg wurden auf dem Werksgelände sogar Hühner- und Hasenställe eingerichtet, um die Ernährungslage der Mitarbeiter zu verbessern. Auf Firmenkosten durfte 1916 gar eine Arbeiterin als erste Frau den Lkw-Führerschein erwerben. Freilich gab es auch Schattenseiten. Vor der Jahrhundertwende erschütterten immer wieder Explosionen das Werk und führten zu umfangreichen Zerstörungen, die dem Unternehmen den Übernamen ''Päng'' einbrachte.

Das Altrip auf der rechten Rheinseite gegenüberliegende Werk Rheinau war ein großer Umweltverschmutzer. Erstmals wurde amtlich von ''Waldsterben'' geschrieben, nachdem durch Fabrikausdünstungen die Bäume abstarben. Säure zerfraß zum Trocknen aufgehängte Wäsche und die Fabrikabwässer dezimierten den Fischbestand im Rhein, worunter insbesondere die Altriper Flussfischer litten.

Im Werk Neckarau dagegen ging es stets aufwärts. Seit 1897 wurden Puppen hergestellt und vor nunmehr 100 Jahren wurde das ''Schildkröt''-Markenzeichen eingeführt, das zum weltweiten Inbegriff für ''Puppen aus Deutschland'' wurde. 1912 nannte sich das mittlerweile 6000 Mitarbeiter zählende Werk stolz ''größte Celluloidfabrik der Welt''. Nach Altrip wurden auch viele Puppen in Heimarbeit vergeben. 1975 wurde die mittlerweile schon ins Ausland verlegte Puppenproduktion aufgegeben.

Das 100-jährige Schildkröt-Jubiläum war für den Heimat- und Geschichtsverein Altrip Anlass für eine Ausstellung über dies einst so große und für die Altriper so bedeutsame Werk. Erfreulicherweise stellten viele Altriper für diese Ausstellung Leihgaben, insbesondere Puppen, zur Verfügung. (wlf)

Info
Schildkröt-Ausstellung im Bürgerhaus ''alta ripa'' am Samstag von 14 bis 19 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Gleichzeitig zeigt die Gemeinde Luftaufnahmen aus den 50er Jahren. Während der Ausstellung ist für Bewirtung gesorgt. Der Eintritt ist frei.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. Dezember 1999)