Das „Weiße Häusl“ schließt

Betrieb in Gaststätte zwischen Rheingönheim und Altrip bis 26. Dezember – Noch kein Nachfolger

Hausgemachte Nudeln, frische Wurst und selbstgebrautes Bier: Das „Weiße Häusl“ steht für authentische und bodenständige deutsche Küche. Davon müssen sich die Gäste nun verabschieden. Am 26. Dezember öffnet die Gaststätte zum vorerst letzten Mal ihre Türen. Ein Nachfolger wird gesucht.

Seit 29 Jahren betreiben Gertrud und Bernd Zaun das Weiße Häusl. Ende des Jahres ist Schluss. | FOTO: KUNZSeit mehr als 45 Jahren arbeiten Gertrud und Bernd Zaun in der Ludwigshafener Gastronomie. Angefangen als Mieter im Oppauer Lokal „Zum Pflug“ und Gaststätten in Friesenheim und Mundenheim, wagte das Ehepaar 1987 den nächsten Schritt: Zwischen Rheingönheim und Altrip gelegen, kauften die Zauns das „Weiße Häusl“. Nach 29 Jahren im Weißen Häusl hängen die Gastronomen Kochschürze und Serviertablett an den Nagel – und widmen sich ihrem wohlverdienten Ruhestand.

„Die Entscheidung, das ,Weiße Häusl’ aufzugeben, ist uns alles andere als leicht gefallen“, gibt Bernd Zaun zu. „Dass es jetzt so schnell geht, war auch nicht geplant.“ Aus Alters- und Krankheitsgründen war der Entschluss für den 67-Jährigen und seine 65-jährige Ehefrau jedoch die logische Konsequenz. Bereits vor zwei Jahren verkürzten die Betreiber die Öffnungszeiten des Lokals. Nun ist ganz Schluss: Am 26. Dezember öffnet das „Weiße Häusl“ zum vorerst letzten Mal unter der Leitung der Zauns. Zum 1. März sucht die Familie einen Nachmieter.

Für ihre gewonnene Zeit haben die Zauns schon einige Pläne. „Es wird zwar eine Umstellung, so viel Zeit und weniger zu tun zu haben. Aber in meiner Garage stehen einige Oldtimer, die bewegt werden wollen, und mit unserem Wohnmobil werden wir Deutschland erkunden“, erzählt Bernd Zaun.

Bis das „Weiße Häusl“ Ende Dezember schließt, ist das Ehepaar Zaun mit seinem Service- und Küchenteam wie gewohnt für die Gäste da – mit Fleischgerichten wie Ochsenkotelett, frischem und selbst geräuchertem Lachs und gutbürgerlicher deutscher Küche. Bevor Familie Zaun das „Weiße Häusl“ 1987 kaufte, diente es als Kantine für die alte Ziegelei. Zunächst renovierten sie Küche und Terrasse, vor rund 20 Jahren baute Familie Zaun das Kaminzimmer an, um für größere Feste genügend Platz zu haben. Ab 2003 widmete Familie Zaun sich dann noch dem Bierbrauen. In der eigenen Hausbrauerei macht Bernd Zaun aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe für die Gäste Helles, Dunkles und Weizenbier. Das lassen sich die Gäste im Winter im Innern der Gaststätte schmecken. Im Sommer war vor allem der Biergarten im Freien ein beliebter Ort zum Schlemmen und Erzählen.

Die Unterhaltungen und der Kontakt mit den Kunden ist auch das, was den Zauns am meisten fehlen werde. „Auch wenn vor allem unsere Stammgäste uns vermissen werden, haben sie Verständnis für unseren Entschluss. Schließlich sollen wir auch noch etwas vom Leben haben“, sagt Bernd Zaun. Und seine Tochter Jeannette fügt mit einem Lachen hinzu: „Mit zwei Enkelkindern kommen auf meine Eltern noch ausreichend Aufgaben zu.“ Gemeinsam mit ihrem Bruder Kai (45), der als Koch arbeitet, half die 42-Jährige vor allem bei großen Gesellschaften und Catering-Aufträgen gerne im „Weißen Häusl“ aus – ein eingespieltes Team.

Mit dem „Weißen Häusl“ verliert Ludwigshafen nun eine wahrhaft rekordverdächtige Institution – nicht nur, was die lange Betriebszeit angeht. 1992 und 1995 schaffte es Familie Zaun mit der längsten Nudel und der längsten Maultasche der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde. 2007 braute Bernd Zaun in der eigenen Brauerei das stärkste Bier der Welt. Jetzt heißt es nicht mehr, neue Rekorde aufstellen, sondern die übrige Zeit im eigenen Lokal zu genießen und sich auf die Zeit danach zu freuen. Die Ludwigshafener dürfen indes gespannt sein, was die Zukunft für die Lokalität am Rheinufer bringt.

(Quelle: Die Rheinpfalz - Ludwigshafener Rundschau - 10. November 2016 | Von Sonja Haag)