Ein „Hallo“ ans rechte Rheinufer

Altriper Rheinfähre lockt beim ersten Tag der offenen Tür Besucher an – Zwangspause wegen Mannheimer Baustelle endet heute

Die viertägige Zwangspause für die Altriper Rheinfähre, bedingt durch Straßenbauarbeiten auf Mannheimer Seite, hat das Fähr-Team nicht nur für eigene Arbeiten genutzt. Am Montag gab es zum ersten Mal einen Tag der offenen Tür, um die Fähre den Gästen zu zeigen und ins Gespräch zu kommen – mit Gewinnspiel und bei Bratwurst und Freigetränk.

Das „Zutritt verboten“-Schild darf ignoriert werden. Passagiere machen Fotos im Steuerstand, ein kleines Kind testet die Lautsprecher und ruft sein „Hallo“ bis ans Mannheimer Ufer. Aushänge mit technischen Details und geöffnete Landeklappen geben Einblick in die technische Seite des Fährbetriebs. Am Glücksrad gibt es Tassen zu gewinnen.

Patrick Fassott, Geschäftsführer der Rheinfähre Altrip GmbH, weiß um den stressigen Alltag auf der Fähre auch für Pendler. „Die Leute müssen morgens zur Arbeit, die stehen unter Druck. Wenn da etwas nicht reibungslos läuft, gibt es ganz schnell Ärger. Wenn dann auch noch das Personal schlecht drauf ist, ist die Stimmung richtig geladen“. Damit es soweit nicht kommt, gibt es zum ersten Mal einen Tag der offenen Tür. Dabei können sich Kunden und Fährpersonal in entspannter Atmosphäre unterhalten. Besonders die Familien der Angestellten nutzen den Tag. Auch die Polizei schaut mal vorbei. 

Motorentechniker Oswald Annawald erklärt die Motoren und Antriebe. Er ist der Mann, der öfter mal Nachtschichten einlegen muss, um die Fähre am Laufen zu halten. Nur durch regelmäßige Wartungen, die außerhalb der 18-stündigen Betriebszeit durchgeführt werden, bleiben die Materialien in Schuss. Nur zwei Jahre halten die beiden Schiffsmotoren der Marke Deutz, dann werden sie getauscht. Was zeitlich kurzlebig klingt, hat in der Zeit viel Leistung erbracht. 15.000 Betriebsstunden, in denen etwa eine Million Kilometer zurückgelegt wurden. „Wenn man das mal mit einem Bagger vergleicht, der müsste zehn Jahre dafür fahren“, vergleicht Annawald. Dabei ist der Rhein gar nicht so breit, doch durch die Häufigkeit der Fahrten sammeln sich schnell Kilometer. Alle vier Wochen ist ein Ölwechsel fällig, bei dem 22 Liter mitsamt Filter getauscht werden.

Bestes Wetter und Brückentag: Gute Voraussetzungen für einen Ausflug zum Rhein am Tag der offenen Tür. Nico Chevalier erklärt technische Details der Fähre. Heute läuft der Betrieb wieder. | Fotos: LenzZehn Mann kümmern sich aktiv um den Fährbetrieb. Fährführer Ralf Chevalier und zwei weitere Fahrer steuern das Ufer im Schichtbetrieb an. 1600 bis 1800 Fahrzeuge, im Sommer auch mal 2000, setzen dort am Tag über. Die Fähre tankt Diesel. Wie viel am Tag davon verbraucht wird, das ist die Gewinnspielfrage. Wer am nächsten dran ist mit seiner Schätzung, kann Mehrfahrtenkarten gewinnen.

Auf dem Deck stehen Bierzeltgarnituren und eine Palette. Darauf ist ein Antrieb, ein sogenannter Voith-Schneider-Propeller, der auch für die Steuerung verantwortlich ist, ausgestellt. Es handelt sich um einen Ersatzantrieb. „Wir haben es gut, viele Fähren haben gar keinen Ersatz, wenn da mal was kaputt geht, dauert es lange bis die Teile da sind“, weiß Annawald. Die zwei Antriebe befinden sich unter den Bodenklappen. Im Betrieb stehen die Autos darauf. Die Antriebe sind auch für die Hydraulik der Schranken und Rampen verantwortlich. Fällt einer aus, kann ein Jockel die Stromerzeugung übernehmen.

Neben den Einblicken in die Technik erfahren die Gäste auch Erstaunliches über den Fähr-Alltag. Fassotts Kollegin Manuela Lehmann kann Fährgeschichten berichten: „Ich hatte mal jemanden am Telefon, der wollte die Fähre nach Albanien buchen und dachte, wir wären eine Art Kreuzfahrtunternehmen.“

Ob Altrip oder Albanien, mit dem Tag der offenen Tür bei strahlendem Sonnenschein kam Urlaubs- und Brückentags-Gefühl auf. Mitte November wird es neue Motoren geben. Der Einbau beschäftigt drei Männer einen ganzen Tag lang. Um die Einschränkungen gering zu halten, werden sie mit etwas Abstand eingebaut.

Von den Verantwortlichen des Großkraftwerkes Mannheim gibt es auch gute Neuigkeiten. Die Sanierungsarbeiten gehen gut voran, und daher wird die Straßensperrung am Kreisel auf der Mannheimer Seite ab heute, 7 Uhr, aufgehoben. Die Fähre kann dann wieder fahren.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 2. November 2016 | Janina Mantay)