Alo Altripp - Ein Maler kehrt in seine Geburtsgemeinde heim

Eine Würdigung in der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" war es, welche auf Alo Altripp 1984 aufmerksam machte. Die Namensgleichheit mit unserer Gemeinde machte stutzig, wer verbarg sich dahinter? Eines wussten wir aus diesem Zeitungsbericht, Alo Altripp war einer der bedeutendsten Maler der gegenstandslosen Malerei, er war weltbekannt, davon zeugten seine Ausstellungen in namhaften Galerien vieler Länder und Städte.

An sich ein interessanter Mann, es war also an der Zeit, ihn näher kennenzulernen.

Informationen wurden im Zusammenwirken mit dem Leiter der Kreisvolkshochschule Ludwigshafen, Meinolf Schmid, eingeholt, die Adresse des Künstlers, welcher seit einigen Jahrzehnten in Wiesbaden lebte, ermittelt. Meinolf Schmid und Jürgen Jugenheimer wollten diesen Künstler kennenlernen; wer verbarg sich hinter diesem Namen Alo Altripp?

Alo Altripp (* 25. September 1906 in Altrip; † 16. Januar 1991 in Wiesbaden)Alo Altripp (* 25. September 1906 in Altrip; † 16. Januar 1991 in Wiesbaden)Das Kunstunternehmen Alo Altripp begann. Es pilgerten Meinolf Schmidt und Jürgen Jugenheimer im März 1994 nach Wiesbaden, selbstverständlich vorher angemeldet, doch ohne zu wissen, was sie erwartete.

Es erwartete uns der Künstler selbst, um gleich zu erläutern, dass er eigentlich mit Altrip gar nichts zu tun haben möchte. Wir waren überrascht über diesen Empfang und über diese Aussage. Alo Altripp, ein Mann von damals 78 Jahren, dynamisch in seiner Art, erzählte uns dann ohne Umschweife seine Lebensgeschichte, dabei nahm seine Abneigung gegen Altrip einen breiten Raum ein. Alo Altripp hieß nicht immer so, er wurde 1906 in Altrip als Friedrich Schlüßel geboren. Seine Eltern Heinrich und Katharina Schlüßel lebten zu dieser Zeit hier in Altrip, der Vater war Buchhalter in der Ziegelei Baumann. Er wuchs einige Jahre in seiner Geburtsgemeinde auf, bis die Familie nach Wiesbaden übersiedelte. Nach Abschluss der Schule absolvierte Friedrich Schlüßel von 1920-1924 eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Mainz, von 1924-1925 folgte ein Besuch der Meisterschule für das Malerhandwerk in München.

1925-1926 führte er ein Studium an der Akademie für Kunst und Gewerbe in Dresden durch.
1928-1929 arbeitete der Künstler als Theatermaler am Staatstheater in Wiesbaden.

Friedrich Schlüßel erinnerte sich an seinen Geburtsort Altrip, 1906 noch geschrieben mit zwei "pp", er wollte weiter arbeiten, er wollte sich nicht unterwerfen unter das Machtdiktat der Nazis.

Aus Friedrich Schlüßel wurde Alo Altripp, ein Name, welcher seinen weiteren Lebensweg begleitete.

1934 fand Alo Altripp Zugang zu Alexej Jawlensky, einen Mann, der ihn in seiner Malerei weiterbrachte. Jawlensky, in Torschokm Gouvernement Twer am 13. März 1864 geboren, war Gründungsmitglied der "Neuen Künstlervereinigung München". In Moskau, wo er damals noch die Kadettenschule besuchte, kam er 1888 erstmalig mit der zeitgenössischen Kunst in Berührung. 1889 übersiedelte er nach Petersburg und schrieb sich dort in die Malklasse der dortigen Akademie ein. 1891 lernte er die Malerinnen Marianne von Werefkin und Helene Nesnakomoff (seine spätere Frau) kennen. Mit diesen beiden Frauen zog Jawlensky 1896 nach München. Er verschrieb sich mit großem Erfolg dem Expressionismus.

Zwischen Alo Altripp und Jawlensky entstand eine innige Freundschaft, welcher bis zum Tod von Jawlensky im Jahre 1941 anhielt. Der Künstler verstarb in seiner neuen Wahlheimat Wiesbaden.

Eine Reise 1936 in die Schweiz brachte Alo Altripp mit Paul Klee zusammen. Eine Begegnung, welche künstlerisch den Menschen Alo Altripp festigte und erheblich weiterbrachte.

Paul Klee, am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren, Sohn eines Bayern und einer Schweizerin, ebenso musikalisch wie künstlerisch begabt, ging 1898 nach München und besuchte ab 1900 die Malklasse Franz von Stucks an der Akademie. Viele Auslandsreisen schlossen sich an. Nach der Hochzeit mit Lily Stumpf kehrte er 1906 nach München zurück, wo er in der Münchner Sezession erste Radierungen ausstellte. 1912 fand der Künstler Anschluss an den Blauen Reiter, nach weiteren zahlreichen Malerreisen in ganz Europa rief ihn Walter Gropius als Professor an das Bauhaus in Weimar. 1931 nahm Paul Klee eine Professur an der Düsseldorfer Akademie an, die er unter dem Druck der Nationalsozialisten 1933 abgeben mußte. Dieser weltbekannte und vielseitige Künstler starb 1940 in Bern.

Die Zeit im dritten Reich wurde für den Maler Alo Altripp immer gefährlicher, Ergebnis dieser Zeit war, dass Alo Altripp sich von 1936-1939 in eine Mansarde der elterlichen Wohnung zurückzog, dort lebte und arbeitete; unterbrochen wurde dieser Zeitraum durch weitere Reisen in die Schweiz, verbunden mit Besuchen bei Paul Klee und der Teilnahme an geisteswissenschaftlichen Arbeitskursen am Goetheanum in Dornach. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich der Künstler mit einfachen werbegraphischen Arbeiten. 1940 erwischte es ihn, er wurde zum Kriegsdienst in Limburg/Lahn eingezogen. 1942 ehelichte er die Malerin Christa Möhring, die Ehe wurde 1945 geschieden. 1943 hatte er das Schlimmste hinter sich, konnte er doch als Zeichner bei Opel in Rüsselsheim arbeiten.

Der 2. Weltkrieg hat diesen Künstler geformt, das Ende des "1.000jährigen Reiches" mit dem Zusammenbruch Deutschlands hat er miterlebt.

Alo Altripp stand wie Millionen andere Menschen 1945 vor dem Nichts. Die Menschen hatten andere Sorgen, Kunst war nicht in, es galt, das nackte Überleben in dem zerbombten, von Trümmern übersäten Deutschland zu verteidigen, das tägliche Brot für sich und die Familie zu sichern.

Alo Altripp wollte Alo Altripp bleiben, sein Künstlername, in schwerer Zeit entstanden, sollte ihn für den Rest seines Lebens begleiten. Eine verständliche Reaktion, verbunden mit einigen bürokratischen Hindernissen, an denen die Gemeinde Altrip nicht unbeteiligt war.

Alo Altripp beantragte deshalb 1946 in Wiesbaden, dass sein Künstlername als profaner Name anerkannt wird. Eine Rückfrage bei der Gemeinde Altrip, welche sich inzwischen nur noch mit einem "p" schrieb, ergab Widerspruch. Erst das Verwaltungsgericht gab die Genehmigung für den Namen Alo Altripp mit der einleuchtenden Begründung, dass eine Verwechslung zwischen der Gemeinde Altrip und dem Künstler Alo Altripp nicht vorlag, da die Schreibweise von unterschiedlicher Natur sei. Die offizielle Geburtsstunde des Namens Alo Altripp hatte somit im Jahr 1946 begonnen. 

Auch künstlerisch ging es weiter aufwärts, eine Ausstellung beim Nassauischen Kunstverein Wiesbaden und an der Universität Marburg waren die ersten Stationen, seine Kunst einer breiten Öffentlichkeit wieder vorzustellen. 1949 konnte er sich einen Traum erfüllen; ein Stipendium der Barnes Foundation, Merlon USA, machte es möglich, sich in New York weiter zu entwickeln. Seit dieser Zeit hatte er auch Kontakte mit Feininger und de Kooing. Reisen nach Paris, Holland, Italien, Griechenland und in die Schweiz rundeten diese Zeitspanne ab. Ab 1951 wirkte Alo Altripp an der Werkkunstschule in Wiesbaden, um jungen Menschen das weiterzugeben, was er in schwieriger Zeit gelernt hatte. Alo Altripp hatte den Erfolg, den er sich wünschte und für den er kämpfte. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, Kontakte zu den Großen seiner Stilrichtung, wie Bissier, Santomaso, Souglages und Tobey zeigten die hohe Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen.

Beigetragen zu seinem Erfolg hatte seine zweite Ehefrau Edith, welche er 1963 heiratete. Aus dieser Ehe stammt Sohn Michael.

Zum 70. Geburtstag wurde ihm 1976 die Slevogt-Medallle des Landes Rheinland-Pfalz verliehen.

Alle negativen Erfahrungen über Bord werfend, hat er zu den Künstlern in Rheinland-Pfalz, besonders aber zu den Künstlern der Pfalz, stellvertretend dafür Otto Ditscher aus Neuhofen, einen innigen Kontakt gehalten.

Alo Altripp konnte an diesem Tag in Wiesbaden doch noch überzeugt werden, seine Geburtsgemeinde, welche er in jungen Jahren mit seinen Eltern verließ, kennenzulernen. Er konnte auch überzeugt werden, hier in Altrip eine Ausstellung zu machen.

Alo Altripp lernte Altrip kennen, wunderschöne Tage konnte er hier mit seiner Frau Edith verleben. Edelgard Rex, die Besitzerin des Rexhofes und stammend aus der Baumann-Dynastie, kümmerte sich intensiv um den Maler. Er lernte seine Geburtsgemeinde wirklich kennen und auch lieben. Die Tage in Altrip verbrachte er im Haus am See, von Frau Rex zur Verfügung gestellt, wo er mir sagte, Tage, welche er und seine Frau nicht vergessen werden.

Alo Altripp in Altrip mit einer Ausstellung, welche in Altrip und Umgebung eine große Resonanz erzeugte. Alo Altripp zeigte alle Epochen seines künstlerischen Wirkens, die Anfänge, aber auch die Werke, welche Anfang der 80er Jahre entstanden sind. Ausstellungseröffnungen können durchaus eine trockene Materie darstellen, wer den Künstler Alo Altripp damals erlebte, einen dynamischen 78jährigen Mann, wird diese Augenblicke nicht vergessen. Er begeisterte die Besucher mit der Erklärung seiner Bilder, einziges Hilfsmittel außer seiner Stimme war eine Tafel, hier erläuterte er auch sichtbar, was er in seinen Bildern sieht, gegenstandslose Kunst sichtbar gemacht in Bildern, die einiges bedeuteten.

Die Ausstellung in Altrip in der Zeit vom 16. bis 25. November 1994 war und wird ein bleibendes Ereignis in dieser Gemeinde bleiben.

Bilder seiner Kunst sind im Rathaus zu sehen. Alo Altripp hat diese Bilder als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde Altrip selbst hat einige Bilder angekauft. Bilder, welche für Auflockerung in den Büroräumen des Rathauses sorgen.

Alo Altripp kehrte als 78jähriger Mann in seine Geburtsgemeinde heim, wir waren froh, ihn gefunden zu haben, er war froh und glücklich, hier zu sein. Viele Gespräche mit ihm folgten, der Kontakt wurde gepflegt. Altrip wurde für Alo Altripp eine Heimat, verbunden ist er mit ihr geblieben bis zum Ende seines Lebens.

Alo Altripp starb am 16. Januar 1991, fast 85jährig, in Wiesbaden. Bleiben wird der Mensch und sein künstlerisches Werk.

(Quelle: Festschrift 1625 Jahre Altrip)