Die Geschichte des Neuhofener Altrheins

Der Neuhofener Altrhein trägt zwar den Nachbarort im Namen, liegt heute aber auf Altriper Gemarkung. Carl Baumann (1888-1959), Ziegeleibesitzer und Bürgermeister, erwarb 1935 den Rheinarm für die Gemeinde.

Was sich heute nur noch als ein etwa 2,5 Kilometer langes und rund 200 Meter breites sichelförmiges Altwasser zeigt, entstand 1584 bei einem Hochwasser infolge eines Rheindurchbruchs. Lange Zeit hatte das Gewässer noch über die spätere „Große Jägerwiese“ einen Zufluss und über den „Schleim“ (früheres Rheinbett) Auslauf zum neuen Rhein.

Durch Verlandung und Deichabschlüsse wurde der Altrhein jedoch bald zum Binnengewässer und seine Wasserfläche immer kleiner. Nach 1838 wurde der damals 107 Hektar große Altrhein um 40 Hektar künstlich abgesenkt. Durch weiteres Verlanden verlor er weitere zehn Hektar. Doch der See wurde noch kleiner: Eine 1934 gegründete Entwässerungsgenossenschaft schuf einen breiten Graben und baute ein Schöpfwerk: der Wasserspiegel wurde um 1,18 Meter abgesenkt und die Wasserfläche von 57 auf 32 Hektar verringert.

Der Freiburger Professor Robert Lauterborn, der gern als „Vater der Altrheine“ bezeichnet wird, lief gegen die Absenkungspläne Sturm. Der Naturwissenschaftler hatte bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts den Neuhofener Altrhein erforscht und beschwor das Kulturamt Neustadt, von dem Projekt Abstand zu nehmen. „Der Neuhofener Altrhein“, so der Forscher, „nehme als einziger, von Menschenhand wenig veränderter Altrhein eine Ausnahmestellung unter allen Altrheinen zwischen Basel und Mainz ein.“ Und, so argumentierte Lauterborn weiter: „Die Süßwasserforscher der ganzen Welt kennen den Neuhofener Altrhein, wenigstens aus dem Schrifttum.“

Letztlich konnte der Wissenschaftler aber nicht überzeugen. In den 30er Jahren setzte sich das Kulturbauamt mit Hilfe der nationalsozialistischen Maxime durch, „Land für deutsche Volksgenossen“ zu schaffen. Und Carl Baumann brachte sich ins Spiel. Das Regierungsforstamt Pfalz genehmigte im Juli 1935 den Kaufvertrag. Der Altrhein und ein Teil des Riedwalds (rund 106 Hektar) wechselten für 40.000 Reichsmark, zahlbar in 15 Jahresraten, den Besitzer.

Ein Schnäppchenpreis, denn die Gemeinde erhielt für das Gewässer nicht nur eine gute Fischereipacht sowie Einnahmen aus der Schilfrohrverpachtung an einen Rohrmattenhersteller, sondern verdiente auch Geld an der Förderung von Sand und Kies. Dabei entstand im Übrigen der Teil, der heute als der „neue, ausgekieste Bereich“ des Altrheinarms ausgewiesen wird.

Lauterborns Mahnungen waren nicht völlig vergebens: Vor 70 Jahren wurde der Neuhofener Altrhein nach dem Reichsnaturschutzgesetz „einstweilig sichergestellt“. Doch erst 1970 war es so weit: Im Süden des Altwassers wurde eine Fläche von rund 50 Hektar und 1984 nördlich davon noch einmal elf Hektar unter Naturschutz gestellt. Da war das Paradies schon stark angekratzt. (btw/Quelle: Heimat- und Geschichtsverein Altrip)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - vom 18.01.2016)