Dialoge auf den Leib geschneidert

Ingrid Lupatsch bringt mit Laienschauspielern lustiges Mundart-Stück zur Altriper „Urg’schicht“ auf die Bühne

Die Otterstadterin Ingrid Lupatsch hat auf Bitte des Heimat- und Geschichtsvereins Altrip in ihrem Theaterstück „Römer, Fischer un Wasserhinkle“ im Sumpf der „Altriper Urg’schicht“ gestochert und am vergangenen Wochenende im Regino-Zentrum Altrip mit 18 Laienschauspielern wertvolle und vor allem überaus lustige Aufklärungsarbeit geleistet.

Liebevoll inszeniert und gut gespielt: Hier versuchen die Legionäre gegen Walhildis und die Schnaken im Altriper Wald anzukommen. FOTO: KRAUSDas Mundart-Stück, das die Otterstadterin Ingrid Lupatsch auf Bitte des Heimat- und Geschichtsvereins mit Laiendarstellern inszeniert hat und das am vergangenen Wochenende im Regino-Zentrum Premiere feierte, spielt im vierten Jahrhundert in einer Fischer-Siedlung mitten im Babbel. Fröschequaken, das Gackern von „Wasserhinkle“ und das allgegenwärtige Sirren von Schnaken erfüllt die Luft. Beschaulich und überaus provinziell ist das Leben. Die Männer angeln, die Frauen nörgeln an ihnen herum, aber ohne einander ist es ja auch blöd.

Und weil eine Frau halt einen Mann braucht, versuchen Wallah (Leo Weick) und Walhildis (Henny Schnaubelt), ihr Adoptiv-Töchterlein Walburga (Esther Lelle) – ein ostgotisches Findelkind mit fürchterlichem „Sprooochfehler“ – unter die Haube zu bekommen. Sie würden ja noch „Gääße“ und „Hinkle“ dazu geben, wenn sie nur einer nähme. Auch Aldalbrecht (Horst Hook) und Alrun (Karin Eitl) haben ihre liebe Not, für ihren mehr als maulfaulen und nicht allzu hellen Sohn Anselm (Sven Kremer) das passende Weib zu finden.

Die Mütter beschließen, die beiden zu verkuppeln, und bitten Kräuterfrau Runa (Margit Berger) um einen Liebestrank. Die hat schon die richtigen Kräuter im Korb, will sie doch ihrerseits den Druiden Edelbert (Rudi Mansky) bezirzen. Das ist fast noch aussichtsloser. Denn erstens möchte da Fischhändlerin Gislinde (Inge Kraushaar) noch ein Wörtchen mitreden. Und zweitens will der Angebetete von den Weibsleuten nichts wissen und konzentriert sich voll auf seine neue Erfindung: das Brauen von Met. Außerdem schwant ihm beim Stochern im Hinkel-Knochen-Orakel Übles. Es wird etwas Schlimmes kommen, schlimmer noch als die Ostgoten.

Seine Ahnungen erfüllen sich wenig später, als Walhildis im Wald von drei römischen Soldaten überfallen wird. Eine der besten Szenen des Stückes: Die drei tapsigen Soldaten haben ihre liebe Not damit, die resolute Walhildis zu bändigen und sich gleichzeitig die Schnaken vom Leib zu halten. Zum Glück kann Translator Germanicus (Lukas Bärenz) vermitteln. Er fragt nach dem Namen des Ortes. „Was fer en Ort? Do? Do gibt’s kän Ort un kän Name“, sagt Walhildis. Germanicus zeigt auf die Häuser: „Wie sagt Sie, wenn Sie da hin geht?“ Jetzt dämmert es Walhildis: „Do sagen mir: Ich geh hääm. Des do, des hääßt: Dehääm.“

Und dieses Dehääm steht bald Kopf. Die Römer bringen Fortschritt, bauen ein Kastell, auch wenn Baumeister Hildubrand (Emil Lebherz) seine liebe Not mit den Fischersleuten hat, die sich bis vor kurzem gar nicht vorstellen konnten, dass man Häuser auch aus Stein bauen kann, mit Fenstern und Dachziegeln. Nur Wallah sitzt abseits und hat für die „neumodischen Ferz“ und die römischen „Fasanegöckel“ nur kernige Flüche übrig. Das macht er nicht mit! Nicht mit ihm! Er wandert aus, nach Süden in das Land wo Apfelbäume stehen und Hämmel auf fetten Wiesen grasen. Er gründet seinen eigenen Ort: Walachisheim. Freilich muss er schon einige Zugeständnisse an Walhildis machen, die sich an den römischen Luxus gewöhnt hat und Forderungen stellt, wenn sie schon nach „Walse“ ziehen soll: einen „carrus“ zum Transport der „utensilia“, ein Haus mit „fenestra, cigula und porta“ muss es schon sein. Am Ende kommt hoher Besuch ins Kastell: Kaiser Valerianus (Hans-Jürgen Stock), der Dehääm in Alta Ripa umbenennt und Walburga und Germanicus, die sich Hals über Kopf entgegen aller Pläne verliebt haben, vermählt.

Was Lupatsch’ Stück so lustig macht ist nicht nur die Geschichte. Es sind die liebevollen Details, auf die die Autorin und Regisseurin Wert legt: Die Kostüme, die Gesten, das Bühnenbild. Sie schaffte es, Alt und Jung auf der Bühne zusammenzubringen, schreibt ihnen die Dialoge auf den Leib findet auch eine Rolle für zwei Kinder (Inola und Benedikt Mansky), die die Besucher mit einem Gedicht einstimmen. Gut getan hat dem Stück sicher auch, dass mit Henny Schnaubelt, Karin Eitl und Leo Weick drei alte Hasen dabei waren, die schon zum Teil mehrfach in einem der Lupatsch-Stücke auf der Bühne standen. Zuletzt bei der „Schää Verbandsgemää“ vergangenes Jahr in Otterstadt.

INFO:
Weitere Aufführungen im Regino-Zentrum: Freitag, 27. November, 19.30 Uhr, Samstag, 28. November, 19.30 Uhr, Sonntag, 29. November, 16 Uhr, Karten für 12 Euro in allen Bürgerbüros der Verbandsgemeinde und unter Telefon 06236 579050.
(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Marktplatz Regional Ludwigshafen vom 25.11.2015 / Von Christine Kraus)

Anmerkung des Webmasters:
Nicht unerwähnt bleiben sollen Elke Knöppler in der Rolle der Bäckerin Othilde sowie die "Römer" Bernd Neumann, Oswin Hammann und Heinz Berger. Für den guten Ton sorgte Wolfgang Berthold und das einmalige Bühnenbild wurde gestaltet von unserem guten Freund Ernst Schneider. Und nicht zu vergessen natürlich die Souffleusen Sigrid Berger, Marion Wagner und Isolde Zech sowie unsere gute Seele Doris Mansky, die sich um all das gekümmert hat, für das sonst niemand zuständig war.