Edel sei der Mensch, hilfreich und gut

DRK-Ortsgruppe feiert 100-jähriges Bestehen - Ereignisreiche Geschichte

Eine militärische Ausbildung zum untersten Militärarzt (Feldscher) animierte den Arbeiter Johann Philipp Hauk (1877-1957), am 9. Juli 1911 in Altrip eine Ortsgruppe des bayerischen Roten Kreuzes zu gründen. Sofort schlossen sich 13 Mitglieder dieser Gruppe an.

Wegbereiter des Roten Kreuzes in Altrip: Johann Philipp Hauk (rechts vorne) bei seiner Goldenen Hochzeit. FOTO: PrivatMit Dr. Theodor Horn hatte die Rheingemeinde seit 1904 zwar erstmals einen Dorfarzt, aber Hauk konnte ihn nicht als Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes gewinnen. Während des Ersten Weltkrieges sammelte das Altriper DRK Geldspenden und unterstützte alle Eingezogenen mit Päckchen und Paketen.

Die Ehefrauen der Honorablen des Dorfes schlossen sich auf Anregung des Ortsgeistlichen zu einer eigenen Gruppierung im „Flottenbund deutscher Frauen” zusammen, um das Deutsche Rote Kreuz zu unterstützen. Rund 20 Frauen strickten Socken, Knie-, Puls- und Kopfwärmer für die Krieger an der Front.

Derweil war der Obmann des Vereins als Sanitäts-Unteroffizier im Feld. Selbst im Hungerjahr 1917 sammelte der Ortsverein für ein Lazarett in Ludwigshafen etliche Zentner Kartoffeln und Sauerkraut. Durch den Krieg und die Arbeitslosigkeit während der Inflation 1923 sank die Mitgliederzahl stark ab. Schließlich löste sich der Verein auf. Nun wurde aber der Dorfarzt aktiv. Am 9. April 1927 bildete er eine 16 Mann starke Sanitätsabteilung innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr. Doch schon am 3. November 1927 kam es auf Anregung des Bezirksamts zur Gründung einer „Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz”. Spontan schlossen sich der Kolonne 25 Männer an. Nun arbeitete sogar Hauk mit dem Dorfarzt zusammen. Im Ort wurden fünf Unfallmeldestellen eingerichtet und regelmäßige Übungen abgehalten. Durch Eingaben wurde erreicht, dass Altriper Kranke nicht mehr per Pferdefuhrwerk, sondern mit Sanitätsfahrzeugen in die Krankenhäuser gefahren wurden. Zusammen mit dem örtlichen Luftschutz richtete das Deutsche Rote Kreuz im Keller der Ludwigsschule ein Lazarett ein, in dem besonders nach dem schweren Luftangriff auf den Ort am 30. Dezember 1944 viele Verwundete betreut wurden.

Schon zwei Monate nach Kriegsende sammelte das Altriper Rote Kreuz für verwundete deutsche Kriegsgefangene. Da das Deutsche Rote Kreuz Teil des militärischen Sanitätsdienstes war, dessen Schirmherrschaft Adolf Hitler übernommen hatte, löste die französische Besatzungsmacht das DRK vorläufig auf.

Erst am 18. Juli 1948 kam es zur Wiedergründung der Ortsgruppe unter dem Vorsitz von Franz Philipp Schneider. Die Hauptaufgaben waren Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen, den Vermissten-Suchdienst zu unterstützen und Erste-Hilfe-Kurse zu organisieren. Die Dorfärzte, Dr. Theodor Horn und sein gleichnamiger Sohn, standen dem örtlichen Roten Kreuz lange Jahre vor. Beide wurden gar zu Sanitätsräten ernannt.

1950 erhielt Rot-Kreuz-Gründer Hauk aus der Hand von Horn die Ernennungsurkunde zum Ehrenmitglied. Hauk erinnerte dabei an den Grundsatz des Vereins: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut”. Und nach diesem Motto handelt das DRK heute noch. Seit 45 Jahren werden in Altrip regelmäßig Blutspendeaktionen organisiert. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 11.07.2011)