Ins Gratis-Eigenheim gezogen

In Altrip hat ein Storchenpaar aus Mannheim Nachwuchs gezeugt 

Die Nachbarn Altrip und Mannheim verbindet eine Rheinfähre – und nun auch eine Storchenfamilie. Vater und Mutter Adebar sind waschechte Mannheimer, geboren im Luisenpark, der mittlerweile zu einer Storchenaufzuchtstation geworden ist. Wie bei vielen Menschen auch hat sich das Paar bei der Familiengründung auf die Suche nach einem Zuhause im Rhein-Pfalz-Kreis gemacht und ist in Altrip fündig geworden. 

Im Gegensatz zur Menschenwelt wartete auf die Mannheimer dort ein Gratis-Eigenheim. Bauherren der Storchenimmobilie waren Altrips Ortsbürgermeister Jürgen Jacob und der Ludwigshafener Vogelexperte Franz Stalla. Das neue Nest lockte mit einer Premiumlage in der Römerstraße auf dem ältesten Haus der Rheingemeinde. Der Storchenpapa erkannte als erfahrener Familienvater das Potenzial und zeugte dort ganz potent mit der neuen Dame seines Herzens den Nachwuchs. Die Mama soll laut Vogelkundlern als dreijährige Jungmutter zum ersten Mal Eier gelegt haben. Mit einem sehenswerten Bruterfolg: Im Nest liegen derzeit zwei Jungvögel. Etwa 30 Tage hat die Brut gedauert. 

Mahlzeit: Mama füttert die beiden Jungstörche. FOTO: PRIVAT/MERZSeit der Ankunft der beiden Eltern beobachtet der Altriper Dieter Merz das Paar. „Mein Hobby Fotografie hat mich den Störchen nähergebracht“, schreibt er und hat uns mit einem schönen Bild und zahlreichen Informationen zu den gefiederten „Neutripern“ versorgt. „Mit Hilfe meiner Fotos, auf denen die Ringnummern zu erkennen waren, hat die Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Instituts für Ornithologie die beiden Altvögel identifiziert“, sagt Merz. Im Lebenslauf der Altriper Störche ist er nun als „Finder“ eingetragen. 

Diese Woche wurden die beiden Jungvögel beringt (wir berichteten). Die Küken sind noch flugunfähig, was es erheblich vereinfacht, ihnen eine Erkennungsmarke am Bein zu verpassen. Der Storchennachwuchs dürfte Anfang Mai geschlüpft und jetzt zwischen sechs und sieben Wochen alt sein, schätzt Beobachter Merz. Auch wenn sie schon gewaltig gewachsen sind, der graue Schnabel zeigt, dass sie noch keine Erwachsenen sind. Nach zwei, drei Monaten sind Jungstörche flügge. Dieter Merz will die „Flugschule“ weiter beobachten – mit der Kamera aus der Ferne. Denn die Aufzucht will er nicht natürlich stören. Ob sich die Altriper Störche positiv auf das Bevölkerungswachstum im Dorf auswirken werden, bleibt noch abzuwarten.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 27.06.2015 / Michael Schmid)