Eine Existenzfrage

Vom Zinsensammeln in Altrip und den Spekulationen über eine Burg im Dorf

Gab es einmal eine Burg in Altrip oder nicht? So genau weiß man das bis heute nicht, denn bislang gibt es keine archäologischen Funde, die auf die Existenz einer Burg hinweisen. Und auch in Dokumenten haben Historiker noch keine verräterische Stelle entdeckt, die Licht in dieses Geheimnis aus dunklen Vortagen bringen könnte. Im Pfälzischen Burgenlexikon wird Altrip allerdings als vermuteter Burgenplatz aufgelistet.

Spekulationen in diese Richtung gründen in den Verflechtungen der Plätze Neuhofen, Affolterloch und Altrip durch die Besitztümer des Klosters Himmerod. Da Himmeroder Eigentum in allen Orten beinahe gleichzeitig an den Pfalzgrafen veräußert wurden, liegt die Vermutung nahe, dass am strategisch wichtigen Standort Altrip ebenso wie an den beiden anderen Standorten eine Befestigung errichtet worden war.

Dort, wo ganz vielleicht mal eine Altriper Burg gestanden hat, befinden sich heute das Regino-Denkmal und die protestantische Kirche. - ARCHIVFOTO: LENZDort, wo ganz vielleicht mal eine Altriper Burg gestanden hat, befinden sich heute das Regino-Denkmal und die protestantische Kirche. - ARCHIVFOTO: LENZStrategisch günstig war Altrips Lage am Rhein. Das erkannten vor allem Kirchenmänner, die hier aktiv waren. Mönche aus dem französischen Soissons sollen Vermutungen nach im Jahre 630 die erste Klosterzelle in Altrip gegründet haben, die dem heiligen Medardus geweiht war. Er ist in eben jener Stadt in Frankreich begraben. 762 bekam das Benediktinerkloster Prüm vom Frankenkönig Pippin III. die Klosterzelle geschenkt. Der in Altrip geborene Mönch Regino wurde 892 zum Abt des Klosters Prüm gewählt.

Altrip wurde zu dieser Zeit das Verwaltungszentrum für die Besitztümer der Gegend, denn hier wurden alle Abgaben und Zinsen gesammelt und dann zunächst mit dem Schiff über Rhein und Mosel nach Cochem gebracht, von wo aus sie schließlich nach Prüm transportiert wurden. Doch wo Macht im Spiel ist, sind Intrigen meist nicht weit entfernt. Und so verlor der Benediktinermönch Regino im Jahr 899 seine Position auch schon wieder.

Allerlei Tauschgeschäfte und Verkäufe waren schließlich ausschlaggebend dafür, dass Altrips Bedeutung als Verwaltungszentrum schwand. Mit diesem Machtverlust zogen sich auch die Mönche zurück, und so geht aus den Prümer Unterlagen hervor, dass das Altriper Kloster schon vor 1190 verwaist war. Da niemand mehr vor Ort war, um sich um den Erhalt des Gebäudes zu kümmern, verfiel das Anwesen immer mehr.

Auch die neuen Besitzer, die Mönche des Zisterzienserklosters Himmerod in der Eifel, die das Dorf samt Kirchenrecht am 5. November 1231 von Kaiser Friedrich II. geschenkt bekamen, verkauften nach und nach Rechte an Dritte, unter anderem an die Pfalzgrafen. Dabei gingen die Eigentümer sehr klug vor.

So konnten sie Rudolf I. überzeugen, auf bestimmte Abgaben zu verzichten. Allerdings wurden den Verantwortlichen in Zeiten ohne Auto, Flugzeug und Deutsche Post die Wegstrecken irgendwann zu lang und beschwerlich. Als dann auch noch die Erträge zurückgingen, trennte sich das Kloster 1318 komplett von seinem Altriper Grundbesitz, behielt aber Patronats- und Zehntrechte für die nächsten 200 Jahre, weil damit noch ordentlich Profit zu machen war.

Mit dem endgültigen Verkauf dieser Rechte am 2. Mai 1513 – das Patronatsrecht ging an die drei Pfarrkirchen Altrip, Rheingönheim und Neuhofen, das Recht zur Erhebung des Zehnten an das Domkapitel in Speyer – endete die Klosterzeit in Altrip nach rund 750 Jahren. Ein Rätsel bleibt es, ob es zusätzlich zum Kloster auch eine Burg gegeben hat, doch nachdem bei Neuhofen und dem Affolterloch (heute Waldsee) Befestigungen errichtet worden waren, nimmt man das für Altrip ebenfalls an.

Da man nichts Genaues weiß, können über die Lage der Burg logischerweise nur Vermutungen angestellt werden. So könnte sie im Areal des früheren römischen Kastells rund um die heutige protestantische Kirche in der Ludwigstraße gestanden haben. Sollten Sie bei einem Streifzug genau an dieser Stelle vorbeikommen, dürfen Sie sich also gerne nach Ihren Vorstellungen ihre ganz persönliche Altriper (Luft-)Burg bauen. 

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 05.02.2014 / Sandrina Lederer)