Altrip an der blauen Adria

Altrip an der blauen Adria

Rauf auf die Fähre und über den Rhein: Auf dem Wasserweg ist man von Mannheim/Neckarau schnell in Altrip. Die östlichste Gemeinde der Pfalz war im 4. Jahrhundert Standort für ein römisches Kastell, seit den 1950er Jahren gibt es dort das Naherholungsgebiet „Blaue Adria“.

Das wären schon mal zwei Gründe, um einen Trip nach Altrip zu machen. Der Ort ist als „alta ripa“ im Jahr 369 erstmals urkundlich erwähnt. Hinter dem hohen Ufer entstand damals das besagte Kastell, eine trapezförmige Anlage, von der aus die Soldaten vor allem den Einmündungsbereich zwischen Rhein und Neckar kontrollierten. Der Lauf der Flüsse war damals noch anders als heute. Bei Ausgrabungen 1952 kam unter anderem eine Jupiter-Giganten-Säule zutage. Diese soll demnächst wieder mitten im Ort, nahe der Evangelischen Kirche, platziert werden. Dort will der Heimat- und Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung eine Informationsstätte über die Römerzeit einrichten.

Ein Denkmal für den berühmtesten Sohn des Ortes gibt vor der Kirche schon lange. Es ist Abt Regino von Prüm gewidmet, der dem Kloster in der Eifel Ende des 9. Jahrhunderts vorstand und als Verfasser der ersten „Weltchronik“ gilt. Um das Jahr 840 soll er in Atltrip das Licht der Welt erblickt haben. Der Heimat- und Geschichtsverein gibt sein gesammeltes Wissen auf einer perfakt gestalteten Homepage (www.hgv-altrip.de) weiter. Vorsitzender ist Alois Eitl. Der gebürtige Bayer wohnt seit fünf Jahren in Altrip und ist schon bestens integriert. Auf seine Initiative entstand dort unter anderem ein Brotbackhaus. Einmal im Monat ist Backtag - ein Ereignis, das bei den Einheimischen äußerst beliebt ist.

Immer am Samstag vor Erntedank (dieses Jahr am 4. Okt.), geht vor Ort das Backhausfest über die Bühne. Mehr Infos unter www.brotbackhaus-altrip.de.

Wahrzeichen von Altrip ist der 1927 erbaute WasserturmWahrzeichen von Altrip ist der 1927 erbaute WasserturmWahrzeichen von Altrip ist der 1927 erbaute Wasserturm (Foto). Als zweiter „Hingucker“ wäre der Turm der Evangelischen Kirche aus unverputztem Bruchmauerwerk zu nennen, ein Relikt romanischer Baukunst aus dem 13. Jahrhundert. Das älteste Haus im Ort ist eines mit Fachwerk, das um das Jahr 1660 entstand. Später gab es in dem Anwesen eine Gaststätte und bis 1959 ein Kolonialwarengeschäft.

Am südlichen Ortsende von Altrip erinnert eine Lore an die ehemaligen Ziegeleien beziehungsweise an die Lehm- und Kiesgruben. Auf bebilderten Tafeln ist einiges über die industrielle Vergangenheit zu erfahren - ebenso über die „Kieslok“ samt Loren, auf denen das Gestein bis zur nächsten Yerladestelle befördert wurde. Aus den Baggerlöchern ist, wie schon erwähnt, die „Blaue Adria“ geworden. An den rund 20 Hektar großen Seen samt kleiner Inseln gibt es einen Campingplatz, aber auch einen frei zugänglichen Sandstrand samt Kiosk, Sanitäranlagen und Strandhotel. „Das ist Idylle pur“ sagt Alois Eitl über das Areal. Er weiß auch, dass sich ganz hartgesottene Badelustige schon im Frühjahr (das kann schon Ende Februar oder Anfang März sein) ins Wasser wagen. Er gehört nicht dazu. Da geht er am Ufer des Sees oder am Altrhein doch lieber mit dem Hund spazieren...

Info: www.altrip.de

ALTRIP

  • Wo liegt es?
    Auf dem Schwemmlandrücken einer Rheinniederung südlich von Mannheim.
  • Wie kommt man hin?
    Über die A656 von Heidelberg/Mannheim, Ausfahrt Neckarau, auf der B38a bis zur Rheinfähre fahren. Das Übersetzen ist auch für Fußgänger und Radfahrer möglich. Mit S-Bahn und Bus erreicht man Altrip nur über Ludwigshafen.
  • Was gibt es da?
    Den Altrhein und das Naherholungsgebiet „Blaue Adria“ mit Seen, Campingplatz und Strandhotel. Im Ort selbst Spuren der Geschichte anhand von Informationstafeln.
  • Die Höhepunkte des Jahres?
    Das Fischerfest im Waldpark am ersten Juli-Wochenende und das Sandbahnrennen, das der örtliche Motorsportclub wieder an Fronleichnam (19. Juni] ausrichtet.
  • Wo geht man gut essen?
    Im Restaurant „Zum Rheintal“ (Römerstraße 2) Spezialität: Lecker zubereitete Fischgerichte.
(Quelle: RHEIN-NECKAR-ZEITUNG vom 30.01.2014 (Freizeitbeilage) / Karin Katzenberger-Ruf)