Altriper Heimat- und Geschichtsverein macht Geschichte lebendig

Heimatkunde – wer an langweilige Schulstunden oder verstaubte Relikte denkt, war vermutlich noch nicht in Altrip. In der Gemeinde ist die Geschichte des Ortes dank der Aktivitäten des Heimat- und Geschichtsvereins lebendig.

Alois Eitl, Vorsitzender des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), und seine Mitstreiter holen die vergangenen Zeiten in die Gegenwart. Insbesondere bei den Ausstellungen, aber auch bei vielen anderen Veranstaltungen wird verdeutlicht, wie die Altriper früher gelebt haben.

So konnten sich Interessierte zuletzt bei einer Gemarkungswanderung mit Edgar Alt vom Vorstand des Vereins auf historische Spurensuche begeben. Auch ein Backhaus, wie es früher in jedem Dorf gestanden hat, hat der HGV von einem Ofenbauer errichten lassen. Beim Weihnachtsmarkt werden Mitglieder das Brotbackhaus ordentlich einheizen und Brotküchle nach einem alten Altriper Rezept backen.

Hat viele Fans: Der Brotofen wurde dieses Jahr von Alois Eitl und Bürgermeister Jürgen Jacob (links) eingeweiht. ARCHIVFOTO: LENZDer HGV hat einen „Altriper Brotbackhaus-Kalender 2013“ herausgebracht. Der Kalender enthält Brotrezepte und wird auf dem Weihnachtsmarkt verkauft. Künftig soll einmal im Monat in Altrip ein Brotbacktag stattfinden.

„Wir verstehen Geschichte nicht als Selbstzweck, sondern wollen den Bogen spannen von früher zu heute“, erklärt der Vorsitzende Alois Eitl. Ihm und seinem Vorstandsteam ist vor allem daran gelegen, Hemmschwellen abzubauen und den Heimat- und Geschichtsverein näher an die jüngere Generation zu bringen. Dass das bereits ein Stück weit gelungen ist, zeigt die Mitgliederentwicklung: Zum einen geht der Trend bei den Anmeldungen deutlich nach oben. Aktuell hat der Verein 110 Mitglieder. „Auch die Mitgliederstruktur wird jünger“, freut sich Eitl.

Die Neugier auf das frühere Leben in ihrem Heimatort wurde bei den Altripern geweckt. Dies zeigen auch die ausgebuchten Brotbackkurse, an denen bisher etwa 80 Personen teilgenommen haben. „Das Interesse ist da, sich alte Fähigkeiten anzueignen, selbst auszuprobieren und Rezepte auszutauschen“, berichtet Eitl. Ihm sei aufgefallen, dass sich beim Brotbackhaus ganz unterschiedliche Leute eingefunden haben, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten.

Die Anziehungskraft erklärt sich Eitl aus der Verbindung des kommunikativen Elementes, verbunden mit einem qualitativ hochwertigen Brot. Den besonderen Geschmack des selbst gebackenen Brotes hätten viele Kursteilnehmer gelobt. Und erzählt, dass es sie an Geschmackserlebnisse aus ihrer Kindheit erinnert habe.

„Gigantisch“ war auch die Resonanz auf das „Philosophische Culinarium“ im Oktober 2010, bei dem römische Speisen vorgestellt wurden.

Eitl und seinem Team geht es darum, „Verbindungspunkte zu sehen, die Identität schaffen“. Ein Identitätsträger ist die Altriper Tracht. Eine Reihe von Interessierten hat sich unter Anleitung einer Schneiderin an die Nähmaschine gesetzt und sich eine Tracht genäht. „Man kann sie sehen, wenn man zur Kerwe oder zum Fischerfest geht.“ Die Leute sagen dann: „Das ist unsere Altriper Tracht!“ Es ist das Anliegen von Eitl „das Geschichtliche auf die Jetztzeit zu übertragen“. Pläne, um dieses Ziel zu verwirklichen, gibt es viele. So möchte der Verein für Grundschüler als Ergänzung zum Geschichtsunterricht Gemarkungswanderungen oder auch Backkurse am Brotbackhaus anbieten.

Ein Wunsch des Vorstandes ist, finanzielle Mittel für die Restaurierung der Jupitersäule, ein Fundstück aus der Römerzeit, zu sammeln. Sie ist zurzeit auf dem Rexhof zwischengelagert. Der Verein plant, sie bei der evangelischen Kirche wieder aufzustellen. (mmö)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 28.11.2012, Sonderbeilage November 2012 "Ortsporträt Altrip")