Bierliebhabern zeigt er seine Schätze

Christian Karl aus Altrip sammelt leidenschaftlich gern Weizengläser

2272 Weizenbiergläser aus 1407 Brauereien türmen sich in einem einzigen Zimmer in Altrip. Christian Karl widmet sich seit knapp 30 Jahren dem obergärigen Gerstensaft. Und betreibt das 1. Altriper Weizenbierglasmuseum.

Aalen, Abtsgmünd, Alpirsbach. Feinsäuberlich nach einzelnen Bundesländern und noch dazu alphabetisch sortiert, starren sie vom Boden bis zur Decke den staunenden Besucher an: 2272 Weizenbiergläser aus 1407 Brauereien hat Christian Karl mittlerweile zusammengetragen.

Zerbrechliche Sammelstücke: Christian Karl ist seit 1982 nach Weizenbiergläsern auf der Suche. Im 1. Altriper Weizenbierglasmuseum, einem ehemaligen Kinderzimmer in Karls Haus, stapeln sich deshalb 2272 Gläser aus ganz Deutschland bis unter die Decke. FOTOs (2): riestererAngefangen zu sammeln hat der 51-Jährige aus Altrip vor knapp 30 Jahren: „Damals dachte ich aus irgendeinem Grund, Weizenbier hätte weniger Alkohol als andere Biersorten”, sagt Karl. Deshalb sei es für ihn das bevorzugte Erfrischungsgetränk auf seinen Ausflügen gewesen, erzählt der begeisterte Motorradfahrer. Inzwischen wisse er es besser - die Liebe zum Weizenbier sei aber geblieben, was auch zahlreiche leere Bierflaschen belegen, die am Boden aufgereiht sind.

„Ich habe schätzungsweise 400 bis 500 Weizenbiersorten probiert”, sagt Karl, der keinen anderen Alkohol trinke, wie er sagt. Am leckersten findet er die Biere kleiner Brauereien, die oft gar nicht im Handel zu finden seien. „Das sind ganz besondere Geschmacksrichtungen.” Früher wählte er sogar die Urlaubsziele mit der Familie so aus, dass ein paar Brauereien besucht werden konnten, deren Gläser noch in der Sammlung fehlten. Das ist heute nicht mehr so. Denn mittlerweile sind die Kinder aus dem Haus - und per Internet sei das Sammeln noch einfacher geworden, erklärt Karl.

„Wir tauschen als Sammler untereinander Fehllisten mit Biergläsern aus, die wir noch nicht haben.” Jeder versuche dann, an Gläser zu kommen, die schließlich auf Tauschbörsen den Besitzer wechselten. Davon zeugen zwei Kartons im Nebenzimmer mit Gläsern, die Karl aus dem bayerischen Gersthofen mitgebracht hat. Doch so einfach ins Regal stellen kann er sie nicht: „Wenn ich die Gläser einsortieren will, muss ich hunderte Gläser verschieben, das kann dann schon einige Tage dauern”, sagt Karl. Er müsse sich deshalb gut überlegen, wann er damit beginne.

Noch länger ist er aber beschäftigt, wenn die alljährliche Reinigung der Sammlung ansteht. „Ich trage die Gläser in Kartons verpackt ein Stockwerk tiefer in die Küche und spüle jedes einzelne ab.” Sechs bis acht Wochen dauere diese Entstaubung, dank derer sich Besucher in den Gläsern spiegeln können.

Dabei hatte der Weizenbierfreund überhaupt nicht vor, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als seine Tochter aber bei ihrem 18. Geburtstag Freunden das „Bier-Zimmer” zeigte, kamen diese aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und animierten Karl, das 1. Altriper Weizenbierglasmuseum aufzumachen.
Nach vorheriger Anmeldung zeige er nun anderen Bierbegeisterten die Gläser, auf Wunsch organisiere er auch noch eine kleine Bierprobe. Möglicherweise bald mit dem ersten selbst gebrauten Gerstensaft, denn Karl liebäugelt mit dem Gedanken, sich als Hobbybrauer zu versuchen.

Erst einmal muss er aber über eine Erweiterung seiner Räumlichkeiten nachdenken. Neue Regale habe er schon ein paar gebaut, erzählt der gelernte Schreiner, jetzt müsse wohl ein weiteres ehemaliges Kinderzimmer daran glauben. Dabei habe er sich schon selbst beschränkt. „Früher habe ich Weizenbiere aus aller Welt gesammelt, jetzt nur noch das Bundesgebiet. Und ich sammele künftig nur noch ein Weizenglas einer Brauerei, nicht mehr deren zahlreiche Varianten”, sagt Karl, der ständig mit anderen Sammlern in Kontakt ist. Besonders auf Fälschungen machen sich die Bierexperten gegenseitig aufmerksam.

„Da viele Sammler bereit sind, für Gläser tief in die Tasche zu greifen, stehen Gläser von Brauereien zum Verkauf, die in dieser Ausführung eigentlich gar nicht existieren - und dementsprechend teuer sind”, sagt Karl und zeigt eines dieser „Falschgläser”, für das stolze 3579 Euro verlangt werden. Solche extrem teuren Stücke hat Karl nicht in seiner Sammlung, die Leidenschaft zu den Gläsern ist aber ungebrochen: „Wenn man einmal angefangen hat zu sammeln, hört man nicht mehr auf”, sagt Christian Karl. Und verrät, was er bei Pfälzer Weinfesten ohne sein geliebtes Weizenbier macht: „Apfelschorle trinken.”

Info: www.weizenbierglasmuseum.de

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 06.07.2011 - Marktplatz regional - Florian Riesterer)