Scherbenschatz im Acker

Altriper Heimatforscher entdecken bei Waldsee neue Fundstücke aus der verschwundenen Burg Affolterloch

Wo einst die Burg Affolterloch stand, muss man gar nicht erst graben, um Überbleibsel aus der Vergangenheit zu finden. Manchmal liegen sie einfach auf dem Acker. Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins in Altrip haben gerade wieder einige historische Scherben entdeckt.

Zerbrochene Bodenfliesen und zerdepperte Dachziegel - mancher würde als Abfall bezeichnen, was auf einem Feld zwischen Waldsee und Altrip gefunden worden ist. Das Kennerauge hingegen sieht sofort: Das sind Scherben aus dem Mittelalter, und einige stammen sogar aus der Römerzeit.

Die Leute vom Altriper Heimat- und Geschichtsverein können sich über so etwas richtig freuen. Denn für sie erzählen die Bruchstücke eine Geschichte: die vom Affolterloch und seinen Bewohnern. Es ist zwar nicht ihre eigene Ortsgeschichte, aber die Fundstücke faszinieren sie trotzdem. Vor allem den glücklichen Scherbenfinder Edgar Alt, 65 Jahre alt und im Ruhestand.

Er ist begeistert von der Vergangenheit, die sich dahinter verbirgt. Stolz hat er seine Ausbeute sofort dem benachbarten Arbeitskreis Heimatmuseum Waldsee gezeigt. Die beiden Vereine tauschen sich gerne aus und arbeiten gut zusammen. Und das Gebiet der ehemaligen Siedlung Affolterloch ist mittlerweile ein großes Feld, das nach heutiger Einteilung zu Waldsee gehört.

Weder Alt noch die anderen Mitglieder des Altriper Vereins haben eine Grabungsgenehmigung. Sie benötigen aber auch keine, denn durch das regelmäßige Pflügen des Ackers werden Bruchstücke von damals ganz von selbst an die Oberfläche getragen. So hat auch Alt bei einem Spaziergang mit einem ehemaligen Lehrer aus Altrip die Scherben entdeckt. Ein Zufall war das trotzdem nicht, denn für einen netten Sonntagsspaziergang gibt es schönere Orte als diesen kahlen Acker.

Die beiden Wanderer suchten bei ihrer Tour gezielt nach Überbleibseln aus der Römerzeit oder dem Mittelalter. Dabei sieht man heute mit bloßem Auge gar nicht mehr, wo früher einmal die Burg stand. Aber es existieren Luftaufnahmen, auf denen ganz klar die Umrisse der Burg als dunkle Stellen erkennbar sind. Weil dort jahrzehntelang festes Gemäuer stand, hat der Boden sich verändert, und sogar das dort wachsende Getreide nimmt deshalb eine andere Färbung an.

Fundstück aus dem Affolterloch: Der Altriper Edgar Alt hat das Fliesenstück bei einem Spaziergang entdeckt. So große Scherben seien bislang noch nicht gefunden worden, berichtet der Altriper Heimat- und Geschichtsverein. FOTO: PRIVAT/ARCHIVFOTO: KUNZ-MORAYDirekt nach der Präsentation in Waldsee haben die Heimatkundler aus Altrip die Scherben in der landesarchäologischen Außenstelle in Speyer abgeliefert. Die Begutachtung der Stücke ist noch nicht abgeschlossen, aber erste Untersuchungen ergaben bereits einige Details. Der Fund bringe keine neuen Erkenntnisse, sagt der zuständige Archäologe Rüdiger Schulz, aber es ist eine besonders hübsche, sehr gut erhaltene Bodenfliese dabei.

Datieren kann er sie noch nicht genau. Sie ist kunstvoll mit Lilien in Kreuzform verziert. Eine solche, aus mehreren Teilen vollständig rekonstruierte Fliese ist bereits im Heimatmuseum Waldsee zu bewundern. Der Fachmann wirft nur einen kurzen Blick auf die Fundstücke und kann sofort sagen, was er vor sich liegen hat: „Wir haben mehrere halbrunde Dachziegelfragmente vom Typ Mönch-Nonne dabei. Zwei davon sind römischen Ursprungs, der Rest ist überwiegend mittelalterlich, etwa 14. Jahrhundert.”

Die Stücke sind typisch für die Burg Affolterloch. Auch diese Teile könnten einmal als Leihgabe im Heimatmuseum Waldsee landen, doch erst einmal werden sie nummeriert und mit Eingangsdatum versehen. Danach werden sie im Depot der Landesarchäologie Außenstelle Speyer aufbewahrt.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ -Ludwigshafener Rundschau - 22. Oktober 2012 | Kerstin Dinkhauser)

Nils erklärt: Warum die Burg verschwunden ist

Nils erklärt: Warum die Burg verschwunden istAffolterloch, das klingt irgendwie unheimlich. War da ein Loch, in dem Menschen gefoltert worden sind? Geschichtswissenschaftler haben eine andere Erklärung für den Namen. Sie sagen, das ist einfach nur ein ganz altmodisches Deutsch, und das Wort bedeutet so viel wie „Apfelwald”.

Das klingt ja gleich viel netter. Aber trotzdem haben hier nicht nur nette Menschen gelebt. Und das ist auch der Grund dafür, warum die Burg verschwunden ist. Gebaut hatte sie der Pfalzgraf Ruprecht aus Heidelberg, und zwar im Jahr 1318. Und dabei hat er Reste von Vorgängerbauten verwendet. So steht es jedenfalls in Band 23 des Heimatjahrbuchs des Rhein-Pfalz-Kreises. Die Burg stand ungefähr zwei Kilometer östlich vom heutigen Dorf Waldsee. Und das war kein schlechter Standort.

Das Land war sehr fruchtbar, und so ließ es sich dort gut leben. Außerdem führte hier eine alte Römerstraße vorbei, die von Speyer nach Worms führte. Solche Wege waren damals ungefähr so wichtig wie heute die Autobahnen. Auf ihnen waren die Händler unterwegs, und die lieferten alles, was man nicht selbst anbauen oder machen konnte. Doch das brachte die Burgbewohner auf dumme Gedanken: Sie verlegten sich auf Raubritterzüge und überfielen die wehrlosen Händler.

Kaiser Karl IV. schaute da nicht lange zu: 1349 ließ er die Burg zerstören. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Wo sie stand, sind heute Felder. Spuren der Burg kann man aber trotzdem finden. Denn wenn der Bauer dort den Acker pflügt, holt er immer wieder Fliesen- oder Ziegelstücke aus dem Boden. Und manchmal tauchen sogar Scherben von Geschirr oder Handwerkszeug auf, das einst den Bewohnern der Burg Affolterloch gehört hat. (kdi)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ -Ludwigshafener Rundschau - 22. Oktober 2012)