Tanker blockiert Fähre

Direkt vor der Altriper Fähr-Anlegestelle ist am Montagmorgen ein niederländischer Tanker auf Grund gelaufen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Fähre gegen ein Ersatzboot ausgetauscht werden sollte, weil sie zur Überholung nach Speyer auf die Werft muss. Der Vorfall hat für viel Chaos gesorgt. Inzwischen ist aber alles geregelt: Das Schmieröl-Schiff ist weg, der Fährbetrieb läuft wieder.

Fast den ganzen Montag lang musste der Fährbetrieb in Altrip eingestellt werden, weil das Tankschiff quer vor dem Anleger lag. FOTO: Lenz

Selbst auf der Kiesbank am früheren Rheinstrandbad machen es sich Neugierige bequem. Das schöne Wetter hat viele Zaungäste angelockt, die sehen wollen, wie die auf Grund gelaufene „Vidi" wieder frei kommt. Das niederländische Tankschiff war am Morgen aus ungeklärter Ursache - vermutet wird ein Fahrfehler - aus der Fahrrinne gekommen. Unterwegs ist es von Antwerpen zum Mannheimer Rheinauhafen und muss deshalb an Altrip vorbei. Es hat 1250 Tonnen Schmieröl an Bord.

Das Transportschiff „Forenso", das mit John-Deere-Traktoren beladen ist, macht gerade auf der Stromseite längs des Tankers fest. Seine Mannschaft versucht die „Vidi" herauszuziehen. Ohne Erfolg. Nicht nur bei dem Kapitän, der sein Schiff hat auflaufen lassen, steigt die Anspannung - auch bei Patrick Fassott, der bei der Gemeinde Altrip für den Fährbetrieb verantwortlich ist. Denn der Unfall auf dem Rhein bringt seine Pläne durcheinander: den Austausch der Fähren.

Bereits in einer Nachtschicht am Wochenende hatten er und sein Team alles dafür vorbereitet, dass das Altriper Fährboot eine Auszeit nehmen - es muss zur Überholung nach Speyer - und ein Ersatzboot den Betrieb übernehmen kann (wir berichteten). „Dass sich ein Schiff genau vor einer Fähre festsetzt, ist doch geradezu unglaublich. Da hätte ich eine Million gewettet, dass das nie passiert", stöhnt der Beamte.

Für ihn heißt es am Montagmittag also umplanen, Zum Glück hat es Fährführer Ralf Chevalier bereits am späten Vormittag geschafft, die Fähre um das Tankschiff herum zu manövrieren und am badischen Ufer in Sicherheit zu bringen. Die Ersatz-Fähre, die aus Nierstein den Rhein hoch gezogen wird, will Fassott am Rheinauer Hafen parken lassen.

Etwas weniger Stress herrscht beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Mannheim. „Solange der Schiffsverkehr weitergeht und das aufgelaufene Schiff in Ordnung ist, ist es nicht ganz so dramatisch", beurteilt Marc Hannig, stellvertretender Leiter der Behörde, am Montagmittag die Lage. Seine Behörde hat mehr die beobachtende Position eingenommen. Nur manchmal greift sie ein. „Heute Morgen beispielsweise haben wir der Besatzung des Tankschiffes untersagt, weitere Befreiungsversuche im Alleingang zu unternehmen", berichtet Hannig. Denn durch das „volle Kraft voraus" der Motoren hätten sich bereits Kies und Sand an der Sohle aufgestaut.

Alle Befreiungsaktionen habe der Kapitän der „Vidi" selbst zu planen. „Wir werden aktiv, wenn dazu die Schifffahrt gesperrt oder einseitig umgelenkt werden muss." Inzwischen - so ist es Hannig mitgeteilt worden - sei ein Havariekommissar vom Schiffer beauftragt worden. „Das sind Experten, die die Schiffe kennen und in solchen Notsituationen helfen."

Zusammen mit dem Spezialisten entsteht ein neuer Plan, für einen weiteren Befreiungsversuch: Stärkere Schiffe müssen her. Noch mal soll an der „Vidi" kräftig gezogen werden. Doch ist das nicht gefährlich? Kann das Schiff auseinanderbrechen? „Das Tankschiff ist doppelwandig - man nennt das Doppelhüllenschiff - und sehr stabil, da passiert nichts", sagt Hannig. Auch weil bei Altrip Kies und Sand den Rheinboden bilden, bestehe keine Gefahr beim Ziehen. „Erst wenn scharfe Felsen am Untergrund liegen, wird es kribbelig."

Das Unterfangen geht gut. Am Montagabend gelingt es mit Hilfe von zwei weiteren Schiffen, einem 135 Meter langen Gütermotorschiff und einem Schlepper, die „Vidi" in die Schifffahrtsrinne zu ziehen. Schäden am Tankschiff kann der Havariekommissar, der das Schiff untersucht, nicht feststellen. So nimmt der Tanker gegen 18.30 Uhr Fahrt Richtung Mannheimer Rheinauhafen auf. Um 18.45 kann der Fährbetrieb für den Abend wieder aufgenommen werden - mit der Altriper Fähre.

Am Dienstagmorgen muss er aber noch mal unterbrochen werden - wegen der Ersatzfähre. An beiden Anlegestellen muss nachgebessert werden. „Wir haben sozusagen einen Adapter anschweißen müssen, damit die Ersatzfähre anlegen kann, das hat noch nicht ganz hingehauen heute Früh", berichtet Fassott. Zirka zehn Zentimeter mussten herausgeschnitten werden. „Jetzt passt es wie angegossen." Seit 12 Uhr fährt das Aushilfsboot.

Rund 2000 Euro hat die Gemeinde der Ausfall am Vortag gekostet. „Die werden wir auch in Rechnung stellen", sagt Fassott. Weitere Ermittlungen, warum das Schiff aus der Fahrrinne kam, obliegen der Wasserschutzpolizei.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 02.11.2011 / Britta Willeke, Wolfgang Schneider)

Weitere Bilder finden Sie hier in unserer Foto-Galerie.