Altriper im Kanu, Graf Bobby im Kino

1962 haben acht Wassersportbegeisterte den Kanuclub Altrip gegründet - Die 50-jährige Vereinsgeschichte wird ab morgen groß gefeiert

Vor 50 Jahren wurde der Kanuclub Altrip (KCA) gegründet. Im Bootshaus an der Fähre wird das Jubiläum ab morgen gefeiert. Dabei wird sicherlich auch hin und wieder auf die bewegte Vereinsgeschichte geblickt - die 1962 begann als in den Kinos „Das süße Leben des Grafen Bobby” lief.

20 Mal um die Erde oder zweimal bis zum Mond - das ist eine Strecke, die kaum vorstellbar erscheint. Doch die Wassersportler des Altriper Kanuclubs sind sie gefahren. Seit Gründung des Vereins haben die Paddler ihre Wandersportkilometer aufgeschrieben - und damit bislang über 850.000 Kilometer notiert. Eine stolze Leistung.

Wer im Kanuclub paddelt, erlebt viel: ob beim Training auf dem Rhein - das Bild wurde 1986 gemacht - oder bei den großen Wanderfahrten. Die Silberlöwen (Bild rechts) stehen hier vor dem Schweriner Schloss. FOTOs: privat

Angefangen hat die erfolgreiche Geschichte im Jahr 1962. Als in den Kinos „Das süße Leben des Grafen Bobby” lief, entschieden sich acht Altriper für ein Dolce Vita nach ihrer Façon. Schließlich liegt ihr beschauliches Dorf direkt am Rhein. Und so kam den sechs Männern und zwei Frauen die pfiffige Idee, ihr Wassersport-Hobby in einem Verein zu manifestieren. Kurzerhand gründeten sie den Kanuclub Altrip. Der Turn- und Sportverein bot den Wassersportlern einen Kellerraum als Bootslager an. Weil man sich aber in etwas Eigenem immer heimischer fühlt, streckten die Mitglieder - bis 1965 hatte sich deren Anzahl bereits verdreifacht - bald ihre Fühler nach neuen Räumlichkeiten aus.

Sie erhielten einen Pachtvertrag über die Nutzung des halben Fährschuppens und bauten diesen mit liebevoller Fleißarbeit aus. Doch kaum war die Arbeit beendet, starb der Vereinsvorsitzende Willy Hauck durch einen tragischen Verkehrsunfall. Mit Konrad Werner stieg dann 1969 ein neuer Mann ins Boot und manövrierte den Kanuclub knapp 30 Jahre durch mancherlei Gewässer. „Der Conny hatte Power und konnte die Sportler begeistern”, berichten die Kanuten über den heute 80-Jährigen.

„Das Angebot haben wir natürlich auch ausgeweitet, und das war für die Jugend besonders spannend”, erinnert sich Horst Hook und lacht. Er ist eines der drei Gründungsmitglieder, die bis heute im Verein aktiv sind. Zu den Slalom- und Wildwasser-Abfahrtswettbewerben, die es bereits 1968 gab, kam nun Kanu-Polo hinzu. „Die Jugendmannschaft belegte 1971 den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften”, sagt Hook stolz. „Und Volker Honecker errang 1973 der ersten Landesmeistertitel.”

Im Clubraum werden Pokale aufbewahrt, die den Erfolg des Vereins unterstreichen. Unzählige Siege haben die Leistungssportler eingefahren. Im Zweier-Canadier eroberten sich Wolfgang Kennel und Karl-Friedrich Schneider 1981 den Titel des Deutschen Vizemeisters. 1985 gewann das Duo die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft. Im darauffolgenden Jahr wurden beide im damaligen Landkreis Ludwigshafen zu „Sportlern des Jahres” gewählt. Auch für den Verein eine Ehre. Einzeltitel kamen hinzu, Jochen Ihrig, Sabine Martin, später Timo Feldmann, Thomas Gutzler und Mathias Römer waren ebenso an der Medaillensammlung beteiligt. Heute ist es Nationalfahrer Marc Rösner, der sich für Weltmeisterschaften qualifiziert. Karl-Friedrich Schneider trainiert die Rennmannschaft.

Mittwochs tummelt sich die Jugend, die teilweise aus der Kanuschule des KCA kommt, auf Altrhein und Rhein. Aber auch die „Silberlöwen” gehören zur Vereinsgeschichte. Einmal im Jahr, von 1997 bis 2010, haben die älteren Herren auf vielen europäischen Flüssen Gepäckfahrten im Kajak unternommen. „Das Gemeinschaftserlebnis, das 14-tägige Fahren, Kochen und Zelten erinnert ein bisschen an Abenteurer”, sagt der Schriftführer Wolfgang Sprecher spitzbübisch lächelnd.

Auch der Blick auf Fauna und Flora am Gewässerrand, das „Im-Freien-Sein” und die sportliche Herausforderung, seien unvergessen. „Besonders in den neuen Bundesländern haben uns mal Milane, mal Adler über weite Strecken begleitet”, fügt Horst Hook an, und dann erinnern sie sich, wie eine Wildschweinfamilie nahe Karlsruhe den Hochwasser führenden Rhein überquerte.

Seit zwei Jahren unternimmt die älter gewordene Generation keine weiten Touren mehr. Als Donnerstagspaddler geht es aber noch immer, oft mit den Frauen, auf den Rhein. Anschließend gibt es im Vereinshaus „Weck, Worscht und Supp”, damit die Geselligkeit nicht zu kurz kommt. Jeder mit Paddelerfahrung ist willkommen, sagen sie. Natürlich gilt das Willkommen auch zum 50-jährigen Jubiläum, das der Club am Wochenende feiert. Das Vereinshaus ist mit den Jahren zu einem zweigeschossigen Bau mit Bootshalle, Turnhalle und Clubraum ausgebaut worden.

Lutz Pfeuffer, der 2003 den Vorsitz von Hans Schwehm übernahm, wird die Festgesellschaft aber im Zelt empfangen. Orts-, Stadt- und Landespolitiker werden am Freitagabend ebenso erwartet wie Mitglieder des Sportverbandes und Jubilare, die - wie Hook und seine Brüder - für ein halbes Jahrhundert Vereinstreue geehrt werden.

Zum Fest erscheint auch eine Chronik, zu der viele Helfer Erinnerungen oder Fakten beigetragen haben. 210 Mitglieder zählt der KCA in diesem Jahr. Und damit sich alle amüsieren, steigt am Samstag die große Ortsregatta. „Das wird eine Gaudi”, sagt Hook und hofft, dass viele Wassersportfreunde und Schaulustige kommen. Um 14 Uhr geht's los - in lustigem Outfit, zum Beispiel als Meerjungfrau oder Indianer. Im Canadier startet der Zweierkampf. Der Sieger wird im „K.o.-System ermittelt.

Der Sonntag ist ein Familientag, an dem Kinder bei Ponyreiten oder einem Schnupperpaddelkurs Spaß haben sollen. Deftiges Essen, oder ein Frühschoppen mit Weißwurst, steht ab 12 Uhr bereit. Und weil die Altriper Fähre just an diesem Sonntag 750 Jahre Fährrechte feiert, bringt sich der Kanuclub mit der Bewirtung auch für deren Gäste ein. Der offizielle Teil beginnt um 10 Uhr.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 16. August 2012 | Von Helga Stählin)