Jahrhunderte alte Rechnungen

Im Keller des Rathauses ist das Archiv untergebracht - Auch Raritäten sind zu finden

Das Gedächtnis der Gemeinde Altrip sitzt im Wort-Sinn im Keller. Verwaltet wird es durch den früheren Geschäftsführenden Gemeindebeamten, Horst Hook (68), der seit fünf Jahren im Ruhestand ist und sein gesamtes Berufsleben im Rathaus verbracht hat. Dabei wurde er vom Lehrling bis Oberamtsrat.

Seit dem Umzug des Archivguts vom früheren in das jetzige Rathaus gab es nahezu ein halbes Jahrhundert keine ordentliche Betreuung. Doch Bürgermeister Willi Kotter engagierte im Jahr 2000 die Historikerin Nina Reinhard-Seelinger für einen systematischen Aufbau des Archivs. Im Jahr 2005 beendete die Historikerin ihre Arbeit.

Auf vielen stabilen Regalen wurde das Schriftgut fein säuberlich in Mappen und in Kartons eingelagert und ein umfangreiches Findebuch angelegt. Sie hat auch Karten und Pläne katalogisiert und eine kleine Präsentbibliothek aufgebaut. Alle Heimatjahrbücher des Landkreises sind dort zu finden, ebenso der 1884 erschienene Geschichtsroman "Jetta", der zur Zeit der Völkerwanderung in und um Altrip spielt. Ob Weimarer Reichsverfassung oder alte Gesetz- und Verordnungsblätter, zu finden gibt es hier gar Vieles.

Horst Hook, der schon über 40 Jahre im Verein singt, paddelt und ein alter Feuerwehrmann ist, kümmert sich nun darum, dass diese Arbeiten fortgeführt werden. Er übernimmt aus der laufenden Verwaltung nicht mehr benötigte, aber archivwürdige Akten und baut derzeit eine Fotosammlung auf. Dabei kommt ihm zugute, dass er zugleich Schriftführer des "Heimat- und Geschichtsvereins Altrip" ist. Das Altriper Kellerarchiv birgt in der Tat einige Raritäten. So etwa alte Rechnungen aus dem 17. Jahrhundert, ebenso alte Gerichtsprotokolle. Wahre Schätze hatte vor Jahren der Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider der Gemeinde zugänglich gemacht.

So ein Exemplar der 1521 in Mainz von Sebastian von Rotenhan gedruckten Chronik des in Altrip gebürtigen Abtes Regino von Prüm, ebenso das Sendhandbuch des Regino für die Vitisationsbesuche der Bischöfe, das 1671 in Paris, und somit über 800 Jahre nach seinem Entstehen, gedruckt wurde. Außerdem zog er einen umfangreichen Akt über Fischereirechte aus der Zeit von 1687 bis 1807 fürs Archiv "an Land".

Hook weiß, wo er hinfassen muss, wenn die Verwaltung oder ein Interessent etwas wissen will. Immerhin lagern schon über 200 laufende Meter Archivalien im Keller und derzeit bereitet er etwa 25 weitere vor. "Jeder, der ein berechtigtes Interesse darlegt, hat das Recht, das Archivgut nach Maßgabe einer Benutzungs- und Gebührenordnung einzusehen", betont der Altarchivar. Alte Urkunden in deutscher Schrift kann er noch gut lesen und ist deshalb auch bei der "Entzifferung" von alten Standesamtseinträgen gefragt.

Die gebundenen und sehr schweren alten Standesamtsbücher lagern übrigens in einem Panzerschrank im Erdgeschoß des Rathauses. "Schade nur", sagt Hook, "dass es keinen Benutzerraum beim Archiv gibt und das wertvolle Aktenmaterial im Keller lagert. Ein Keller ist schließlich nie vor einem Wassereinbruch sicher. Die wertvollsten Archivalien werden aber vorsichtshalber in den oberen Regalfächern aufbewahrt." Das Archiv der Gemeinde ist eine öffentliche Einrichtung sowie Teil der Verwaltung und dient sowohl der Heimat- und Denkmalforschung als auch der Erforschung der Dorfgeschichte.

Derzeit ist Horst Hook daher auch bei der Vorbereitung der großen Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins im Januar 2010 zum Thema "Krieg und Frieden", der Zeit der 1940er-Jahre, beschäftigt. Dabei wird auch das Geschehen in der Zeit vor dem Kriegsausbruch berücksichtigt, durch die es letztlich erst zu allem Elend und den Kriegsfolgen kam.

Info:
Geöffnet ist das Altarchiv der Gemeinde Altrip montags von 9 bis 12 Uhr nach telefonischer Voranmeldung unter Telefon 06236 399917 (Besucher werden an der Pforte abgeholt).

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 16.12.2009 / Wolfgang Schneider)