Arsen als Nachlass

Krimiautorin Nela W. Feuerstein erfüllt sich Traum vom alten Haus

Ihr Haus befruchtet sie beim Schreiben: Die Altriper Krimischriftstellerin Nela W. Feuerstein lebt seit zwölf Jahren in einem kleinen Fachwerkhaus im Herzen von Altrip nahe dem Rhein.

„Das Haus war richtig hässlich.”: Schriftstellerin Nela W. Feuerstein hat mit ihrem Vater und viel Liebe zum Detail aus dem alten Bau in Altrip ein Schmuckstück gemacht. FOTOS (3): konrad „Das Haus war richtig hässlich.”: Schriftstellerin Nela W. Feuerstein hat mit ihrem Vater und viel Liebe zum Detail aus dem alten Bau in Altrip ein Schmuckstück gemacht. FOTOS (3): konrad Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Bei ihrer Arbeit als Krankenschwester für die Altriper Sozialstation kam sie immer wieder durch ihre heutige Wohnstraße und sah eines Tages das „Zu verkaufen"- Schild an ihrem heutigen Haus. „Es war ein richtig hässliches Haus", erinnert sich die 47-Jährige, der Garten verwahrlost.

Doch irgendetwas hat sie angezogen und angesprochen. Nach einer Besichtigung griff sie schnell zu und machte sich, unterstützt von Vater und Brüdern, an die Renovierung. Das 80 Quadratmeter große Haus ist mindestens 200 Jahre alt. „Es gibt keine Baupläne mehr", erzählt Nela W. Feuerstein. Im Erdgeschoss sind die Decken niedrig, die Räume sind verwinkelt. Im Wohnzimmer haben neben einer bequemen Ottomane ein altes Buffet von ihrer Oma und ein großer alter Holzschrank, ein Erbstück vom Großvater, ihren Platz gefunden. Die Möbel passen zum Haus, machen es zu einem urgemütlichen, sehr persönlichen Rückzugsort.

„Keine Wand ist gerade", beschreibt die in Limburgerhof aufgewachsene Feuerstein die Besonderheiten des Wohnens in alten Mauern. „Wenn man ein Bild aufhängt, weiß man nie, ob man sich an Decke oder Boden orientieren soll." Für Nela W. Feuerstein ist demnach mit dem Haus ein Wunsch in Erfüllung gegangen. „Ich wollte immer ein altes Haus haben", sagt sie. Für sie muss ein Haus Geschichte haben.

Liebevoll dekoriert: Die Autorin liebt die Natur. Liebevoll dekoriert: Die Autorin liebt die Natur. Eine enge Treppe führt in das Dachgeschoss. Bei ihrem Einzug war da nur eine Stiege, erinnert sie sich. Oben unter dem Dach liegt ihr Lieblingsraum. „Mein Fledermauszimmer", sagt sie lachend und erzählt, dass dieser Raum beim Kauf am schlimmsten von allen ausgesehen habe. Die alten Eichenbalken waren krumm und schief, zum Teil sogar verrußt. Vielleicht hat es hier irgendwann einmal gebrannt. „Beim Aufräumen habe ich hier sogar Flaschen mit Arsen gefunden", erzählt sie. Klar, dass das eine Krimiautorin ungemein inspiriert. Genau wie ein weiteres Zimmer im Dachgeschoss, das bis heute noch unbetreten ist. „Man kann nur vom Dachboden liegend durch eine Luke in den Raum hineinsehen. Da steht noch eine uralte Badewanne drin", berichtet sie. Irgendwann ist der Zugang wohl zugemauert worden.

Das „Fledermauszimmer" wirkt im Gegensatz zu den anderen Räumen hoch und luftig. Die Giebelseite zur Straße hat sie mit ihrem Vater neu aufgebaut. „Den neuen Querbalken haben wir am 9. September 2001 eingezogen", weiß sie noch genau. Ihr Vater hat dann mit viel Liebe zum Detail das Fachwerk im Spitzgiebel rekonstruiert.

Hier unter dem hohen Giebel hat Nela W. Feuerstein, die im bürgerlichen Leben übrigens Cornelia Wettling-Feuerstein heißt, ihren Arbeitsplatz. Mit Blick auf die mit wildem Wein zugewachsene Wand des Nachbarhauses schreibt sie ihre Krimis, die alle in Altrip spielen. Das zweite Buch ist gerade erschienen, ein drittes, das sei ihren Fans schon einmal verraten, ist bereits in Arbeit. „Ich bin eine Schlechtwetter-Schreiberin", sagt sie. So sorgte das verregnete Frühjahr 2011 für optimale Schreibbedingungen.

Bei schönem Wetter ist sie lieber draußen, im rund 700 Quadratmeter großen Garten und bei ihren Tieren. Neben Hund Trixi leben noch zwei Katzen, diverse Vögel und Hühner und sogar zwei Rehe bei ihr und ihrem Mann. „Wir sind sehr tierlieb", sagt die Altriperin. Und in dem verwunschenen kleinen Paradies in Altrip nahe dem Rheindamm finden alle Tiere ausreichend Platz. Ein Teil des Gartens wurde extra naturnah belassen, damit die beiden Rehe Rückzugsmöglichkeiten finden.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 28.10.2011 / Anette Konrad)