Athleten feiern ein rundes Jubiläum

Vor 60 Jahren wurde der Athletenclub nach seinem Verbot wieder gegründet - Bewegte Historie

Der Athletenclub Altrip, der mit rund 850 Mitgliedern der zweitgrößte Verein der Rheingemeinde ist, wurde vor 60 Jahren am 26. November wieder gegründet.

Auf 60 stolze Jahre seit seiner Wiedergründung kann der Athletenclub Altrip am morgigen Donnerstag blicken. Adam Hauk, der 1933 bei der erzwungenen Auflösung des 1923 gegründeten Arbeiter-Athleten-Clubs dem Verein vorstand, wurde damals Vorsitzender.

Die Initiative ging allerdings von Josef Zech, der 1950 mit 46 Jahren erstmals einen Meistertitel nach Altrip holte, sowie von Johann Schneider, genannt "Schmeling", aus. Beide waren als Gewichtheber von 1935 bis 1949 beim VfL Neckarau aktiv. Fanden sich bei der Gründungsversammlung nur zwanzig Mitglieder ein, die einen Monatsbeitrag von 50 Pfennig beschlossen, so waren es vier Jahre später bereits 80 Mitglieder.

Trainiert wurde zunächst an einer alten "Berghantel", die Johann Schneider wieder gangbar gemacht hatte, nachdem sie seit der Beschlagnahme im "Dritten Reich" jahrelang im Tus-Keller vor sich hin rostete. Bis 1967 trainierten die Altriper Gewichtheber im "Gasthaus Himmelreich" und anschließend im Heizkeller des Turn- und Sportvereins Altrip. In dem nur 20 Quadratmeter großen Kellerraum trainierten zehn bis 15 Heber und der Sauerstoff war dabei sehr schnell verbraucht, zumal es durch die Koksheizung ohnehin stickig war.

Mit durchschnittlich 15 bis 20 Helfern wurde von 1972 bis 1975 die heutige Halle in Eigenarbeit errichtet. Dass es überhaupt so weit kam, war dem Technischen Leiter Arnulf Wacker, dem Trainer Werner Kotter und dem Jugendleiter Bernhard Heid zu verdanken, die auch selbst kräftig am Bau mithalfen. Ohne die tatkräftige Unterstützung des Vorsitzenden Richard Kollmannsperger würde aber die Halle sicher heute nicht stehen. Obwohl bei Baubeginn nur 120 Mitglieder gezählt wurden, war die Halle bei der Einweihung praktisch schuldenfrei. Nach dem Hallenbau gab es einen Mitgliederboom und die sportlichen Erfolge stellten sich ebenfalls ein. 1980 schaffte die Heber-Mannschaft den Aufstieg in die erste Bundesliga und behauptete sich über Jahre in der Tabellenmitte.

Später wirkte der Verein über 20 Jahre lang in der zweiten Bundesliga und inzwischen ist der Verein in der Verbandsliga angesiedelt. Unter der Vereinsregie von Werner Kotter wurde von 1985/86 eine neue Trainingshalle angebaut, allerdings mussten nun sämtliche Arbeiten an Firmen vergeben werden. Kotter war insgesamt 25 Jahre aktiv und 17 Jahre Trainer im Gewichtheben.1972 wurde er Deutscher Meister der Senioren und als Kampfrichter mit der höchsten internationalen Lizenz brachte er es auf über 500 Einsätze.

1998 erhielt er als erster Altriper die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz. Ihm war es auch zu verdanken, das 1987 in Altrip die Deutsche Seniorenmeisterschaften ausgetragen wurden. Mehrere Einzelmeister brachten dem AC Altrip den Ruf einer Talentschmiede ein. So stehen Namen wie Bernhard Steinbach, Kurt und Günther Herok, Hartmut und Erhard Scheuermann, Axel Volkmer, Peter Borne, Michael Keller, Marco Schardt, Oliver Gebhardt und Karl-Heinz Rief für nationale und internationale Meistertitel.

Rief gewann 1998 bei den Olympischen Spielen der Senioren in Kanada gar die Goldmedaille. Der Verein hat sich dem Breitensport geöffnet und bietet neben dem Gewichtheben auch Gymnastik, Boxen, Bodybuilding, Stepp-Aerobic, Aero-Fighting, Videoclip-Dance, Walking, Ju-Jutsu, Rückenschule und sogar Bauchtanz und Sauna an. Vorrangiges Ziel des Vereins, der seit 1992 von Axel Volkmer geleitet wird, bleibt aber die Jugendarbeit. (wlf)

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 25.11.2009)