Bombenangriffe und Hamsterfahrten

Ausstellung "Krieg und Frieden" im Bürgerhaus zeigt Dokumente aus den Kriegsjahren

Mit der Ausstellung über "Krieg und Frieden (1939 bis 1949) in Altrip" greift der Heimat- und Geschichtsverein ein bisher verdrängtes Thema der Ortsgeschichte auf. Dieses und nächstes Wochenende sind im Bürgerhaus Alta Ripa Dokumente wie Bilder, Feldpost und Listen von Gefallenen zu sehen. Bereits heute gibt es einen Diavortrag.

Schon vor Kriegsbeginn kam durch Einquartierungen im Ort militärisches Leben auf. Bald fanden Familien aus der "roten Zone" an der französischen Grenze hier Unterschlupf. Die Ausstellung erinnert auch an ein Leben mit "Marken" für Lebensmittel, Spinnstoffe und Brennspiritus, von Sammlungen des Winterhilfswerks und dem Einsammeln von allem Wiederverwertbarem durch die Schuljugend.

Je länger der Krieg dauerte, umso länger wurden die Listen der Einberufenen und der Kriegstoten. Viele Fliegeralarme und Luftangriffe musste die Gemeinde erleben. Ziel der feindlichen Bomber waren zumeist die Industrieanlagen in den Mannheimer Stadtteilen Rheinau und Neckarau sowie das Großkraftwerk. Keller waren dabei nur als Splitterschutz geeignet. Kinder wurden fernab im Rahmen der Kinderlandverschickung untergebracht. Bei einem Luftangriff am 30. Dezember 1944 gab es viele Tote und Verletzte sowie über 400 beschädigte Gebäude.

Russische Kriegsgefangene, "Ostarbeiterinnen" und Zivilinternierte mussten beim Bau von Panzersperren, der Beseitigung von Trümmern und Schneemassen helfen. Zwei Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner setzte ein Wehrmachtskommando die Altriper Fähre auf Grund.

Nach Kriegsende fielen ehemalige polnische Kriegsgefangene plündernd im Dorf ein. Altrip wurde Grenzort, diesmal zwischen französischer und amerikanischer Zone. Hunger- und Dürrejahre folgten, ebenso Hamsterfahrten. Neben der Entnazifizierung blühte ein Denunziantentum, das etliche Altriper in die Internierung brachte. Ausgangssperren, Stromabschaltungen und Lebensmittelkarten prägten das Leben.

Von 1946 bis 1948 wurde in der Villa Baumann ein Kindererholungsheim eingerichtet, und mit dem Eintreffen der ersten Vertriebenen verschärfte sich die Wohnungsnot. Wohnungs-Zwangseinweisungen waren daher an der Tagesordnung. Doch 1948, nach der Wiederaufnahme des alten Gier-Fährbetriebes, der zweiten Gemeinderatswahl nach dem Krieg und der Währungsreform, ging es wieder aufwärts.

Termine

  • Ausstellung "Krieg und Frieden (1939-1949) in Altrip": 23. und 24. sowie 30. und 31. Januar im Bürgerhaus Alta Ripa, Ludwigstraße. Öffnungszeiten: Samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr; 27. Januar, 16 bis 19 Uhr. An den Wochenenden Museumscafé. Sonntagnachmittags soll ein Zeitzeuge befragt werden.
  • Heute, 19 Uhr, Diavortrag "Verführte Jugend" im Alta Ripa; Eintritt frei. (wlf)
 (Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 22.01.2010)