Für 5 Pfennige über den Rhein

Die Altriper Fähre legte bis 1958 an einem Holzsteg an

In unserer Serie „Geschichte und Geschichten' haben wir vor zwei Wochen ein Foto der ehemaligen Fähranlagestelle bei Altrip gezeigt. Bis 1958 stand dort ein Holzsteg, an dem die damalige Gierfähre anlegen konnte.

Altrip ohne Fähre? Undenkbar. Das sieht auch Horst Hook vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Altrip so. Er hat die Fähre in seiner Jugend häufig genutzt. „Wir mussten immer früh fahren, wegen des Schiffverkehrs”, erzählt er. Da die Fähre damals noch an einem Seil befestigt war, konnte sie den Rhein nur überqueren, wenn keine Schiffe den Fluss auf- oder abwärts fahren wollten. „Teilweise hatten wir dadurch Wartezeiten von bis zu einer Stunde”, sagt Hook.

Ein Stahldrahtseil war zu dieser Zeit über den Rhein gespannt, damit die Fähre den Fluss überqueren konnte. Mit einem rund 80 Zentner schweren Betonklotz war das Seil auf dem Grund des Rheins befestigt. Die Strömung habe die Fähre auf die andere Seite getrieben, erklärt Hook. Mit Schwertern, die ins Wasser gelassen wurden, sei das Schiff so gedreht worden, dass die Strömung greifen konnte. Allein durch die Stellung habe sie sich fortbewegt.

Die Anlegestelle war nicht wie heute direkt am Ufer, sondern einige Meter weiter im Wasser. Eine Holzbrücke bildete damals die Verbindung für die Fahrgäste. „Bis 1958 stand die Holzbrücke”, erinnert sich Hook. Dann sei die erste Motorfähre in Betrieb genommen und die Anlegestelle direkt ans Ufer gelegt worden. Die erste Motorfähre fuhr übrigens bis 1991 auf dem Rhein. Heute, erzählt Jacob, verkehre sie auf der Elbe. Der Umstellung auf die Motorfähre ging ein Wechsel der Betreiber voraus. Bis 1954 sei der Fährbetrieb jedes Jahr neu verpachtet worden. Zwischen 15.000 und 23.000 D-Mark habe man zahlen müssen, um den Zuschlag zu erhalten.

Fährt seit 1991 auf dem Rhein: die Motorfähre bei Altrip. Die erste dieser Art wurde in der Gemeinde 1958 in Betrieb genommen. FOTO: lenz 1955 habe sich dann die Rheinfähre Altrip GmbH gegründet, sagt Jürgen Jacob, Bürgermeister der Gemeinde Altrip. Diese leitet den Betrieb noch bis heute. Gesellschafter sind die Stadt Mannheim mit 50 Prozent Beteiligung, der Rhein-Pfalz-Kreis mit 30 Prozent und Altrip mit 20 Prozent. „Wir haben neun Beschäftigte”, sagt Jacob. „Vier Fährführer, vier Bootsmänner und einen Nachtwächter.”

Auch preislich hat sich seit 1958 einiges getan im Fährbetrieb: 50 Cent zahlen Fußgänger heute für eine einfache Überfahrt. „Damals hat eine Fahrt 5 Pfennig pro Person gekostet”, erzählt Hook. Und nur 200 bis 300 Meter von der Anlegestelle entfernt sei die Haltestelle gewesen. „Das war die Nummer 16, das weiß ich noch genau.”

Zu Spitzenzeiten seien täglich rund 900 Arbeiter auf die andere Rheinseite gefahren, um ihr Geld im Hafen zu verdienen. „Damals haben wir Altriper mehr nach Mannheim tendiert”, fügt Hook hinzu. Nach Ludwigshafen habe es nämlich nur einen Bus gegeben. Mittlerweile haben sich die Verkehrsbedingungen gebessert, aber noch immer fährt die Fähre zwischen Altrip und Mannheim. 750 Jahre werden die Altriper Fährrechte im kommenden Jahr alt. Aus diesem Anlass befasst sich auch Hobbyhistoriker Wolfgang Schneider mit dem Thema und schreibt laut Jacob ein Buch über die Altriper Fährgeschichte. Bis zum Jubiläum ist jedoch noch mehr geplant. Das Schiff soll umfassend modernisiert werden. „Im Oktober kommt die Fähre für zwei Monate in die Werft”, sagt er. Um sechs Meter werde sie verlängert und erhalte unter anderem auch einen neuen Motor. Damit der Betrieb weiter läuft, fährt in dieser Zeit ein Ersatzfahrzeug. „Und pünktlich zum Jubiläum”, sagt Jacob, „haben wie eine Fähre, die wie neu ist.”

(Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 22.06.2011 - Marktplatz regional)