Für mehr Gelächter am Altrhein

Der Lachmöwe ist das Lachen vergangen und die Flussseeschwalbe sieht auch in eine düstere Zukunft. Beide Vogelarten drohen auszusterben. Im Rhein-Pfalz-Kreis sollen sie deshalb spezielle Brutplätze bekommen. Ob das ist der Grund ist, warum auf dem Neuhofener Altrhein plötzlich eine Insel schwimmt?

Die Flussseeschwalben und die Lachmöwen waren am Rhein vor allem auf Kies- und Schotterbänken und Inseln im Flussbett zu finden. Die sind aber seit der Rheinbegradigung selten geworden. „Beide Arten sind vom Aussterben bedroht“ sagt Thomas Dolich, Vogelexperte bei der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor) in Rheinland-Pfalz. Dolich hat mit der Gnor schon 2017 ein Konzept entwickelt, das die Populationen aufpäppeln soll. Gute Erfahrungen gab es schon mit künstlichen Inseln, die ganz auf die Bedürfnisse der Vögel zugeschnitten sind. Und so ein Brutfloß schwimmt jetzt auch auf dem Neuhofener Altrhein – mit Ankern befestigt, sodass es stationär wie eine Insel ist.

Im Aufbau: Der Kiessand wird auf die schwimmende Insel aufgebracht, die später in die Mitte des Altrheinarmes gezogen wird. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 25.03.2021 | Text & Foto: Gereon Hoffmann)Wenige Stunden zuvor liegt die 60 Quadratmeter große Insel noch am Ufer. Unten liegen Schwimmkörper, die an einem Rahmen befestigt sind, über den Rahmen sind Bodenplatten gelegt, darüber wird eine Schicht Kiessand aufgefüllt. Lutz Pfeuffer, Leiter des Bauhofs der Gemeinde Altrip, und ein Mitarbeiter stehen auf dem Floß, von oben bringt ein Förderband den Kies, den ein Unternehmen aus der Nähe zur Verfügung stellt. Petra Jörns, die Biotopbeauftragte des Rhein-Pfalz-Kreises, koordiniert das Vorhaben und hat die nötigen Genehmigungen dafür bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) beantragt und die Beteiligten vor Ort zusammengebracht. Pfeuffer und der Bauhof haben den Kies gebracht, einen kleinen Bagger organisiert und ein Förderband aufgebaut und tragen jetzt das Material auf.

„Die Vögel brüten in Mulden direkt im Kiessand“, erklärt Dolich. Am Rand gibt es einen kleinen Zaun. Den braucht es, damit die Küken nicht ins Wasser fallen. Sie würden es nicht zurück über die Kante schaffen und ertrinken. Der Zaun soll auch gegen Feinde aus dem Wasser schützen, wie etwa Ratten. Zudem gibt es kleine Unterschlupfe, als Schutz gegen starke Sonne und als Versteck gegen Fressfeinde aus der Luft. Dazu gehören Rohrweihe, Habicht oder Uhu, die es hier geben soll.

Sich um die notwendigen Aufbauten zu kümmern, habe der Bauhof sofort zugesagt und auch die Bauabteilung der Gemeinde Altrip, auf deren Gemarkung sich die Brutinsel befindet, habe schnell und unkompliziert Unterstützung angeboten, sagt Jörns. Auch mit der SGD habe die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert. Die Finanzierung durch das Land wurde über die Neustadter Behörde als Artenschutzmaßnahme organisiert.

Die Schwimminsel und das Zubehör wie Anker, Ketten und Bojen kosten 26.000 Euro, mit Aufbauten, Ausstattung und Vorbereitung des Arbeitsbereichs beim Aufbau liegen die Kosten bei 31.000 Euro. Besonders freut sich Biotopbetreuerin Jörns über das Engagement des Bauhofs und über die Kiesspende eines Kiesbau-Unternehmens.

Sinnvoll wäre laut Dolich, an geeigneten Orten mehrere kleine Inseln anzulegen. Dann könnten sich die verschiedenen Vogelarten untereinander arrangieren, denn es gibt weitere potenzielle Bewohner für solche Floße, wie etwa Gänse und andere Möwen. Auch wäre der Schutz gegen Fressfeinde besser gewährleistet.

Wie die Vögel die Hilfen annehmen, wird von der Gnor beobachtet und regelmäßig berichtet. Im Vogelmonitoring 2020 wird von einem Projekt in den Mechtersheimer Tongruben berichtet, das laut Jörns vor 15 Jahren gestartet wurde. Dies ist bis jetzt der einzige bekannte Brutplatz der Lachmöwe im Land. Hier hat sich die Anzahl der Brutpaare laut Gnor von 25 im Jahr 2016 auf 45 in 2020 gesteigert. Die Flussseeschwalbe war 2016 in Mechtersheim mit sieben Brutpaaren vertreten, im vergangenen Jahr waren es 14. Es gibt im Land noch einen weiteren Brutort der Flussseeschwalbe, nämlich in Neuburg, wo zuletzt 26 Paare brüteten.

Landesweit gibt es zehn Orte, die laut Gnor für künstliche Brutinseln geeignet seien. Vier davon liegen im Rhein-Pfalz-Kreis: der Silbersee Bobenheim-Roxheim, der Speyerer Baggersee nördlich der Deponie, die Tongruben Mechtersheim und der Altrhein bei Neuhofen. Ob die neue Brutinsel von den Vögeln angenommen wird, zeigt sich den Experten zufolge bei deren Eintreffen in unserer Region im April.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 25. März 2021 | Text & Foto: Gereon Hoffmann)

Im Aufbau: Der Kiessand wird auf die schwimmende Insel aufgebracht, die später in die Mitte des Altrheinarmes gezogen wird. (Quelle: www.rheinpfalz.de - 25.03.2021 | Text & Foto: Gereon Hoffmann)

(Quelle: www.rheinpfalz.de  - 25. März 2021 | Text & Foto: Gereon Hoffmann)
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