Dorfgeschichte lebendig halten

Geschichte greifbar und erlebbar zu machen, hat sich der Heimat- und Geschichtsverein Altrip auf seine Fahnen geschrieben. Und das Konzept geht auf: Bei seinen zahlreichen Ausstellungen in seiner 25-jährigen Geschichte konnte der Verein teilweise zwischen 1000 und 1500 Besucher willkommen heißen. Doch die Mitglieder haben noch mehr Erfolgsprojekte vorzuweisen.

Im Obergeschoss des Bürgerhauses hat der Heimat- und Geschichtsverein unter anderem ein Modell des Kastells und einen Römer ausstellt. Auf dem Foto von links: Vorsitzender Tobias Roth, Horst Hook und Alois Eitl. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 21.12.2020 | Text & Foto: Mechthild Möbus)

„Wir bedauern es sehr, dass die Feier zum 25-jährigen Bestehen nicht stattfinden kann“, sagt Tobias Roth, Vorsitzender des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins (HGV). Ehrenvorsitzender Alois Eitl und Horst Hook, der Verfasser der Festschrift, pflichten ihm bei. Es sei wirklich schade, dass der Verein coronabedingt auf seine Feier mit vielen Gästen verzichten musste. Doch die Altriper können sich trotzdem über die Festschrift und den Jubiläumskalender freuen. Ihre Hoffnung setzen die drei Vereinsvertreter zwar aufs nächste Jahr, „doch man weiß ja nicht, was kommt“, räumen sie ein.

Das Brotbackhaus wird regelmäßig geheizt. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 21.12.2020 | Text: Mechthild Möbus | Archivfoto: Lenz)Nicht nur die Jubiläumsfeier, auch weitere Veranstaltungen, an denen sich der Verein beteiligt, mussten ausfallen. Der Kerweumzug oder der Weihnachtsmarkt zum Beispiel. Doch einige Mitglieder seien sehr aktiv, erzählt Alois Eitl: beim „Whatsapp-Backen“. Denn die Brotbackgruppe, die seit der Einweihung des Brotbackhauses vor acht Jahren dort regelmäßig backt, wollte in Corona-Zeiten nicht ruhen. „Gebacken wird einmal alle vier Wochen zu Hause, und der Backmeister sucht die Rezepte aus – über Whatsapp machen dann Fotos mit den Erfolgen oder auch Misserfolgen die Runde – und zum gemeinsamen Abschluss gibt es ein Glas Wein“, beschreibt Eitl den regen Austausch via Messengerdienst.

Vor Corona wurde regelmäßig der Brotbackofen neben dem Bürgerhaus Alta Ripa befeuert. Das Brotbacken, wie es ihre Vorfahren gepflegt haben, begeistert viele Altriper – und es zeigt, dass das Ziel des Vereins, Geschichte lebendig werden zu lassen, ankommt. In den vergangenen acht Jahren hat sich die Mitgliederanzahl des Vereins verdoppelt. Heute hat der HGV 190 Mitglieder und ist stolz auf seinen Altersdurchschnitt von 60 Jahren. Den Ehrenvorsitzenden Eitl freut es, dass auch Jüngere Interesse an Geschichte zeigen.

Die Tracht begeistert

Mit viel Liebe zum Detail und dem Fokus auf lebendiger Geschichte stellten die Vereinsmitglieder auch Ausstellungen auf die Beine. Angefangen von der Idee bis zur Veranstaltung machten sie dabei alles selbst. Ob die erste Ausstellung 1997 unter dem Titel „100 Jahre Post in Altrip“ oder die am besten besuchte Ausstellung „Die Römer in Altrip“ 2005 – sie stießen stets auf große Resonanz bei den Besuchern, wie der Verein in der Festschrift stolz berichtet.

Immer ging es den Aktiven darum, nicht nur interessante Exponate, die vom Historischen Museum in Speyer geliehen wurden, zu zeigen. Sondern der HGV möchte das Erlebnis für die Besucher in den Vordergrund stellen. So schilderten zwei Goldwäscher aus Karlsruhe in der Ausstellung „Leben am Strom“ ihre Arbeit. Bei anderen Ausstellungen war ein Korbmacher zu Gast, oder es wurde die Herstellung von Honig und Butter gezeigt. Die Ausstellung „Kinder, wie die Zeit vergeht“ weckte bei vielen die Erinnerung an die eigene Schulzeit.

Die Begeisterung für die eigene Geschichte erstreckte sich auch auf die Altriper Tracht, die Elke Knöppler und Heike Just „in mühevoller Kleinarbeit aus spärlich vorhandenen Unterlagen und alten Schwarz-Weiß-Fotos aus dem 19. Jahrhundert“ wieder aufleben ließen. Dies inspirierte viele Altriper, sie schlossen sich zur Altriper Trachtengruppe zusammen und nähten ihre Tracht selber – „auch Bürgermeister Kotter war dabei“, erinnert sich Horst Hook, der sich ebenfalls an die Nähmaschine setzte.

Fest im Ort verankert

Die Informationsstätte in der Ludwigstraße 9 in Altrip erinnert an die Ursprünge des Kastells unter Kaiser Valentianus I.  (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 21.12.2020 | Text & Archivfoto: Mechthild Möbus)Dass dem Heimat- und Geschichtsverein die Ideen nicht ausgehen, ist an seinem jüngsten Projekt zu sehen. „Wir sind dabei, für Brieffreundschaften zwischen Altrip und der künftigen Partnerschaft Kutztown im amerikanischen Pennsylvania zu werben“, berichtet Alois Eitl. Briefeschreiben in Zeiten von Corona war die Idee und die gemeinsamen Wurzeln einschließlich des Dialekts verbindet die beiden Orte. Denn im 18. Jahrhundert wanderten sehr viele Pfälzer nach Pennsylvania aus und ließen sich auch in dem heute 5000 Einwohner umfassenden Kutztown nieder.

Die Faszination für Geschichte und die Verbindung zu ihrer Heimat ist den Mitgliedern gemeinsam. Vorsitzender Tobias Roth selbst bekennt: „Die Geschichte ist beeindruckend. Schon als Kind in der Grundschule haben wir von Römern und vom Kastell erfahren – das war bei mir Begeisterung pur.“ Und dass der Heimat- und Geschichtsverein im Ort so fest verankert sei, was sich an der Beteiligung zahlreicher Veranstaltungen gezeigt habe, sei erwähnenswert, findet Ehrenvorsitzender Alois Eitl.

Wie präsent die Geschichte im Ort ist, zeigt auch die Informationsstätte in der Ludwigstraße 9, die an die Ursprünge des Kastells unter Kaiser Valentianus I. im Jahr 369 nach Christus erinnert. Ebenso wie zahlreiche literarische Veröffentlichungen, etwa das Altriper Wörterbuch, ein Kochbuch und historische Schriften sowie die Chronik „Altrip und sein Weg durch die Geschichte“. 
 

NOCH FRAGEN?

  • Heimat- und Geschichtsverein Altrip, Vorsitzender, Tobias Roth, Telefon 06236/9370571, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, im Netz: www.hgv-altrip.de
  • Den HGV-Kalender mit Jubiläumsmotiven gibt es zum Preis von 5 Euro im Einkaufscenter Kotter in der Rheingönheimer Straße 21, im Angelshop Mansky am Karl-Marx-Platz 5 sowie bei Evi’s Trafik in der Dürerstraße 1.
(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 21. Dezember 2020 | Text: Mechthild Möbus | Fotos: Mechthild Möbus, Lenz)
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