„Schuld ist Herr Eitl“

Interview: Der neue Vorsitzende des Altriper Heimat- und Geschichtsvereins, Tobias Roth, über seine Beweggründe und Brotbacken während Corona

Der Heimat- und Geschichtsverein Altrip ist eine feste Größe im Ort. Seit 25 Jahren organisieren die Aktiven Ausstellungen, Exkursionen, geben Publikationen heraus und haben mit dem Brotbackhaus eine Institution im Ort geschaffen. In den vergangenen acht Jahren leitete Alois Eitl die Geschicke des Vereins. Nun steht sein Nachfolger fest: Tobias Roth. Er verrät, was er vorhat.

Herr Roth, wie kam es, dass Sie sich beim HGV engagieren?

„Schuld“ ist der Herr Eitl! Ich war immer mal beim Brotbacktag dabei, weil meine Mutter hier regelmäßig backt. Da konnte ich dann schon mal „reinschnuppern“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Duft von frisch gebackenem Brot ist einfach herrlich! Und weil Alois und ich beide Whisky-Liebhaber sind und denselben Stammtisch besuchen, hat er mich vor vier Jahren einfach gefragt – in seiner unnachahmlich gewinnenden Art – ob ich mir vorstellen könnte, Vereinsmitglied zu werden. Und das konnte ich mir sehr gut vorstellen.

Welche Beweggründe gibt es für Sie?

Im Altriper Vereinsleben war ich schon als Jugendlicher aktiv – zunächst bei den Pfadfindern, dann in diversen Angelvereinen und beim Athletenclub Altrip. Dann trat das Berufliche in den Vordergrund, und auch meine alten Vereinsfreunde zerstreuten sich in alle Winde. Da wurde es dann etwas ruhiger um mich ...

Was hat sich geändert?

Beruflich bin ich nun „gesettelt“, und als Vereinsmensch war ich wohl sicher reif für eine neue Aufgabe. Ich mag das dörfliche, gemeinsame Leben und interessiere mich für die Geschichte unseres Orts. Sie ist spannend und kennt sowohl dunkle als auch Blütezeiten. Und der HGV macht diese Geschichte und die Dorftraditionen lebendig und sichtbar, mit der Trachten- oder der Mittelaltergruppe, die im Moment leider nicht aktiv ist, und natürlich auch mit der Brotbackgruppe.

Wie begegnet der Verein den aktuellen Herausforderungen?

2012, als das Backhaus eingeweiht wurde, lernte Tobias Roth den HGV Altrip kennen. Nun ist er der Vorsitzende des Vereins. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 28.09.2020 | Interview & Foto: Kathrin Hentzschel)Während der ersten strengen Corona-Maßnahmen haben wir aus unserer Brotbackgruppe das „WhatsApp-Backen“ eingeführt, da wir uns ja nicht mehr am Backhaus treffen konnten. Das hat erstaunlich gut geklappt, wir waren stets eine Gruppe von etwa 30 Teilnehmern, und der Austausch zu den Brotsorten und -teigen war fast genauso intensiv wie sonst live am Backhaus. Seit Juni backen wir auch wieder dort, allerdings geben die Teilnehmer ihren Teig am Tor ab und dürfen das Vereinsgelände nicht betreten. Und Mundschutz ist natürlich obligatorisch, besonders für unsere Männer am Ofen, da sie ja Seite an Seite arbeiten.

Aber der HGV macht mehr als Brotbacken.

Schade ist, dass die alle Altriper Veranstaltungen, zu denen der HGV stets einen Beitrag leistet, ausfallen, und auch die Vorbereitungen zur Begleitausstellung des Landesmuseums Mainz von „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ müssen verschoben werden. Zumindest die Reinigung des Regino-Denkmals können wir durchführen. Eine solche Denkmal-Reinigung ist gar nicht so einfach, weil die verschiedenen Stellen auf unterschiedliche Art behandelt werden müssen. All das ist inzwischen mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe, der Unteren Denkmalschutzbehörde und der Reinigungsfirma abgesprochen. Damit soll es voraussichtlich im Oktober losgehen, dann folgt die Schadenkartierung, und für die Restaurierung hoffen wir auf die Ortsgemeinde.

Was ist sonst geplant?

Außer der Ausstellung zu den Kaisern müssen wir aufgrund von Corona auch eine zweite Veranstaltung schieben: Wir hatten uns für die Wanderausstellung „80 Jahre Deportation der badischen und pfälzischen Juden nach Gurs“ beim Bezirksverband Pfalz beworben, der die Ausstellung für Rheinland-Pfalz plant und organisiert. Die Ausstellung an sich wurde von der Berliner Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“ ins Leben gerufen. Wir waren sehr stolz, dass wir bis jetzt als einziges Dorf für dieses Projekt ausgewählt wurden. Und dass mit den Vorbereitungen erst im kommenden Jahr begonnen werden kann, ist natürlich mehr als schade. In Altrip wäre sie im Sommer 2021 zu sehen gewesen. Dieser Termin wird sich voraussichtlich in die Zeit Anfang, Mitte 2022 verschieben. Aber der HGV hat sich schon so vielen Herausforderungen gestellt, dann werden wir diese Krise ebenfalls meistern!

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 28. September 2020 | Interview/Text & Foto: Kathrin Hentzschel)

ZUR SACHE: Alois Eitl nun HGV-Ehrenvorsitzender

Als Anerkennung seines Engagements ist Alois Eitl von seinem Nachfolger Tobias Roth zum Ehrenvorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Altrip (HGV) ernannt worden. In Eitls Amtszeit hat sich die Anzahl der Mitglieder von 82 im Jahr 2012 auf nun 192 mehr als verdoppelt. Neben der Organisation einiger Ausstellungen wurden Projekte umgesetzt wie das Altriper Backhaus, die Informationsstätte „alta ripa“ in der Ludwigstraße oder die Uraufführung der Mundartkomödie „Die Altriper Urg'schicht“. Es wurden auch verschiedene Broschüren gedruckt, zuletzt die neue Ortschronik „Altrip und seinen Weg durch die Geschichte“. Alois Eitl hat die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt der Vereine in Altrip gefördert. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass der HGV in Altrip wie auch in der Verbandsgemeinde Rheinauen und im Rhein-Pfalz-Kreis zu einer festen Institution geworden ist. Er steht dem Verein weiter mit Rat und Tat zur Seite.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 28. September 2020 | Text: Kathrin Hentzschel)
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