Vermeintlicher Tippfehler täuscht Chronisten

Geschichte der SPD muss korrigiert werden – Folgenreiche Namensverwechslung

Ein vermeintlicher Tippfehler führte die große, starke Frau der Speyerer Sozialdemokraten, Elisabeth Alschner (1929-1997), auf eine falsche Spur. In ihrer Arbeit zur Chronik „100 Jahre SPD Altrip – 1995“ brachte sie zum Ausdruck, dass Philipp Hook IV., den sie 1909 als den ersten sozialdemokratischen Adjunkten (Bürgermeister-Stellvertreter) im Ort ansah, 20 Jahre später als „Parteiführer der SPD“ auf der Gemeinderatsliste des Ziegelei- und Großgrundbesitzers Karl Baumann kandidierte. Das Waterloo der Altriper SPD im Jahre 1929 führte sie auch auf diesen „Frontenwechsel“ zurück. Von jeweils 20 Sitzen errang die SPD 1920 mit der USPD elf, bei Neuwahlen 1923 nach einer Rücktrittswelle nur noch acht, 1924 noch fünf und 1929 gar nur noch drei Sitze.

„Partieführer“ statt Parteiführer

Auf der Liste „Alte Wahlvereinigung“ des Fabrikdirektors Baumann standen gleich drei Bewerber mit Namen Philipp Hook. Ein Tüncher, ein Fabrikarbeiter und ein „Partieführer“. Offensichtlich wurde angenommen, dass es richtigerweise hätte „Parteiführer“ heißen müssen. Doch dem war nicht so.

Der Kandidat Philipp Hook war tatsächlich ein Partieführer. Als solcher gehörte er zur gehobenen Kategorie eines Arbeiters, der an besonders verantwortungsvoller Stelle beim reinen Produktionsvorgang in einer chemischen Fabrik beschäftigt war. Er stand an einer Apparatur als eine Art Wachposten und durfte im Allgemeinen seinen Arbeitsplatz während der im Gange befindlichen chemischen Umsetzung nicht verlassen.

Durch die Häufung der vielen Vornamen gleicher Namensträger in Altrip, etwa bei Hook, Hauk, Lemmert und Schneider, wurde hinter dem Nachnamen eine Nummerierung vorgenommen. Im Alltagsleben spielte dies keinerlei Rolle, da die einzelnen Familien durch Uznamen unterschieden wurden.

Bei Wahlen gab es da aber schon mal Probleme, wenn die Identität eines Bewerbers nicht klar zu erkennen war. So sorgte der „Parteiführer der SPD“, Philipp Hook IV., bereits 1924 in der Bevölkerung tagelang für Irritationen. Damals zog über die „Partei der Gewerbetreibenden“ ein Philipp Friedrich Hook IV. in den Gemeinderat, während besagter Philipp Hook IV. den Einzug verfehlte, aber dennoch dritter Bürgermeister wurde. Damals konnte sich in Altrip niemand vorstellen, dass die SPD bei nur noch drei errungenen Sitzen neben dem zweiten auch noch den dritten Bürgermeister stellen konnte.

Aber die Sozialdemokraten konnten: Adam Jacob, der Spitzenkandidat der Wahlvereinigung, konnte nur mit Hilfe der SPD gegen zwei weitere Rathausgruppierungen Bürgermeister werden. Der dritte Bürgermeister für die SPD war der Lohn dafür. Zur Verwirrung trug ferner bei, dass auf der Liste der Wahlvereinigung ebenfalls noch zwei Arbeiter mit Namen Philipp Hook standen.

Aus Partei ausgeschlossen

Ende 1926 schloss die Altriper SPD mit einem einfachen Beschluss ihren früheren Funktionär Philipp Hook IV. kurzerhand aus der Partei aus. Angeblich hatte er Beschlüsse aus geheimen Sitzungen bekannt gegeben und Trinkgelder der Pfalzwerke ungleich verteilt. Aus dem Amt des dritten Bürgermeisters wollten ihn die Genossen auch gerne verjagen, mussten sich jedoch belehren lassen, dass ein Parteiausschluss keinen Einfluss auf ein Mandat hat.

Die angeführten Ausschlussgründe hätten, so sie denn überhaupt berechtigt waren, eher die Gemeinde auf den Plan rufen müssen. Philipp Hook IV. war jedenfalls „sauer“ und machte 1929, gemeinsam mit anderen ehemaligen Sozialdemokraten, Stimmung gegen die SPD. Hook wechselte jedoch nicht die „Fronten“, schon deshalb nicht, weil er als Arbeiter bei den „Baumännern“ entlassen wurde. Insoweit bedarf die Chronik der Altriper SPD einer Korrektur.

INFO

Das Verwirrspiel um den Namen Philipp Hook zeigen die Listen der Altriper Parteien bei der Gemeinderatswahl im Jahr 1924:

  • Partei der Gewerbetreibenden: Hook, Philipp Friedrich IV., Schuhmacher
  • Wahlvereinigung: Hook, Philipp VI., Arbeiter, – Hook, Philipp V., Kohlenarbeiter
  • SPD: Hook, Philipp IV., Arbeiter

Gemeinderatswahl 1929

  • Alte Wahlvereinigung: Hook, Philipp V., Tüncher – Hook, Philipp Jakob, Partieführer – Hook Philipp VII., Fabrikarbeiter.
(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 4. Januar 2001 | Text: Wolfgang Schneider)
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