Der erste Abnehmer der Bananenflanke

Der Altriper Fußballer Reinhard Pfeiffer spielte in der Jugend mit Manfred Kaltz – Vertrag beim FC Schalke 04

Reinhard Pfeiffer ist ein schneller, kopfballstarker Mittelstürmer mit erstklassiger Schusstechnik gewesen und hat für die A-Junioren vom TuS Altrip unzählige Tore erzielt. Das hat ihm einen Vertrag beim Bundesligisten FC Schalke 04 beschert. Doch der heute 58 Jahre alte Torjäger hat den Durchbruch nicht gepackt. Der gebürtige Altriper lebt wieder in seiner Heimatgemeinde und genießt mit Ehefrau Elfi seine Altersteilzeit.

Die Kopfballstärke war ein Plus des Mittelstürmers Reinhard Pfeiffer, der aus der Jugend von TuS Altrip stammt. Für Schalke 04 bestritt er ein Bundesligaspiel. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 28.04.2010 | Text: Thomas Leimert | Foto: privat)

Jeder, der sich ein bisschen im Fußball auskennt, weiß vom Erfolgsrezept des Hamburger SV in den 70er und 80er Jahren. Flanke Manfred Kaltz, Kopfball Horst Hrubesch – Tor. Dass der aus Neuhofen stammende Außenverteidiger Kaltz, der Erfinder der sogenannten „Bananenflanke“, schon viel früher einen dankbaren Abnehmer hatte, wissen aber die Wenigsten. „Wir spielten gemeinsam in der A-Jugend von TuS Altrip und ich habe viele Kopfballtore nach Flanken von Manfred Kaltz erzielt“, erinnert sich der klassische Mittelstürmer Pfeiffer, der Kapitän und Führungsspieler war. Die Altriper waren damals nicht irgendeine A-Jugend, sondern spielten im Juli 1970 in Bochum um die Deutsche Meisterschaft. 50 der 51 Saisonspiele gewann der TuS, darunter Testspiele gegen Bayern München und den FC Schalke 04. Nur das Endspiel gegen Hertha Zehlendorf ging mit 2:3 verloren. Doch auch der Vizemeister wurde bei der Rückkehr in Altrip von den Bürgern begeistert empfangen. „Damals hat alles gepasst, sportlich und menschlich“, sinniert Pfeiffer und ein Lächeln umspielt seine Lippen.

Seine überdurchschnittlichen Leistungen blieben nicht unbemerkt. Er wurde zu einem Lehrgang der DFB-Junioren-Nationalmannschaft in die Sportschule Duisburg-Wedau eingeladen, bei dem auch die späteren Weltstars Uli Hoeneß und Paul Breitner dabei waren. „Ulis Organisationstalent war schon damals erkennbar. Er hat aufgeschrieben, wie viele Cola und Kekse die Mannschaft benötigt und Paul geweckt, sonst hätte der das Training verpasst“, erzählt Pfeiffer und lacht herzlich.

Der Sturmtank absolvierte ein Probetraining bei Eintracht Frankfurt und eins bei Schalke 04. Er entschied sich für die Königsblauen. „Im Nachhinein muss ich sagen, dass es die falsche Entscheidung war“, stellt Pfeiffer nüchtern fest. Traurig ist er deswegen nicht, denn bei Schalke erlebte der Junge aus der Provinz ein aufregendes Jahr. 2000 Mark Grundgehalt bekam der gelernte Werkzeugmacher. „Da kamen über 300 Zuschauer zum Training. Trikots, Schuhe, Trainingsanzug, alles war für uns schon gerichtet. Die Spieler, die ich zuvor nur aus dem Fernsehen kannte, saßen jetzt in der Kabine neben mir“, sagt Pfeiffer und in seinen Worten schwingt noch etwas Ehrfurcht mit. Libuda, Fischer, Pirkner – die Konkurrenz im Sturm, allesamt Nationalspieler, war übermächtig. Rotiert wurde damals noch nicht und so kam der junge Pfälzer nur zu einem Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln. „Aber ich wurde bei einem tollen Turnier in Barcelona eingesetzt“, schwelgt Pfeiffer. Im vollen Stadion Nou Camp trafen Barcelona, Ajax Amsterdam, Dinamo Moskau und Schalke aufeinander. Ein schwarzes Kapitel der Königsblauen ging an ihm völlig vorbei, wie er glaubhaft versichert: Der Bundesligaskandal, in den die Knappen verwickelt waren. Den jungen Ersatzspieler weihten die „Sünder“ nicht ein.

Reinhard Pfeiffer (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 28.04.2010 | Text: Thomas Leimert | Foto: privat)Reinhard Pfeiffer wechselte nach einer Saison zum Karlsruher SC in die Regionalliga Süd, wo er aber auch nicht so oft spielte. Die Enttäuschung darüber und seine bevorstehende Hochzeit ließen ihn wieder zum TuS Altrip zurückkehren, zumal sein Schwiegervater „einen sicheren Beruf“ empfahl. Den fand er im Großkraftwerk Mannheim und nach anfänglichen Bedenken der Kollegen („kann der überhaupt arbeiten, der hat doch nur Fußball gespielt“) blieb er bis zum Übergang in die Altersteilzeit dort. „Es war für mich überhaupt kein Beinbruch wieder arbeiten zu gehen. Ich habe auch immer noch die alten Freunde von früher“, erweist sich Pfeiffer als bodenständiger Typ. 20 Jahre lang spielte er bis zur Oberliga Tennis, gehört heute noch dem Stammtisch in der „Alte Münz“ in Wachenheim an. Mit seiner Frau geht er gerne zum Skifahren im Allgäu oder in den Dolomiten oder zum Bergwandern. Den Pfeiffers geht es gut, auch wenn das Ehepaar einen schlimmen Schicksalsschlag verkraften musste. Vor zehn Jahren starb das einzige Kind, Sohn Stefan, bei einem Lawinenunglück.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 28. April 2010 | Text: Thomas Leimert | Fotos: privat)
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