„Sie sind die richtige Frau für uns”

Politisches und gesellschaftliches Wirken von Ellen Hört mit Landesehrennadel belohnt

Einfach mal nur faul die Füße hochzulegen, war niemals ihr Ding. Ellen Hört (66) hat sich in vielen Bereichen engagiert und durch ihr politisches, soziales und gesellschaftliches Engagement Anerkennung erworben. Vor einigen Tagen erhielt sie im Auftrag von Ministerpräsident Kurt Beck die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz (wir berichteten).

Ellen Hört engagiert sich auf vielen Gebieten: Seit 20 Jahren trägt sie den Evangelischen Kirchenboten aus und sucht dabei das Gespräch mit älteren Menschen. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 08.10.2005 | Text: Oliver Seibel | Foto: Lenz)Bei allem, was Ellen Hört tat, hatte sie das Gemeinwohl im Auge. Als sie von 1958 bis 1974 bei der BASF als Laborangestellte arbeitete, ereilte sie der Ruf als Vertrauensfrau bei der IG Chemie. Ein BASF-Betriebsrat habe 1970 zu ihr gesagt: „Sie sind die richtige Frau für uns. Mit uns meinte er die SPD.” Der Anfang war also gemacht. 1974 wurde Hört in den Altriper Gemeinderat gewählt, dem sie mit einer dreijährigen Unterbrechung bis 2004 angehörte. In dieser Zeit war sie zudem in weiteren Gemeindegremien aktiv und erlebte mit Michael Marx, Willi Kotter und Jürgen Jacob drei Bürgermeister. Im Hintergrund arbeitet sie nach eigenen Worten aber immer noch mit.

An ihre Zeit im Gemeinderat erinnert sie sich gerne. „Wir haben diskutiert und gestritten, aber danach sind alle Parteien zusammen noch einen trinken gegangen”, erzählt sie. Heute sei das alles anders. Jeder wolle einfach seine Anträge durchbringen, die Kompromissbereitschaft, so ihr Gefühl, sei geringer als früher. Ein Faible hatte sie in erster Linie für das Thema Finanzen. Eine Sitzung konnte ihr sogar so wichtig sein, dass sie einen Krankenhaus-Aufenthalt unterbrach. „Da hat eben jede Stimme gezählt!”

Neben ihrer Ratsmitgliedschaft war Hört von 1976 bis 2003 Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) in Altrip und bekleidete in dieser Zeit sechs Jahre lang den Vorsitz des ASF-Kreisverbandes. Damit nicht genug, fungierte sie von 1981 bis 1988 als Schöffin beim Amtsgericht Ludwigshafen. „Diese Zeit hat mich ebenfalls geprägt. Viele Verhandlungen haben mich damals berührt. Leuten, die sich zum wiederholten Male wegen Kindesmisshandlung verantworten mussten, hätte ich gerne eine höhere Strafe aufgebrummt. Aber es gibt eben Gesetze. Da habe ich manche Nacht nicht schlafen können”, so Hört, der allerdings auch heitere Gerichtsepisoden im Gedächtnis sind: „Eines Tages trat eine Domina vor Gericht auf. Damals war ich so unbedarft, dass ich nicht wusste, was das ist. Also fragte sich sie, was zu lautem Gelächter im Gerichtssaal führte. Sie erklärte mir dann, dass sie in ihrem Beruf Kontakt zu unterwürfigen Menschen habe. Danach war ich so schlau wie vorher.”

Eine weitere Säule ihres gesellschaftlichen Wirkens: Als Ehrenamtliche ist Hört seit 25 Jahren in der Protestantischen Kirchengemeinde Altrip tätig, trägt seit 20 Jahren den Evangelischen Kirchenboten aus. Dabei sucht sie das Gespräch mit den Menschen. „Bei älteren Leuten ist es ganz wichtig, dass man ihnen zuhört. Und das versuche ich, so oft ich kann”, betont sie. In Zukunft will sich die 66-Jährige verstärkt ihren Hobbys widmen: Wandern, die Lektüre historischer Romane und klassische Musik sind ihre Steckenpferde. Ihrem Ehemann Günter ist”s recht: „Früher war sie so viel unterwegs, jetzt ist sie ruhiger geworden.”

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 8. Oktober 2005 | Text: Oliver Seibel | Foto: Lenz)
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