Krämerladen mit Bierausschank

Das „Römerhaus” in Altrip ist mit 350 Jahren das älteste Gebäude des Dorfs - Abriss 1980 verhindert -
Heute große Jubiläumsfeier

Mit den Römern hat es nachweislich zwar nichts zu tun, der Volksmund nennt es aber trotzdem „das Römerhaus”: das Anwesen in der Römerstraße 1 in Altrip. Heute feiert die Gemeinde das 350-jährige Bestehen ihres ältesten Gebäudes.

Errichtet wurde es im Jahre 1660 von dem Bäcker Hanß Jacob Wolfart auf Geheiß des Kurfürsten Karl Ludwig. Zur gleichen Zeit herrschte in Frankreich der berühmte Sonnenkönig Ludwig XIV. Mit vier Stockwerken fiel das schmucke Fachwerkhaus sehr aufwendig aus, zumal die Fassade mit einem fränkischen Fenstererker, mehreren Figuren und Andreaskreuzen reich verziert war.

Vorher, nachher: Eckhard Bachert brachte das Haus auf Vordermann. Seit 1983 steht es unter Denkmalschutz. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 28.08.2010 | Text: Markus Müller | Foto: privat)

In der Anfangszeit nutzte der Erbauer und erste Eigentümer das Erdgeschoss als Tabaklager und Kontor. Nachdem es den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697) als eines von wenigen Gebäuden unbeschadet überstanden hatte, diente es Rheinschiffern und Reisenden als Gast- und Wirtshaus unter dem Namen „Zum Löwen”. Der Legende nach soll hier sogar der französische Kaiser Napoleon auf dem Rückzug von seinem gescheiterten Russland-Feldzug übernachtet haben. Belegen lässt sich das allerdings nicht mehr. Zwischenzeitlich wurde das Haus ferner als Gefängnis, Backstube und Sitz der Gemeindeverwaltung benutzt.

Später wurde die Gaststätte in die oberen Etagen verlegt, da der Platz in den unteren Stockwerken für den ersten Krämer- beziehungsweise Kolonialwarenladen des Dorfs benötigt wurde. 1839 verkaufte der damalige Besitzer, die Familie Lemmert, das Anwesen an die Familie Jacob. Die durfte den Besuchern noch bis 1909 in der Römerstraße 1 Bier ausschenken und führte in Gestalt der Geschwister Jacob den Gemischtwarenladen bis 1957 weiter. 1969 verkaufte die Erbengemeinschaft Jacob das altehrwürdige Gemäuer an die Gemeinde, die es vorübergehend als Baulager benutzte und die Schornsteine sowie die Kanalanschlüsse aufmauerte. Die Idee, in dem renovierungsbedürftigen Haus ein Heimatmuseum einzurichten, scheiterte an den als zu hoch eingeschätzten Sanierungskosten.

Daher stellte die Gemeindeverwaltung 1980 den Abrissantrag. Damit waren jedoch die Kreisverwaltung und vor allem zahlreiche Bürger nicht einverstanden. Die Lehrer Eckhard Bachert und Jürgen Schneider sowie der Krankenpfleger Peter Stepien und der spätere Grünenpolitiker Bernhard Braun gründeten daraufhin sogar eine Bürgerinitiative. Nach einer eigens einberufenen Bürgerversammlung und langwierigen Verhandlungen wurde das „Römerhaus” schließlich 1982 an Bachert verkauft - mit der Auflage, es innerhalb eines Jahres auf Vordermann zu bringen. Am 16. März 1983 stellte die zuständige Landesbehörde das Kleinod dann unter Denkmalschutz.

Über diese Entwicklung ist die Gemeinde im Nachhinein froh. „Es ist der einzige Zeuge der damaligen Zeit und hat daher für uns einen sehr hohen Stellenwert”, sagt Bürgermeister Jürgen Jacob. Zumal dank der vielen Aufzeichnungen und des Archivs die lebhafte Geschichte des Hauses sehr gut nachvollzogen werden könne. Für den großen Festakt am Samstag, 28. August, sei das „Römerhaus” lediglich noch einmal frisch angestrichen worden, nachdem die Fassade anlässlich des Jubiläums bereits im vergangenen Jahr umfangreich saniert wurde.

Termin
Heute, Samstag, 28. August, 11 Uhr, Festakt mit Musik; ab 13 Uhr „Tag der offenen Tür” mit Führungen durch das „Römerhaus”; ab 20 Uhr Hoffest mit Musik und Lyrik.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 28. August 2010 | Text: Markus Müller | Foto: privat)
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