Mit Pfeil und Bogen

Der Schütze Walter Heck wird 75

Bei Indianer-Spielen auf der Altriper Horreninsel spannte Walter Heck, der heute in Altrip ''Im Schützengarten'' seinen 75. Geburtstag feiert, erstmals einen ''Flitzebogen''. Das war unter der Dorfjugend damals so üblich. Absolut unüblich hingegen war die Sportlerlaufbahn, die Walter Heck mit 36 Jahren im Bogenschießen einschlug und die so erfolgreich verlaufen sollte.

Spitze: Bogenschütze Walter Heck wurde von Freunden nur „Champ“ genannt, heimste in seiner Sporlerlaufbahn zahlreiche Titel ein. (Quelle: DIE RHEINPFALZ - 30.08.2000 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)Just zu der Zeit, als er sich nach Ruchheim verheiratet hatte und sein ganzer Stolz das vierjährige Söhnchen Jürgen war, las er in der RHEINPFALZ von Bogenschützen, die ihre Pfeile 90 Meter weit schossen. Das faszinierte ihn so sehr, dass er sich, nachdem er den Bogenschützen der SG 1851 Ludwigshafen zugeschaut hatte, flugs eine komplette Bogenschützenausstattung beschaffte. Dafür musste er einen ganzen Monatslohn hinlegen, erinnert sich der Jubilar. Und als Elektroingenieur bei einer Mannheimer Weltfirma verdiente er nicht gerade schlecht. Walter Heck schoss nun auf Strohscheiben, angebracht an der ''Scheierdeer'' im Anwesen seiner Frau Renate, die in Ruchheim ein Friseurgeschäft hatte.

Nach zwei Jahren war Heck bereits in der Nationalmannschaft und konnte nach weiteren zwei Jahren einen Doppelsieg feiern: Deutscher Meister im Einzel und im Mannschaftsschießen 1965. Diese Leistung ist um so beachtlicher, da der Sportler sich auch noch als Häuslebauer in der Altriper ''Blechlache'' betätigte und beruflich mit dem Einbau von Steuerungsanlagen für Spanplattenfabriken sehr oft im Ausland unterwegs war. Kaum zu Hause angekommen, ging er zum Training: drei bis vier Wochentage täglich drei Stunden und sonntags bis zu sieben Stunden harte Arbeit.

Das Bogenschießen erfasste die ganze Familie: 1972 wurden Walter Heck und Sohn Jürgen bei den Pfalzmeisterschaften Meister in ihren Altersklassen und Frau Renate wurde Vizemeisterin der Damen. In Altrip hieß es fortan: ''Familie Heck schießt!''

Walter Hecks Bilanz 1984, am Ende seiner Sportlerlaufbahn: In 23 Jahren 50 Meister- und Nationaltitel, darunter 23 Deutsche Meisterschaften. Kein Wunder, dass er unter Freunden nur ''Champ'' genannt wurde. Normalerweise bekamen die Altriper von ihrem berühmten Bogenschützen nicht viel mit - außer den vielen Sportberichten. Doch 1967 erlebte die Gemeinde ein internationales Treffen, das ''Championat im Feldbogenschießen''. Über 80 Teilnehmer zogen zum Teil in verwegener Bekleidung wie einst Robin Hood durch den Auwald auf der Prinz-Carl-Wörth-Insel und ließen 15.000 Pfeile auf Tierbilder schwirren.

Bei allem, was Heck anfängt, zeigt er Ausdauer. So trat er schon als Zwölfjähriger in den Handharmonika-Club Altrip ein, seit 1947 frönt er vereinsmäßig dem Chorgesang. Vor drei Jahren wurde er vom Deutschen Sängerbund für 50 Jahre Chorgesang geehrt. Mit 65 Jahren fing er gar mit Klavierspielen an und widmet sich seither auch dem Angelsport. Den Bogen hat er allerdings an den berühmten Nagel gehängt.

(Quelle: DIE RHEINPFALZ - Ludwigshafener Rundschau - 30. August 2000 | Text: Wolfgang Schneider | Foto: Lenz)
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